Die Leiden des Philipp Kohlschreiber waren immens. Verzweifelt rollte er mit den Augen, trottete mit hängendem Kopf über den Platz und pustete die Backen auf, irgendwann lachte er nur noch resigniert.
Immerhin: Schon nach 58 Minuten war die Tortur im Achtelfinale des ATP Masters von Indian Wells vorbei. Nach dem sensationellen Triumph über den Weltranglistenersten Novak Djokovic landete Kohlschreiber böse auf dem Boden der Tatsachen.
ATP Masters Indian Wells
Mit Video | Kohlschreiber ohne Chance im Achtelfinale
14/03/2019 AM 08:41
Nur einen Tag lag der "unglaubliche Sieg" des 35 Jahre alten Augsburgers gegen den zuletzt alles dominierenden Serben zurück, da knallte der furios aufspielende Franzose Monfils Kohlschreiber ein deftiges 6:0, 6:2 um die Ohren. Geknickt und mit leerem Blick schlich die deutsche Nummer zwei vom Platz.

Erinnerungen an Sieg gegen Zverev

Der Schmerz nach solch einem herben Dämpfer dürfte Kohlschreiber jedoch bestens vertraut sein: Zu oft hatte der so talentierte Bayer in seinen bald 20 Jahren auf der Tour nach großen Siegen bittere Enttäuschungen erlebt.
Dabei muss er gar nicht mal so lange zurückdenken. Erst im September hatte Kohlschreiber in der dritten Runde der US Open im deutschen Duell den damaligen Weltranglistenvierten Alexander Zverev überraschend ausgeschaltet, zeigte fulminantes Tennis. Nur zwei Tage später folgte der Absturz: Völlig chancenlos musste er sich dem Japaner Kei Nishikori geschlagen geben.
Warum es denn so schwierig sei, eine überragende Leistung wie gegen Zverev kurz darauf zu wiederholen, hatte das Online-Portal "tennisnet.de" Kohlschreiber in der Winterpause gefragt.
Das ist das große Geheimnis. Es gibt einfach gewisse Tage, an denen die Taktik besser aufgeht.
So wie etwa gegen Djokovic in Indian Wells. In der kalifornischen Wüste feierte Kohlschreiber seinen ersten Sieg überhaupt gegen eine Nummer eins der Welt, gegen Djokovic war es bereits sein zweiter: Vor neun Jahren hatte er den damaligen Weltranglistenvierten in der dritten Runde der French Open bezwungen. Zwei Tage darauf scheiterte Kohlschreiber im Achtelfinale am Spanier Tommy Robredo.
Spektakuläre Triumphe über Topspieler scheinen dem Wahl-Kitzbüheler nicht zu bekommen, auf einen Höhenflug folgte meist eine harte Bruchlandung.
Bei den Australian Open 2008 schaltete Kohlschreiber Andy Roddick (USA) aus, dann schmiss er den Einzug in sein erstes Grand-Slam-Viertelfinale gegen den seiner Aussage nach "ekligen" Finnen Jarkko Nieminen weg. Es sollte ihm nach großen Siegen, wie etwa dem über den Spanier Rafael Nadal vor sieben Jahren in Halle/Westfalen, noch öfter ähnlich ergehen.

Mutmacher für Kohlschreiber

Doch es gibt auch einen Mutmacher. Beim Sandplatz-Masters in Monte Carlo fegte Kohlschreiber 2010 den Briten Andy Murray vom Platz, nur drei Games gestattete er dem späteren Olympia- und Wimbledonsieger.
Und sogar im folgenden Achtelfinale gegen Landsmann Philipp Petzschner durfte er jubeln. Zwar sind seither schon einige Jahre vergangen, doch für Kohlschreiber dürfte ohnehin etwas anderes im Vordergrund stehen: Große Siege wie der gegen Djokovic bleiben unvergessen.
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