ATP Rom: Jannik Sinner glänzt mit seiner neuen Leichtigkeit - italienischer Superstar streift die Dopingaffäre ab
Update 14/05/2025 um 18:44 GMT+2 Uhr
Jannik Sinner hat beim ATP-Masters von Rom das Viertelfinale erreicht. Mit eisiger Präzision und einer neuen Leichtigkeit knackte er Francisco Cerúndolo, den besten Sandplatz-Spieler der Saison, und ging den nächsten Schritt auf dem Weg zurück zur Unbesiegbarkeit. Die Maschine aus dem Stiefelstaat hat ihre Betriebstemperatur erreicht - und die Dopingaffäre ist längst ein vergessener Schatten.
Sinner glücklich mit Comeback: "Genau das brauche ich jetzt"
Quelle: Perform
Die Arme gen Himmel, die Standing Ovations galten ihm - Jannik Sinner ist nicht aufzuhalten.
Am Dienstagabend verwandelte der italienische Weltranglistenerste nach 2:18 Stunden seinen vierten Matchball gegen Francisco Cerúndolo (7:6, 6:3) und brachte damit den Viertelfinaleinzug beim Masters von Rom unter Dach und Fach.
Im Duell mit dem stärksten Sandplatz-Spieler der laufenden Saison (18 Siege) behielt Sinner seine weiße Weste und gab wie in den beiden vorangegangenen Partien keinen einzigen Satz ab.
Den ersten richtigen Härtetest seit seiner dreimonatigen Dopingsperre bestand der 23-Jährige mit Bravour. Auch dank einer neuen Leichtigkeit.
Sinner: Maschine auf Betriebstemperatur
Seine unnachahmliche Rückhand, die Eleganz auf dem Court und nicht zuletzt seine unerschütterliche Gelassenheit: Es wirkte als wäre Sinner nie weg gewesen. Das lassen auch seine Zahlen vermuten.
Mittlerweile steht der Superstar aus Südtirol bei 24 Siegen in Folge, durch den Triumph über Cerúndolo feierte er zudem seinen 50. Erfolg als Nummer eins der Welt nach lediglich 53 Matches. Mit diesem Meilenstein egalisierte er die Bestmarken von Björn Borg und Jimmy Connors. Roger Federer (54) und Rafael Nadal (56) folgen knapp dahinter.
Mit dem Druck des glorifizierten Lokalmatadoren geht der dreimalige Grand-Slam-Sieger in Rom souverän um, die Maschine aus dem Stiefelstaat ist sofort auf Betriebstemperatur. Für Sinner keine Selbstverständlichkeit.
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Jannik Sinner beim ATP-Masters in Rom
Fotocredit: Getty Images
"Einfach ist das nicht", meinte er dazu im Interview mit "SportNews.bz". Letztlich komme es, so der zweimalige Australian-Open-Sieger, auf eine Vielzahl sensibler Abläufe an, die optimal aufeinander abgestimmt sein müssten. "Man muss konzentriert sein, sich die nötigen Pausen nehmen."
Nach seiner langen Abwesenheit müsse er sich das eigene Selbstverständnis erst wieder erarbeiten. Da kann ein umkämpfter Tiebreak gegen Cerúndolo wahre Wunder bewirken.
"Ich versuche, mich an so viele schwierige Situationen auf dem Court zu gewöhnen", erläuterte er auf der Pressekonferenz am Dienstagabend. "Meinen Rhythmus und meine mentale Stärke wiederfinden, alles zusammenbringen - das will ich."
Sinner streift die Dopingaffäre ab
Ob bei den US Open 2024, den ATP-Finals, dem Davis Cup oder den vergangenen Australian Open: Auf seinem Durchmarsch zu den prestigeträchtigsten Titeln machte Sinner nicht den Eindruck, an der Dopingaffäre rund um seine Person zu zerbrechen.
Mit seiner Rückkehr auf den Court ist dieses dunkle Kapitel nun beendet, Sinner kann befreit aufspielen."Mental habe ich viel durchgemacht, und das nicht nur heute", gab er einen Einblick. "Nach einem Jahr, in dem so viel auf meinen Schultern lastete, fühle ich mich leichter. Jetzt ist dieser Ballast weg."
Bekommt die Welt also einen noch besseren Jannik Sinner zu Gesicht?
"Ich muss noch viele Dinge tun, um wieder richtig fit zu werden", so der zweimalige Davis-Cup-Sieger. "Aber ich bin sehr glücklich, weil ich das Gefühl hatte, dass ich mein Niveau steigern konnte. Spielerisch fühlte ich mich ein bisschen besser."
Hamburg in der Schwebe, French Open vor der Tür
Am Mittwoch steht für Sinner erst einmal ein Ruhetag auf dem Programm, an dem er sich trotz der jüngsten Erfolge zügeln will. "Ich muss abwarten, wie ich physisch drauf bin", ermahnte er sich selbst, nicht über die Stränge zu schlagen. Für einen Kurzbesuch im Vatikan bei Papst Leo XIV reichte es am Mittwoch dennoch.
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Sinner trifft den Papst und schenkt ihm seinen Tennis-Schläger
Quelle: Eurosport
Die fehlende Spielpraxis sei nicht zu unterschätzen, weshalb seine Teilnahme am ATP-Turnier in Hamburg (18. bis 24. Mai) alles andere als gewiss ist. "Wir müssen erst sehen, ob ich nach Hamburg fahre, wie ich mich körperlich fühle", räumte Sinner ein. "Die Belastung durch ein Turnier ist einfach eine andere."
Schritt für Schritt - so lautet sein Comeback-Code also. "Ich versuche gerade herauszufinden, wo mein Level wirklich ist. Ich muss ein bisschen mehr investieren und es Tag für Tag angehen. Das alles gehört zur Entwicklung", so Sinner.
Diese ist bestenfalls pünktlich zu den French Open (25. Mai bis 8. Juni live und on-demand bei discovery+) abgeschlossen, bei denen der zurückgekehrte Dominator zu den Favoriten zählt.
Gedanken daran verschwendet Sinner aber noch nicht. Zunächst steht am Donnerstag das Viertelfinale gegen Casper Ruud oder Jaume Munar auf dem Programm - in dem Sinner das Stadio Centrale wieder zur Ekstase treiben will.
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