Carlos Alcaraz sorgt für "Mutter aller Überraschungen" - und öffnet das Feld für die French Open
Carlos Alcaraz ist in Rom sensationell an der Nummer 135 der Weltrangliste gescheitert und hat damit unfreiwillig für eine der größten Überraschungen der jüngeren Tennis-Geschichte gesorgt. Kurz vor dem Start der French Open schwächelt der Dominator des Tennis-Jahres 2023 - und macht damit Jannik Sinner, Holger Rune und Co. Hoffnung. Denn auch hinter zwei anderen großen Namen stehen Fragezeichen.
Ohne Biss: Alcaraz blamiert sich gegen Qualifikant Marozsan
Quelle: Perform
Carlos Alcaraz muss sich vorgekommen sein wie im falschen Film.
Nein, es waren nicht Novak Djokovic oder Rafael Nadal, die ihm da im Foro Italico in Rom die Grenzen aufzeigten. Auch nicht Holger Rune, Jannik Sinner oder ein anderer Shootingstar der Tour. Es war ein 23-jähriger Ungar, die Nummer 135 der Welt, die den Dominator des Tennis-Jahres 2023 sensationell in der dritten Runde aus dem Turnier beförderte.
Fabian Marozsan schlug beim 6:3, 7:6 (7:4) doppelt so viele Winner (30) als Alcaraz (15), stürmte immer wieder mit Mut ans Netz, streute überraschende und sehenswerte Stopps ein - die Nummer zwei der Welt wurde mit den eigenen Waffen geschlagen. Die Rückhand, mit der der junge Ungar bei 5:5 und Einstand im zweiten Satz einen wuchtigen Schlag des Spaniers konterte, erinnerte doch sehr an den Alcaraz der vergangenen Wochen.
"Ich war sehr überrascht", musste der Unterlegene im Anschluss auf der Pressekonferenz zugeben: "Es gab Momente, in denen ich nicht mehr wusste, was eigentlich passiert und warum ich hier versage."
Alcaraz gegen Maroszan: Wie David gegen Goliat
Für Alcaraz war es nicht irgendeine Niederlage. Zur Einordnung: Auf der einen Seite stand da ein Spieler, der ab Montag wieder an die Spitze der Weltrangliste zurückkehrt. Der zuvor 13 Spiele in Folge inklusive dem Masters in Madrid gewonnen hatte, eine Fabel-Bilanz von 30:2 Siegen im Jahr 2023 aufweist.
Ein Spieler, den Größen wie Jim Courier und Andy Roddick jüngst als den komplettesten Tennis-Profi unter 21 Jahren bezeichnet hatten, den sie je gesehen haben.
Maroszan dagegen hatte vor dem Turnier in Rom nie ein Match auf der Tour gewonnen, ja nicht einmal das Hauptfeld eines ATP-Turniers erreicht. Auch auf Challenger-Ebene war ihm bislang kein Sieg gegen einen Top-100-Spieler vergönnt gewesen. Und nun das.
Die Italian Open sparten auf ihrer Twitter-Seite nicht mit Superlativen, schrieben von der "Mutter aller Überraschungen". Ein ähnliches Kunststück gegen die Nummer eins oder zwei der Welt war seit 2015 insgesamt nur sieben Spielern außerhalb der Top 100 geglückt. Zuletzt Jiri Vesely (damals die Nr. 123 der Welt) im Jahr 2022 gegen Djokovic.
Maroszan-Coup macht Sinner, Rune und Co. Hoffnung
Dabei hatte Alcaraz gar nicht so viel anders gemacht als in den erfolgreichen Wochen zuvor. "Ich finde nicht, dass Carlos so schlecht gespielt hat. Aber dieser Typ hat einfach mit tollem Offensiv-Tennis überzeugt“, analysierte Trainer-Legende Paul Annacone im Podcast "Monday Match Analysis".
Zu hoch hängen wollte er die historische Pleite aus Sicht von Alcaraz allerdings nicht. Vor den French Open (ab 28. Mai live auf Eurosport und bei discovery+) sieht der 60-Jährige, der unter anderem Pete Sampras und Roger Federer coachte, "keine Fragezeichen" hinter dem Status des jungen Spaniers. Alcaraz bleibe der Favorit auf die Krone in Paris.
Allerdings zeigt Maroszans Coup, dass der Abstand zwischen Alcaraz und dem Rest der Top 10 vielleicht doch nicht so groß und seine Dominanz nicht ganz so erstickend ist, wie die vergangenen Monate vermuten ließen.
Gerade Spielern wie Andrey Rublev, Rune oder auch Sinner, der Alcaraz im Halbfinale von Miami eine Niederlage zugefügt hatte, dürften die überraschenden Entwicklungen in der ewigen Stadt Mut gemacht haben. Vor allem im Hinblick darauf, wie man gegen Alcaraz, der so wenige Schwächen in seinem Spiel aufweist, auf Sand spielen muss: mit voller Offensive!
Fragezeichen hinter Djokovic und Nadal: Paris so spannend wie lange nicht
Das Feld hat sich vor dem zweiten Major des Jahres weiter geöffnet, so viel ist sicher. Hinter den beiden anderen großen Namen im Draw, Djokovic und Nadal, die in 16 der vergangenen 18 Jahre den Titel in der französischen Hauptstadt unter sich ausmacht haben, stehen nämlich noch viel größere Fragezeichen.
Djokovic hat seit seinem 22. Grand-Slam-Erfolg bei den Australian Open Ende Januar gerade einmal zehn Matches bestritten. Über ein Halbfinale kam der Serbe seitdem nicht hinaus, im Masters von Monte-Carlo war sogar schon im Achtelfinale gegen Lorenzo Musetti Schluss. Auch in Rom präsentiert sich der 35-Jährige bislang nicht so dominant wie gewohnt.
Währenddessen kämpft Nadal auf Mallorca darum, überhaupt rechtzeitig fit für sein Lieblingsturnier zu werden. Eine komplizierte Verletzung am Hüftbeuger bremst den 14-maligen Paris-Champion seit den Australian Open im Januar aus. Ein Video, das in den sozialen Medien aufgetaucht war und Nadal dabei zeigen soll, wie er eine Trainingseinheit mit schmerzverzerrtem Gesicht abbricht, ließ die Zweifel an einer Teilnahme des Spaniers nur noch größer werden.
So oder so: Nadal wird - wenn überhaupt - ohne Matchpraxis nach Paris reisen. Laut "L’Équipe" soll der 36-Jährige auch eine Einladung für ein Challenger-Turnier in Bordeaux (14. bis 20. Mai) abgelehnt haben. Eine optimale Vorbereitung auf Roland-Garros sieht anders aus.
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Highlights: Djokovic beweist Nervenstärke in Satz drei
Quelle: SNTV
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