Ben Shelton gewinnt Masters-Titel in Toronto: US-Boys lassen vor Heim-Grand-Slam in New York aufhorchen - "Einer wird es holen"
VonJan Zesewitz
Update 09/08/2025 um 11:27 GMT+2 Uhr
Ben Shelton hat beim Masters-Turnier in Toronto den bisher größten Titel seiner Karriere eingefahren. Und das als jüngster US-Amerikaner seit Andy Roddick. Der 22-Jährige bildet gemeinsam mit Taylor Fritz die Speerspitze einer ganzen Armada an US-Boys, die in der Weltrangliste sehr weit vorne liegen. Dieser Titel kommt mit perfektem Timing vor dem Heim-Grand-Slam in New York.
Shelton fightet sich zum Masters-Titel in umkämpften Finale
Quelle: Perform
"Ich könnte hier sitzen und sagen: 'Wow, ich bin mit 22 Jahren in der Lage diese Dinge zu tun und zu erreichen'. Aber ich bin ein kritischer Geist. Ich will Probleme lösen. Ich bin nicht da, wo ich sein möchte. Darauf konzentriere ich mich."
Das sagte Shelton nach seinem Viertelfinalaus in Wimbledon gegen Jannik Sinner. Worte, die sich der 22-Jährige offensichtlich zu Herzen genommen hat. Einen Monat später reckte er die Trophäe bei einem Masters-Turnier in die Höhe - in Abwesenheit von Jannik Sinner, Carlos Alcaraz und Novak Djokovic, dennoch in beeindruckender Manier.
Er spielt aktuell die beste Saison seiner Karriere und liegt auf Platz vier im Race to Turin, dem Ranking, das nur die Ergebnisse des Kalenderjahres zählt. Nur Sinner, Alcaraz und Alexander Zverev sind besser als der junge Mann aus Atlanta, in Toronto krönte er sein bisheriges Jahr.
"Ich hoffe, dass diese Woche mir einen 'Kickstart' gibt und dass ich konstanter werde mit der Art und Weise, wie ich Tag für Tag Tennis spielen möchte", sagte Shelton nach seinem Finalsieg. "Es wird mich auf jeden Fall pushen, um härter zu arbeiten. Ich denke, dass ich jetzt ein gutes Gefühl dafür habe, was für mich gut funktioniert gegen die Spieler, die das beste Tennis der Welt spielen - und für die Dinge, an denen ich weiterhin arbeiten muss."
Shelton als Mitfavorit bei den US Open
So klingt kein Spieler, der einen Meilenstein in seiner Laufbahn erreicht hat, sondern jemand, der höhere Ziele hat als ein Masters zu gewinnen.
Dabei ist er erst der sechste Spieler, der in den 2000er-Jahren geboren ist, der einen solchen Titel einfahren konnte. Neben Alcaraz und Sinner sind dies Jack Draper, Jakub Mensik (beide in diesem Jahr) und Holger Rune (Paris 2022).
Bei den großen Turnieren hieß seine Endstation 2025 immer entweder Sinner oder Alcaraz - der Südtiroler in Wimbledon und bei den Australian Open, Alcaraz im Achtelfinale von Roland-Garros. Shelton kann mit Blick auf den letzten Grand Slam des Jahres von sich behaupten, direkt hinter diesen beiden in der Favoritenliste zu stehen.
Und dieser letzte Grand Slam ist für ihn und alle anderen US-Amerikaner von besonderer Bedeutung. Die US Open sind das Heimturnier der in der Breite am stärksten aufgestellten Nation der Welt. New York ist auch der Ort, an dem zuletzt ein Landsmann einen Grand-Slam-Titel holen konnte: Andy Roddick siegte 2003.
Die Renaissance der US-Amerikaner
In diesem Jahr stehen die Chancen besser als je zuvor. Vier US-Amerikaner stehen unter den ersten 20 der Weltrangliste, drei von ihnen standen schon mindestens im Halbfinale in Flushing Meadows: Shelton, Taylor Fritz und Frances Tiafoe. Tommy Paul war schon bei den Australian Open im Halbfinale.
Hinzu kommt, dass die US Open notorisch unvorhersehbar sind. In den vergangenen sechs Jahren gab es sechs verschiedene Titelträger. Der letzte, der seinen Erfolg im Folgejahr wiederholen konnte, war Roger Federer - im Jahr 2008. Warum also nicht mal wieder ein US-Amerikaner?
"Ich habe keinen Zweifel, dass einer von uns irgendwann das Ding holen wird", sagte Shelton nach seinem Sieg im Halbfinale gegen Fritz, aktuell die Nummer eins der US-Boys. "Wer weiß, wer es sein wird? Ihr müsst einfach abwarten und zuschauen. Das amerikanische Tennis ist in einer sehr guten Position."
Besser sah es für die Nation wohl seit den Tagen von Pete Sampras, Andre Agassi, Jim Courier und Co. nie aus. Shelton ist der jüngste der Anwärter - und aktuell der wohl aussichtsreichste.
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Alcaraz glücklich über "großartige Rivalität" mit Sinner
Quelle: Perform
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