ATP Rom: Luciano Darderi verzückt Italien mit Sieg trotz widriger Umstände - Shootingstar erstmals in Masters-Halbfinale

Einen Tag nach seinem Comeback-Sieg gegen Alexander Zverev, bei dem er vier Matchbälle (!) abgewehrt hatte, ist Luciano Darderi das nächste Kunststück beim ATP-Masters von Rom gelungen. Am Mittwochabend knackte der 24-Jährige trotz widrigster Umstände das spanische Megatalent Rafael Jódar und zog ins Halbfinale ein. Neben Jannik Sinner hat Italien einen neuen Star - der sich nicht am Ende sieht.

Highlights: Vier Matchbälle vergeben! Zverev geht in Rom k.o.

Quelle: SNTV

Hubschrauber über dem Foro Italico, Rauchschwaden am Centre Court - und mittendrin der Held des Abends. Luciano Darderi hat gewiss eine der denkwürdigsten Partien der jüngeren Geschichte des ATP-Masters von Rom hinter sich.
Am Mittwochabend setzte sich der Lokalmatador gegen Rafael Jódar durch (7:6, 5:7, 6:0), dem spanischen Megatalent zog er wie schon Alexander Zverev eine Runde zuvor im dritten Satz schonungslos den Stecker.
Mit Jannik Sinner sind die Zuschauer in Rom bereits verwöhnt, doch der 24-jährige Shootingstar, der in der kommenden Woche mindestens bis auf Platz 16 der Weltrangliste vordringen wird, entfacht in der italienischen Hauptstadt ein zweites Feuer.
"Das fühlt sich einfach nur wie ein Traum an", erklärte Darderi nach dem ersten Halbfinaleinzug bei einem Masters in seiner Karriere. Am Ende gelangt sieht er sich aber noch lange nicht.

Darderi mutiert zum Mentalitätsmonster

Bereits im Achtelfinale stellte Darderi seine mitunter größte Stärke unter Beweis: Vier Matchbälle wehrte er im Tiebreak des zweiten Satzes gegen Zverev ab, kurz zuvor kämpfte er sich nach zwei kassierten Breaks wieder zurück. Einen Tag später stand er vor einer kniffligeren Prüfung - zumindest auf mentaler Ebene.
Aufgrund strömenden Regens war sein Viertelfinale gegen Jódar zunächst verschoben worden, um 22:53 Uhr ging es erstmals auf den Court. Zu Müdigkeit und Anspannung gesellten sich externe Einflüsse, auf die sich ein Tennisspieler wohl nicht vorbereiten kann.
Im benachbarten Olympiastadion wurde nämlich das Finale der Coppa Italia ausgetragen: Polizei, Sirenen und Hubschrauber über dem Centre Court sorgten für eine störende Geräuschkulisse, während der Siegerehrung färbte ein ausgelassenes Feuerwerk den römischen Nachthimmel. Die dazugehörigen Rauchschwaden hüllten den Court in einen dicken Nebel.
Die Sicht der Spieler sowie das elektronische Linienüberwachungssystem wurden massiv beeinträchtigt. Beim Stand von 6:5 für Jódar im ersten Satz wurde daher eine Pause von knapp 20 Minuten eingelegt.
Anschließend mutierte Darderi zum Mentalitätsmonster.
Der Publikumsliebling erzwang den Tiebreak und kämpfte sich dort von einem 2:5-Rückstand zurück. Im zweiten Satz zog er zunächst auf 3:0 davon, vergab wenig später aber zwei Matchbälle. Das zweite, schier endlos dauernde Game des dritten Satzes lieferte schließlich die Vorentscheidung: 26 Punkte wurden gespielt, 13 Einstände erzwungen, mehr als zwölf Minuten feinstes Tennis. Am Ende stand das Break für Darderi, der von den lautstarken Gesängen von den Tribünen zu einem famosen 6:0 gepeitscht wurde.

Darderi: Del Potro als Idol, Traum vom Finale

Nahezu ikonisch: Zwischen den Seitenwechseln genehmigte sich Darderi wie schon in den vorangegangenen Runden stets einen kleinen Becher mit Kaffee. Die für ein Tennis-Match schier irrwitzigen Verhältnisse schüttelte der Lokalheld lässig ab - auch dank eines Idols Juan Martín del Potro.
"Wenn ich mir einen Charakterzug von ihm aussuchen dürfte, dann wäre es seine Willenskraft", meinte Darderi in einem Interview mit "Sky Sport Italia". "Es ist etwas, das dich mitnimmt, dir die Überzeugung gibt, dass du es immer schaffen kannst."
Was er seinem Vorbild voraus hat: Im Gegensatz zum US-Open-Champion von 2009 hat Darderi, der sich auf Sand wie zu Hause fühlt, den Sprung ins Halbfinale des Rom-Masters geschafft. Dort trifft er am Freitag auf den Norweger Casper Ruud und träumt vom Finale.
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So schnell lässt sich Luciano Darderi von nichts unterkriegen

Fotocredit: Getty Images

Höhenflug in der Weltrangliste, Rom wünscht sich ein Heimspiel

Sollte Darderi auch den zweimaligen Finalisten der French Open überflügeln, würde er erstmals in seiner Karriere die Top 15 der Weltrangliste knacken. Seit seinem Debütsieg beim ATP-Turnier von Córdoba im Jahre 2023, wo er nur zwölf Monate später schließlich auch den Titel holte, klettert der aktuell viertbeste Italiener auf der ATP-Tour unaufhaltsam nach oben.
Für Italien könnte ein Finaleinzug eine Besonderheit bereithalten: Auf dem anderen Turnierpfad arbeitet sich nämlich Superstar Sinner in Richtung Finale vor, der viermalige Grand-Slam-Champion ist im Halbfinale am Freitag gegen den Sieger des Duells zwischen Daniil Medvedev und Martín Landaluce gefordert.
Besser in Form kann Darderi für die anstehenden Forderungen jedenfalls nicht sein. "Ich fühle mich als stärkerer Spieler, vor allem mental", beschrieb er seine unglaubliche Reise beim Rom-Masters. "Ich gebe niemals auf, und das habe ich gegen Zverev und Jódar gezeigt."
Am Ende sieht er sich aber noch lange nicht: "Wir haben noch viele Dinge, die wir verbessern müssen."
Von einer Gewissheit kann Darderi aber wohl bereits jetzt ausgehen: Sollte ihm der Sprung ins Finale tatsächlich gelingen - mit Hubschraubern, Feuerwerk und Sirenen wird er sich erst nach dem verwandelten Matchball auseinandersetzen müssen.
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Highlights: Sinner beendet Siegeszug seines Landsmanns

Quelle: SNTV


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