Der 13. Juni 2021 hätte sein großer Tag werden können, wenn nicht sogar müssen. Im Finale der French Open führte Stefanos Tsitsipas gegen Novak Djokovic bereits mit 2:0 Sätzen, als er sich zum dritten Durchgang auf den Sandplatz des legendären Court Philippe Chatrier begab.
Der erste Grand-Slam-Titel war gefühlt zum Greifen nah, auch wenn man sich gegen Djokovic natürlich nie sicher sein darf. Und so kam es, wie es kommen musste: Der Serbe drehte die Partie und feierte dank einer starken Aufholjagd seinen 19. Grand-Slam-Triumph.
Tsitsipas musste dagegen weiter auf den großen Coup warten - bis heute. In Wimbledon kam er nicht mal über die erste Runde hinaus, bei den US Open war in der dritten Runde Schluss, bei den Australian Open im Januar scheiterte er im Halbfinale an Daniil Medvedev.
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Und während Medvedev in Melbourne wenige Monate nach seinem Triumph bei den US Open beinahe gleich seinen zweiten Grand-Slam-Titel gefeiert hätte, scheint Tsitsipas in seiner Entwicklung zu stagnieren.

Becker: French Open für Tsitsipas "ein emotionaler Schock"

Aus Sicht von Eurosport-Experte Boris Becker ist dies eine Folge der Finalpleite bei den French Open. "Zwei zu null Sätze gegen Djokovic im Finale von Roland Garros letztes Jahr - da musst du es einfach machen! Solche Chancen bekommst du nicht jede Woche. Und ich glaube, dann hätte er seitdem heute auch noch mehr große Erfolge gehabt. Ich glaube, es war ein emotionaler Schock, dieses Finale dann doch nicht zu gewinnen", sagte Becker in der aktuellen Folge des Eurosport-Tennis-Podcasts"Das Gelbe vom Ball".
Die jüngsten Ergebnisse des Griechen sieht der 54-Jährige mit Sorge: "Die Form hinkt das letzte halbe Jahr hinterher. Er hat ganz gut angefangen in Melbourne. Das Halbfinale war absolut okay, aber den großen Wurf hat er eben seitdem nicht gelandet."
Im Anschluss schaffte er es einzig beim Turnier in Rotterdam ins Finale, unterlag dort aber Félix Auger-Aliassime. Bei den Masters zuletzt in Indian Wells und Miami war in der dritten Runde beziehungsweise im Achtelfinale Schluss.

2019 triumphierte Stefanos Tsitsipas bei den ATP Finals

Fotocredit: Getty Images

Nach seinem ATP-Finals-Triumph 2019 galt Tsitsipas neben Alexander Zverev aus der damaligen NextGen als größter Herausforderer und potenzieller Nachfolger von Djokovic, Rafael Nadal sowie Roger Federer.
Nun ist er mit seinen 23 Jahren immer noch ziemlich jung - doch schon tauchen neue und noch jüngere "junge Wilde" auf, die die Weltspitze aufmischen.

Becker: Plötzlich wird Tsitsipas von Alcaraz überholt

In Miami bekam Tsitsipas das am eigenen Leib zu spüren. Im Achtelfinale verlor er gegen das spanische Wunderkind Carlos Alcaraz. Der 18-Jährige stürmte anschließend zu seinem ersten Masters-Titel.
"Und siehe da, jetzt wird er sogar von links von dem jungen Spanier Alcaraz überholt. Da kommen auch noch andere Junge, die anklopfen. Einen Sebastian Korda halte ich für sehr stark", analysierte Becker vor dem Masters in Monte Carlo.
Als hätte er die Worte des sechsmaligen Grand-Slam-Siegers gehört, schlug Korda am Mittwoch dann gleich mal Alcaraz in der zweiten Runde. Einen Tag später musste sich der US-Amerikaner allerdings Landsmann Taylor Fritz geschlagen geben, der damit ins Viertelfinale einzog.

Becker analysiert Thiems Situation: "Kompliziert und schwierig"

Dort steht auch Tsitsipas. Am Donnerstag setzte er sich nach 1:52 Stunden 7:5, 7:6 (7:1) gegen den Serben Laslo Djere durch, der jedoch gegen Ende des zweiten Satzes auch mit Oberschenkelproblemen zu kämpfen hatte.

Tsitsipas in Monte Carlo Titelverteidiger

Ein wichtiges Erfolgserlebnis für den Weltranglistenfünften. Wie auch das Masters in Monte Carlo generell für ihn von großer Bedeutung ist. Der gebürtige Athener ist im Fürstentum Titelverteidiger. Es geht demzufolge um 1000 Weltranglistenpunkte, die er zu verteidigen hat.

Stefanos Tsitsipas gewann 2021 das Masters von Monte Carlo

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Im vergangenen November war Tsitsipas noch Dritter im ATP-Ranking seine bisher beste Platzierung. "Er ist jetzt so ein bisschen zwischendrin, wo er nicht weiß: Ja, bin ich nur gut genug für Nummer drei oder vier der Welt?", sagt Becker zur aktuellen Situation des Griechen. Dies sei Klagen auf hohem Niveau, es gebe 1000 Spieler, die schlechter seien. Aber: "Er will natürlich auf die Eins, er will natürlich ein Grand Slam gewinnen, und da fehlt momentan noch etwas."
Deutschlands Tennis-Legende hofft, dass die Sandplatzsaison Tsitsipas hilft, zurück in die Erfolgsspur zu finden. "Sand ist sein bester Belag, er hat vergangenes Jahr Monte Carlo gewonnen. Also eigentlich müsste es ihm jetzt gutgehen", so Becker.

Becker: "Tsitsipas muss wieder Siege folgen lassen"

Wenn die Erfolgserlebnisse jedoch weiter ausbleiben, befürchtet der Eurosport-Experte auch mentale Schwierigkeiten. "Er muss jetzt wieder Siege folgen lassen, sonst bekommt er Probleme mit seinem Selbstvertrauen", erklärt Becker.
Im Viertelfinale von Monte Carlo bekommt es Tsitsipas nun mit Diego Schwartzman zu tun. Es ist eine Premiere, denn die beiden Sandplatz-Spezialisten spielten bisher noch nie auf der ATP Tour gegeneinander.
Auch der Argentinier kämpft aktuell mit seiner Form. In Indian Wells schied er in der dritten Runde aus, beim Masters in Miami verlor er seine Auftaktpartie gegen Thanasi Kokkinakis.
Auf Sand ist der Weltranglisten-16. allerdings auch stärker einzuschätzen als auf Hartplatz. In Monte Carlo setzte er sich bisher gegen Karen Khachanov, Márton Fucsovics und Lorenzo Musetti durch. Dennoch könnte er für Tsitsipas zum aktuellen Zeitpunkt die perfekte Herausforderung sein, um zurück zu alter Form zu finden.
Und womöglich ist dies ja der Auftakt zu einer starken Sandplatz-Saison, an deren Ende möglicherweise der 5. Juni Tsitsipas' großer Tag wird. Dann nämlich steigt in Paris das Endspiel der French Open.

Eurosport-Tennis-Podcast: Das Gelbe vom Ball mit Boris Becker

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