ATP München: Alexander Zverev lässt den Löwen raus - BMW Open als Wendepunkt nach verkorkstem Frühjahr

Nach seinem 6:7 (6:8), 7:6 (7:3), 6:4 in 3:14 Stunden gegen Taillon Griekspoor steht Alexander Zverev erstmals seit den Australian Open in einem Tour-Halbfinale. Der umkämpfte Sieg bei den BMW Open in München am Freitag könnte ein Wendepunkt in der Saison des besten deutschen Tennisspielers gewesen sein. Der Star des Turniers präsentierte sich am Abend erleichtert und gelöst.

Highlights: Zverev ringt Angstgegner in drei Sätzen nieder

Quelle: Eurosport

Wer wissen wollte, wie wichtig dieses Match, dieser Turnaround für Alexander Zverevs Saison sein könnte, dem genügte am Freitag ein Blick in dessen Spielerbox und dort insbesondere auf Sergej Bubka junior. Der Sohn des ehemaligen Stabhochsprung-Weltrekordlers kümmert sich seit einigen Jahren mit Zverev-Bruder Mischa als Agent um die Belange des Topstars. Der Ex-Tennisprofi ist in der Regel ein eher ruhiger, beobachtender Zeitgenosse. 
Das Viertelfinalmatch bei den BMW Open gegen Taillon Griekspoor am Freitag entwickelte sich mit zunehmender Spieldauer eher zur Ausnahme dieser Regel und die Bedeutung dieser Partie in der Spielerbox wurde offensichtlich.
Bei Satz- und Breakrückstand ließ Zverevs Manager seinen Emotionen freien Lauf, feuerte seinen Schützling mit energischen Gesten an. Als der Niederländer beim Stand von 7:6 und 5:4 zum Match aufschlug und Zverev dem Re-Break Punkt um Punkt näher kam, flog eine Jubelfaust Bubkas nach der anderen gen Zverev. 
Der wiederum erwiderte die Anfeuerungsversuche mit ähnlichen Bewegungen und schrie seine Anspannung nach gewonnenem Breakball wie ein brüllender Löwe in den Münchener Himmel. Danach schwappte das Momentum auf die Seite Zverevs, dessen Selbstverständnis-Level ob der vergangenen zwei Monate nicht dem eines Topspielers ähnelte.

Publikum trägt Zverev zum Sieg

Vor den BMW Open war er bei seinen sechs Turnierteilnahmen jeweils spätestens im Viertelfinale gescheitert. Erstmals seit dem Grand Slam von Melbourne gelang ihm nun ein dritter Sieg in Serie.
Das lag an Bubka, den anderen in seiner Box, dem frenetischen Gros der rund 6.000 Zuschauer auf dem neuen, vorübergehenden Centre Court am Aumeister – und an Zverevs kämpferischer Leistung im letzten Drittel der Partie. 
Nach der Partie präsentierte sich Zverev erleichtert und fast ein wenig gelöst in der kurzfristig anberaumten Presserunde direkt am Eingang des Centre Courts. Dort gab es ein Lob für sein Team.
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Alexander Zverev zeigt sich sichtlich gelöst nach seinem Sieg

Fotocredit: Getty Images

"Ich habe extrem viel Coaching heute erhalten aus der Box, das mir auch geholfen hat." Seine Coaches, Vater und Bruder, könnten zwar die besten Tipps geben. "Wenn ich die Returns aber nicht reinspiele, kann mir auch der beste Trainer nicht helfen. Das musste ich einfach besser machen, ich musste meine Energie hochfahren. Am Ende war es bei 4:5 ein sehr gutes Spiel. Ich habe ihn gebreakt und dann lief das Match auch in meine Richtung", erklärte Zverev, dem im dritten Satz ein Break reichte.
In der Runde der letzten Vier trifft die deutsche Nummer eins am Samstag (nicht vor 15:00 Uhr) auf Fabian Marozsán aus Ungarn, der Zizou Bergs ausschaltete. 

Pure Erleichterung bei Zverev

Zurück zur Erleichterung, die aus jedem Ton Zverevs herauszuhören war: "Ich bin unfassbar glücklich, dass ich gewonnen habe. Ich habe viele solcher Matches verloren in den vergangenen zwei Monaten und heute endlich mal eins gewonnen. Auch aus einer Position heraus, aus der ich eigentlich hätte verlieren sollen." 
Einer Frage, die auf einige Vorhandfehler in den ersten zwei Sätzen zielte, entgegnete Zverev: "Lasst mich mal zwei Minuten glücklich sein, weil ich habe ein Match gewonnen, das ich die letzten zwei Monaten nicht oft gewonnen habe."
Man könne immer etwas Negatives finden. "Das machen wir in Deutschland sehr, sehr gut – oftmals. (lacht) Heute ist das einzig Positive, dass ich Satz und Break Rückstand hatte und noch gewonnen habe."

Zverev: "Ein extrem wichtiger Sieg für mich"

Zverev legte nach und lief unüblich tief blicken. "Es war ein extrem wichtiger Sieg für mich. Mental für mich aber auch, dass die harte Arbeit sich doch irgendwann auszahlt." Fünf Drei-Satz-Niederlagen hatte Zverev seit den Australian Open hinnehmen müssen, in Indian Wells unter anderem gegen Griekspoor im Tiebreak des dritten Satzes. In München half Zverev das Publikum, den Vorsprung gewissermaßen über die Ziellinie zu schlagen. 
"Es war ein Riesen-Heimvorteil heute. Bei 4:5 im zweiten Satz war ich mental schon ein bisschen raus aus dem Match und die Fans haben mich richtig gepusht, geholfen und durch das Match gebracht", sagte Zverev, der anschließend ob der Belastung nicht mehr viel vorhatte und umgehend ins Hotel verschwand. Der neue Physiotherapeut wartete, um zur regenerativen Behandlung anzusetzen. Am Samstag ist Zverev (nicht vor 15 Uhr) erneut gefordert und kämpft um sein erstes Sandplatz-Finale 2025. 
Doch schon jetzt, unabhängig vom Ausgang, resümierte Zverev: "Im Sport kann sich vieles schnell ändern. Das war hoffentlich das Match, nach dem sich meine Form so ein bisschen ändert."
Ein Freitagnachmittag in München als Wendepunkt der Saison? Darauf dürften sie im Zverev-Lager alle hoffen.
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München flippt aus: Zverev erzwingt Entscheidungssatz

Quelle: Eurosport


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