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Zverev in der Krise: Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Zverev in der Krise: Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Von Eurosport

15/08/2019 um 15:26Aktualisiert 15/08/2019 um 15:39

Alexander Zverev hat die Generalprobe für das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres ordentlich verpatzt. Der 22-Jährige scheiterte beim ATP-Turnier in Cincinnati bereits an seiner Auftakthürde. Dabei kündigte Zverev vor Wimbledon noch an, dass er bei den US Open den "Durchbruch" schaffen möchte. Noch nie klafften bei der deutschen Nummer eins Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander.

Seinen Aufschlag hatte Alexander Zverev in der Kabine gelassen. Wieder einmal. Die stärkste Waffe des 1,98 m langen Hamburgers blieb auf dem Centre Court stumpf. Und so stand am Ende eines enttäuschenden Arbeitstages eine 7:6 (7:4), 2:6, 4:6-Niederlage gegen den serbischen Youngster Miomir Kecmanovic im Auftaktmatch von Cincinnati. Die letzte Chance auf ein Erfolgserlebnis vor den US Open bietet sich in der kommenden Woche in Winston-Salem, doch dort war Zverev am Donnerstag noch nicht gemeldet.

Das alles hatte sich der 22-Jährige sicher ganz anders vorgestellt, doch auf dem Platz geht derzeit einfach nichts mehr. Und dabei wollte Zverev in New York doch nach den Sternen greifen. "Ich habe immer gesagt, dass die US Open in diesem Jahr das Turnier sind, bei dem ich meinen Durchbruch schaffen will", hatte er in Wimbledon angekündigt. Auf den Hartplätzen in Flushing Meadows fühlt er sich wohl, sagt er, das hektische Turnier im Big Apple ist sein Lieblings-Grand-Slam.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei Zverev weit auseinander

Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist bei Zverev jedoch aktuell so groß wie wohl noch nie. Es ist noch nicht so lange her, da wurde Zverev als der kommende Mann gefeiert, als einer, der den Platzhirschen Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal das Leben schwer machen kann.

Schwer macht es sich Zverev seit Wochen aber nur selbst. Da sind der seit Monaten schwelende Rechtsstreit mit seinem Ex-Manager Patricio Apey oder die von viel Getöse begleitete Trennung von Trainer Ivan Lendl. Die Nebenkriegsschauplätze belasten ihn. Immer noch.

Frust pur: Alexander Zverev nach seinem Aus beim ATP-Turnier in Cincinnati

Frust pur: Alexander Zverev nach seinem Aus beim ATP-Turnier in CincinnatiGetty Images

Das ist Zverev anzusehen. Nach dem Matchball von Kecmanovic ging er müden Schrittes zum Netz und gratulierte artig. Die Schultern hingen tief. Ihm ist anzusehen, dass er sich nach einer Serie von Rückschlägen in einer Abwärtsspirale befindet.

Struff nach Überraschungssieg "total glücklich"

Das Match gegen Kecmanovic wies ihm keinen Weg aus der Krise. Gegen den drei Jahre jüngeren Kontrahenten zeigte Zverev zwar phasenweise bessere Ansätze als in der Vorwoche in Montreal (Aus im Viertelfinale), ließ aber erneut zu viele Chancen liegen. Vor allem sein Service bleibt ein riesiges Problem - 20 Doppelfehler leistete sich Zverev bei neun Assen, sechsmal gab er sein Service ab. Bei seinen letzten drei Niederlagen unterliefen ihm in acht Sätzen nicht weniger als 42 Doppelfehler.

Völlig anders die Stimmung bei Jan-Lennard Struff. Der Warsteiner besiegte überraschend den griechischen Jungstar Stefanos Tsitsipas mit 6:4, 6:7 (5:7), 7:6 (8:6). "Unglaubliches Match, absoluter Wahnsinn. Ich bin total glücklich", sagte Struff, der im Achtelfinale auf Montreal-Finalist Daniil Medwedew (Russland) trifft. Mit einem Sieg gegen die Nummer neun der Setzliste würde sich Struff den Top 30 im ATP-Ranking noch weiter annähern.

(SID)

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