ATP München 2026 - Francisco Cerúndolo exklusiv vor Viertelfinale gegen Alexander Zverev: "Bei mir ist die Sache klar"
Francisco Cerúndolo gilt als einer der versiertesten Sandplatz-Spieler auf der ATP Tour und als Titelkandidat beim ATP-Turnier in München. Im Viertelfinale kommt es zum Kräftemessen mit dem amtierenden Champion Alexander Zverev. Der Hamburger gilt als leichter Favorit. Und Cerundólo? Will sich nur "bis zu einem gewissen Grad anpassen" an Zverevs Spiel, wie er im Interview mit Eurosport.de verrät.
Zverev blickt auf nächsten Gegner: "Toughe Challenge"
Quelle: Eurosport
Francisco Cerúndolo und Alexander Zverev pflegen eine bemerkenswerte Rivalität. Siebenmal trafen die beiden Profis bislang aufeinander.
Die ersten drei Partien wurden auf Sand gespielt und gingen allesamt an den Argentinier, die folgenden vier auf Hartplatz entschied Zverev ohne Satzverlust für sich.
Das achte Duell findet beim ATP-Turnier in München nun wieder auf Sand statt (Freitag ab ca. 13:00 Uhr im Liveticker) - und Zverev peilt eine Aufbesserung der Bilanz an. "Ich hoffe, dass ich das jetzt ändern kann", betonte der Hamburger nach seinem souveränen 6:1, 6:2 im Achtelfinale gegen Gabriel Diallo aus Kanada.
Allerdings sei "Cerúndolo einer der besten Spieler auf diesem Belag", er rechne mit einem "schweren Match gegen einen schweren Gegner". Eurosport.de hat den Mann aus Buenos Aires am Münchner Aumeisterweg zum Gespräch getroffen.
Sie haben noch nie gegen Alexander Zverev auf Sand verloren, dafür bei allen Matches auf Hardcourt den Kürzeren gezogen. Sind Sie schlicht der bessere Sandplatzspieler, ist es so einfach?
Francisco Cerúndolo: Sascha ist auf beiden Belägen sehr gut, hat Masters-Wettbewerbe gewonnen, Grand-Slam-Finals gespielt. Ich weiß nicht, ob er sich auf Sand oder Hartplatz wohler fühlt, bei mir ist das klar: Ich bevorzuge Sandplätze und wenn ich gegen ihn auf Hardcourts antreten muss, macht das die Sache schwerer.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/04/16/image-fa415178-3cee-411d-973d-b612c8e17770-85-2560-1440.png)
Highlights: Zverev dominiert angeschlagenen Diallo
Quelle: Eurosport
Inwiefern verändert sich die Vorbereitung, wenn Sie auf einen Spieler wie Zverev, Jannik Sinner oder Carlos Alcaraz treffen, die im ATP-Ranking in den Top 3 stehen?
Cerúndolo: Mir ist klar, dass ich in diesen Matches von Beginn an und bis zum Ende mein bestes Tennis abrufen muss, wenn ich als Sieger vom Platz gehen möchte. Wenn wir die drei Genannten nehmen, ist aber auch offensichtlich, dass sie über unterschiedliche Stile und Stärken verfügen. Das erfordert bis zu einem gewissen Grad eine Anpassung meinerseits, ohne dass ich dabei mein Spiel aus den Augen verlieren darf. Wenn du sie machen lässt und nicht verhindern kannst, dass sie ihre Qualitäten zeigen, sind sie fast nicht zu schlagen.
Natürlich habe ich die Fans gerne auf meiner Seite, aber das ist eigentlich nur eine Woche im Jahr der Fall.
Wie würden Sie sich selbst als Tennisprofi charakterisieren?
Cerúndolo: Ich mag es, mich auszudrücken, meine Emotionen mit den Fans, meinem Team und Freunden zu teilen. Ich finde, es ist gut für unseren Sport, wenn auf dem Court auch mal geschrien oder gejubelt wird.
Lassen Sie sich davon beeinflussen, wem die Zuschauer zujubeln?
Cerúndolo: Natürlich habe ich die Fans gerne auf meiner Seite, aber das ist eigentlich nur eine Woche im Jahr der Fall, denn es gibt lediglich ein ATP-Turnier in Argentinien (Buenos Aires, Cerúndolo holte 2026 den Titel, A.d.R.) - es sei denn, wir haben darüber hinaus ein Heimspiel im Davis Cup. Wenn ich hier in München gegen Zverev spiele, sind die Zuschauer selbstverständlich auf seiner Seite, aber das ist okay und ich kann das akzeptieren. Er ist schließlich der beste deutsche Spieler seit etwa zehn Jahren.
