ATP München - Flavio Cobolli exklusiv nach Einzug ins Viertelfinale: "Wenn ich diese Szenen sehe, bekomme ich Gänsehaut"
Flavio Cobolli ist eines der Gesichter des italienischen Tennis-Booms und hat spätestens seit November vergangenen Jahres Helden-Status. In Abwesenheit von Jannik Sinner führte der 23-Jährige Italien zum dritten Davis-Cup-Titel in Folge. Ein Erlebnis, das "immer noch Gänsehaut" auslöse, wie Cobolli im Interview mit Eurosport.de betont. Er habe sich seitdem ein sehr spezielles Ritual angewöhnt.
Highlights: Cobolli stoppt Bergs und erreicht Viertelfinale
Quelle: Eurosport
Flavio Cobolli ist bestens gelaunt, nimmt sich direkt nach seinem Achtelfinalerfolg beim ATP-Turnier in München gegen Zizou Bergs Zeit für ein paar Fragen. Und die gibt es.
Nachdem der gebürtige Florentiner im März das Turnier im mexikanischen Acapulco gewann, kletterte er erstmals in die Top 15 der Weltrangliste. Noch schwanken die Leistungen, doch die Anzeichen verdichten sich, dass mit Cobolli in den kommenden Jahren gerechnet werden muss - nicht nur im Davis Cup.
Derzeit könne er noch relativ unbeschwert spielen, weil Italien "mit Jannik jemanden hat, der so gut wie jede Woche ein Turnier gewinnt", erzählt Cobolli im Gespräch mit Eurosport.de. Die Tatsache, dass Sinner im Fokus stehe, nehme ihm Druck von den Schultern.
Die zahlreichen großen Erfolge, die das italienische Männer-Tennis seit Jahren feiert, hätten aber auch eine Kehrseite, wie Cobolli erläutert.
Ihr Name ist untrennbar mit dem emotionalen und historischen Triumph der italienischen Mannschaft im Davis Cup verbunden. Sie haben damals im Finale von Bologna das entscheidende Match gegen Spanien gewonnen. Bewegt Sie dieses Erlebnis immer noch?
Flavio Cobolli: Absolut. Wenn ich heutzutage ein Spiel bestreite, schaue ich mir schon am Abend zuvor das Video an, das ich damals beim Davis Cup gemacht habe.
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Cobolli macht Italiens Titel-Traum wahr - die Highlights
Quelle: Eurosport
Vor jeder Partie?
Cobolli: Ja, tatsächlich. Wenn ich diese Szenen sehe, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Wir haben damals Geschichte geschrieben für unser Land, obwohl unsere beiden besten Profis gefehlt haben (Jannik Sinner und Lorenzo Musetti, A.d.R.). Das war etwas ganz besonders, auch weil Matteo Berrettini mit dabei war. Was da in Bologna passiert ist, kann man nicht in einem Wort beschreiben.
Wenn du jetzt das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreichst, wird das zuhause oft als normal angesehen. Das ist etwas schade.
Inzwischen ist Italien die Topnation im Männer-Tennis. Nicht nur, weil Jannik Sinner an der Spitze des ATP-Rankings steht, sondern weil es viele weitere Topspieler wie Sie, Lorenzo Musetti oder Luciano Darderi gibt. Wie wirkt sich das auf Sie persönlich aus?
Cobolli: Ich habe erst gestern ein Interview gelesen, in dem Lorenzo gesagt hat, dass es den Druck von uns nimmt, weil wir mit Jannik jemanden haben, der so gut wie jede Woche ein Turnier gewinnt. Das stimmt. Es gibt aber noch einen anderen Aspekt.
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Flavio Cobolli (l.) und Jannik Sinner (r.) beim ATP-Turnier in Wien 2025
Fotocredit: Imago
Nämlich?
Cobolli: Wenn du jetzt das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreichst, wird das zuhause oft als normal angesehen. Das ist etwas schade, aber die Leute haben natürlich gesehen, dass Italien dreimal in Serie den Davis Cup für sich entschieden hat, dass ich in Acapulco den Titel geholt habe. Aber um das klarzustellen: Wir sind über diese Situation mit den Erfolgen sehr glücklich. Es ist toll, dass es so ist wie es ist.
- TV-Tipp: ATP München täglich ab 11:00 Uhr live bei Eurosport 1
Mit welchen Zielen gehen Sie in den Rest dieser Saison?
Cobolli: Besser werden, so wie Jannik (lacht). Ich versuche, Tag für Tag ein besserer Tennisspieler zu werden - mit meiner Methode. Ich mag es einfach, auf der Tour dabei zu sein, Turniere zu spielen, zu trainieren. Wichtig ist mir, dass dabei der Spaß nicht zu kurz kommt, denn die Saison ist lang, die Wettbewerbe sind hart.
Wie sehen Sie sich als Spieler, können Sie mit dem Prädikat Sandplatz-Spezialist etwas anfangen?
Cobolli: Na ja, ich stand im Viertelfinale von Wimbledon, habe das Hartplatz-Turnier von Acapulco gewonnen und jenes auf Sand in Hamburg. Es hat also schon auf allen Belägen funktioniert, aber ich spiele eben am liebsten auf Sand.
Mein jüngerer Bruder hat noch nie eine Weltmeisterschaft gesehen, an der Italien teilnimmt. Es ist wie im Tennis: Es braucht Zeit, um wieder Geschichte zu schreiben.
Wie verlief Ihre Entwicklung auf den unterschiedlichen Belägen in jungen Jahren?
Cobolli: Ich bin auf Sand groß geworden, aber wir haben immer auch auf Hartplatz trainiert, um insgesamt bessere Tennisspieler zu werden. Das hat sich ausgezahlt. Ich fühle mich nichtsdestotrotz auf Sand am wohlsten, mag aber auch den Hartplatz. Allein schon deshalb, weil 70 Prozent der Saison auf diesem Belag stattfindet.
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Cobolli gewinnt Mexico Open nach Final-Fight gegen Tiafoe
Quelle: SNTV
Sie sind Anhänger der AS Rom und Fußball-Fan. Schauen Sie sich die WM an, auch wenn Italien sich nicht qualifiziert hat?
Cobolli: Natürlich. Ich bin großer Fan des Fußballs, verfolge viele Begegnungen im Fernsehen. Jetzt während des Turniers in München gehe ich in die Allianz Arena zur Partie zwischen Bayern und Real Madrid. Ich habe außerdem viele Kumpels, die Fußball-Profis sind. Einer meiner besten Freunde ist Nationalspieler Alessandro Bastoni. Es ist sehr schade, dass Italien nicht dabei ist. Mein jüngerer Bruder hat zum Beispiel noch nie eine Weltmeisterschaft gesehen, an der Italien teilnimmt. Es ist wie im Tennis: Es braucht Zeit, um wieder Geschichte zu schreiben.
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Quelle: Eurosport
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