Boris Becker exklusiv zur Misere von Alexander Zverev: "Das ist ein Problem" - Podcast Das Gelbe vom Ball
Alexander Zverev kämpft rund fünf Monate nach seinem Comeback weiter um den Anschluss an die Weltspitze. Ein Weg, auf dem der Olympiasieger gut beraten wäre, jeden Stein umzudrehen, wie Tennis-Legende Boris Becker im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball sagt. "Sascha muss an jeder Schraube drehen", so der 55-Jährige. Eine Herkulesaufgabe, die jetzt das ganze "Familienunternehmen" fordere.
Becker exklusiv: "Zverev spielt derzeit nicht richtig Tennis"
Quelle: Eurosport
24 Matches hat Alexander Zverev in dieser Saison auf der Tour bestritten, die Hälfte davon verlor er. Nachwirkungen der schlimmen Bänderverletzung, die er sich bei den French Open im vergangenen Jahr zuzog.
Zverev mag physisch wieder bei 100 Prozent sein, spielerisch ist er es noch lange nicht.
"Man hat den Eindruck, dass er sich nicht weiterentwickelt hat und die Gegner ganz genau wissen, wie sie gegen den Sascha von 2023 spielen müssen. Das ist ein Problem", erläuterte Boris Becker im Podcast Das Gelbe vom Ball mit Matthias Stach.
Der Hamburger müsse daraus die richtigen Schlüsse ziehen. "Die Einstellung stimmt, die Disziplin, die Moral, der Turnierkalender und die Physis ebenfalls. Bleibt die Frage: 'Warum gewinne ich die Matches nicht mehr, so wie noch im Vorjahr?' Weil sich vielleicht der Tennissport verändert hat und ich nicht mit", so Becker.
Die Situation stelle sich inzwischen ganz anders da. Zverev dürfe sich nicht mehr an Rafael Nadal oder Novak Djokovic orientieren. "Sascha muss in den Rückspiegel schauen, denn er wird leider etwas überholt von den Jüngeren", gibt Becker zu bedenken.
Er denke da nicht nur an Carlos Alcaraz. "Ich möchte auch Jannik Sinner, Holger Rune und Taylor Fritz nennen. Und nicht zuletzt einen Sebastian Korda, der sich in Melbourne zwar schwer verletzt hat, den ich aber auf der Liste habe."
Becker über Zverev: "Klassenunterschied" zu Alcaraz
Die neue Hackordnung lässt sich an der Weltrangliste ablesen. Zverev reiht sich nur noch auf Platz 22 ein. Von den Spielern, die vor ihm stehen, sind 14 (!) jünger als der 26-Jährige.
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Becker exklusiv: "Das muss das Argument für Thiem sein"
Quelle: Eurosport
Man habe während einer Karriere "ein Zeitfenster, in dem man die ersten Grand Slams gewinnen muss, denn die Konkurrenz schläft nicht", erläutert Becker. "Bei Sascha ist das aus verschiedenen Gründen nicht passiert. Er muss jetzt schauen, warum die neue Generation der genannten Spieler so gut ist und was die besser oder anders machen."
Ohne Anpassungen werde es nicht gehen. "Nehmen wir den Druck, den Sascha mit seinen Schlägen entwickelt, gerade über die Rückhand und beim Aufschlag. Plötzlich hast du noch vier andere, die ebenfalls mit viel Druck von der Grundlinie spielen, aber fünf Jahre jünger sind", sagt Eurosport-Experte Becker.
Beim 1:6, 2:6 im Achtelfinale von Madrid gegen Alcaraz habe er einen "Klassenunterschied" wahrgenommen. "Da habe ich gedacht: 'Hoppla, das war nicht nur die Tagesform.' Da stimmt mehr nicht."
Becker: "Zverev spielt derzeit nicht richtig Tennis"
Die Newcomer hätten zudem den Vorteil, "noch keine Negativerfahrungen" gemacht zu haben. "Die kommen quasi taufrisch zu den Turnieren und wissen: 'Ich habe hier noch gar nicht gespielt oder war im vergangenen Jahr in der Qualifikation.' Es kann also nur nach oben gehen, was weniger Druck bedeutet."
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Becker begeistert: Murray macht's wie ein Nachwuchsspieler
Quelle: Eurosport
Das "Familienunternehmen" Zverev sei nun gefordert, mit schonungslosen Analysen die Wende einzuleiten. Entscheidend sei, dass der Olympiasieger "ehrlich" mit sich umgehe und nicht "Pech, Unglück, Wind oder die zu heiße Sonne" für die schwachen Ergebnisse verantwortlich mache, betont Becker. "Meines Erachtens spielt Zverev derzeit nicht richtig Tennis."
Deutschlands Nummer eins habe nicht "von heute auf morgen" alles verlernt, müsse aber "an jeder Schraube drehen, um wieder den Erfolg von früher zu haben". Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich beim derzeit laufenden Masters von Rom, wo Zverev nach einem Freilos in Runde eins gegen David Goffin spielt.
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