Sie wiederum sind aktuell der stärkste Argentinier auf der Tour. Wie sehen die Ziele aus?
Cerúndolo: Mir geht es darum, mein Spiel zu verbessern und den Besten der Welt Schritt für Schritt näher zu kommen. Außerdem möchte ich konstant über die ganze Saison meine Leistung bringen, möglichst verhindern, dass ich drei Turnier in Folge schlecht spiele oder in der 1. Runde ausscheide.
Die Konkurrenz ist größer geworden, was die südamerikanischen Tennisspieler voranbringt.
Lassen Sie uns auf Ihre Heimat schauen. Argentinien hat zehn Profis in den Top 100, Deutschland vier. Woran liegt das und wie steht es um den Tennissport im Land?
Cerúndolo: Tennis ist eine der größten Sportarten bei uns. Sicher, der Fußball steht weit über allem anderen, aber dahinter kommen Tennis und Rugby. Wir haben sehr viele Courts, dazu gute Trainer an tollen Akademien. Es hat sich aber noch mehr getan in den vergangenen fünf bis sieben Jahren.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/04/16/image-1c0e3db9-614a-411b-b026-431d14e5eae2.jpeg)
Francisco Cerúndolo beim ATP-Turnier in München
Fotocredit: Getty Images
Nämlich?
Cerúndolo: Man hat viele neue Turniere in Südamerika platziert. Nicht auf Tour-Niveau, aber im Challenger- und Future-Bereich. Als ich jünger war, hatten wir vier oder fünf, jetzt sind es zwischen 20 und 30. Das ist viel und extrem hilfreich, denn wenn man das Geld nicht hat, ist es wesentlich einfacher, in Südamerika zu spielen. Du musst nicht für drei Monate nach Europa kommen. Die Konkurrenz ist außerdem größer geworden, was die südamerikanischen Tennisspieler voranbringt. Gerade für Argentinien ist das großartig ...
... weil?
Cerúndolo: Wir sind ein Land, das eine unglaubliche Begeisterung für Sport mitbringt. Diese Leidenschaft ist nicht überall so ausgeprägt wie bei uns. Daraus entsteht ein "fighting spirit", der sehr speziell ist. Das hebt uns im Sport heraus und macht es schwer, uns zu schlagen.
Die Sandplatzsaison läuft, die French Open sind am Horizont schon zu erkennen. Wie sieht Ihr Fahrplan aus bis Roland-Garros?
Cerúndolo: Ich will die Masters in Madrid und Rom spielen. Je nachdem, wie es dort läuft, entscheide ich, ob ich in Hamburg antrete oder nicht.
Wir sind der amtierende Weltmeister und die spannende Frage ist, ob wir den Titel verteidigen können. Das ist extrem schwer - aber wir haben wahrscheinlich zum letzten Mal Lionel Messi dabei.
Ein Abstecher nach Argentinien ist da nicht mehr drin, oder?
Cerúndolo: Hoffentlich nicht (lacht). Denn das würde bedeuten, dass ich bei den Turnieren gut gespielt habe, weit gekommen bin - und gar keine Zeit dafür habe, nach Hause zu reisen. Wenn ich in der ersten oder zweiten Runde in Madrid scheitere, dann hätte ich etwa zehn Tage und werde wohl nach Argentinien fliegen.
Eigentlich kann man nicht über Argentinien sprechen, ohne über Fußball zu reden. Wie also stehen die Chancen auf die Titelverteidigung bei der FIFA-WM im Sommer?
Cerúndolo: Ich freue mich schon unglaublich auf die Weltmeisterschaft. Wir sind der amtierende Champion und die spannende Frage ist, ob wir den Titel verteidigen können. Das ist extrem schwer - aber wir haben wahrscheinlich zum letzten Mal Lionel Messi dabei. Die Teamkollegen werden mehr als 100 Prozent geben, um Erfolg zu haben, auch für Leo. Es wird hart, denn Frankreich, Spanien und Portugal spielen so gut.
Kennen Sie Messi persönlich?
Cerúndolo: Nein, leider nicht, aber ich hoffe natürlich, dass ich noch treffen werde (lacht).
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Cerúndolo.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Cobolli exklusiv: "Ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ..."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/04/16/image-a4e2c9cb-6d7b-4530-ab1e-5ba6583b4d91-85-2560-1440.png)
Bayern-Fan Zverev läuft im Olise-Trikot beim Doppel ein
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/22/image-98b602cb-ae46-4c06-8857-c6197f655aaf-68-310-310.jpeg)