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Tennis ATP World Tour Finals - Kostet der Triump von Andy Murray Boris Becker den Job?
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Publiziert 21/11/2016 um 11:03 GMT+1 Uhr
Andy Murray hat Novak Djokovic im Endspiel der ATP World Tour Finals geschlagen, und das könnte auch für Boris Becker Folgen haben. Der 48-Jährige coacht Djokovic, doch die Zusammenarbeit zwischen der deutschen Tennis-Ikone und der gestürzten Nummer eins der Welt steht auf der Kippe. Derweil hat Murray die beste Saison seines Lebens traumhaft abgeschlossen.
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Boris Becker applaudierte natürlich fair, als der blau-silberne Flitterregen den überglücklichen Andy Murray samt seines Pokals komplett einhüllte. Doch Beckers Blick wirkte leer am Sonntagabend im ehemaligen Millennium Dome von London. Ähnlich, wie er schon im September beim Verlassen des Arthur-Ashe-Stadiums gewirkt hatte.
Becker ging damals erst, als die meisten Zuschauer nach Stan Wawrinkas Siegerehrung die Ränge längst verlassen hatten. Schon da schien es eine Mischung aus Wehmut, Enttäuschung und einer gewissen Ratlosigkeit zu sein - Becker vermochte es nicht, seinen Schützling Novak Djokovic wieder in die Spur zu bringen. Und die Zeichen mehren sich nun, dass der Serbe den Vertrag für die neue Saison nicht verlängern wird.
Ein absolutes No-Go für Djokovic
Wer hätte das zu Beginn dieser Saison vermutet? Djokovic dominierte weiter nach Belieben, spielte in einer eigenen Liga. Er demontierte Murray erst im Endspiel in Melbourne, dann bezwang er ihn bei den French Open - doch dieser historische Sieg in Paris wurde Djokovic zum Verhängnis. Dass er endlich jeden der vier Grand Slams gewonnen hatte, erlöste ihn von einem gewaltigen Druck, der sich in den letzten Jahren immer weiter aufgebaut hatte. Die letzte, tonnenschwere Hürde war genommen - was sollte jetzt noch kommen?
Es ist die Krux, mit der jeder Champion nach einem außergewöhnlichen Triumph zu kämpfen hat und Djokovic verlor nach Paris seine Motivation. Er vergnügte sich, sehr zum Missfallen seiner Ehefrau, wohl auch außerhalb des Tennisplatzes ausgiebig, was nicht nur zu privatem Ärger, sondern auch zu schwachen Leistungen führte. Aus in Runde drei in Wimbledon - und Becker kritisierte Djokovic danach live im britischen Fernsehen. Merkte an, er habe den Sieg in Paris wohl etwas zu sehr genossen. Ein absolutes No-Go für Djokovic, das Verhältnis der beiden scheint seither belastet.
Biss verloren, Murray zieht vorbei
In der zweiten Saisonhälfte spielte Djokovic oft wie ein Schatten seiner selbst. Die Spiele in Rio wurden zur Enttäuschung, nach New York pausierte er einen Monat lang. Er sprach von Schulterproblemen, doch die fehlende Motivation blieb das eigentliche Grundübel. Auf einmal hatte Djokovic in den wichtigen Matches seinen Biss verloren. Die Gegner fürchteten ihn nicht mehr.
Die Folge: Andy Murray schubste ihn in Paris-Bercy vom Thron. In London bot sich daher für Djokovic die letzte Chance, diese turbulente Saison noch positiv ausklingen zu lassen: Es ging buchstäblich um alles in diesem Endspiel der World Tour Finals - der Sieger bekam den WM-Titel und beendete die Saison als Nummer eins. Der berühmte Abba-Song hallte dann allerdings nicht unter dem Kuppeldach, bei diesem sonst so perfekt durchchoreographierten Abschlussevent.
Entgehen lassen wollte sich die geballte Prominenz dieses historische Match jedenfalls nicht - neben den Schweinsteigers saßen die Hollywood-Größen Kevin Spacey, Jude Law, Woody Harrelson und Clive Owen - und dazu der Sänger Sam Smith. Und sie sahen einen erstaunlich frischen und hungrigen Murray, obwohl ihm die beiden längsten Partien der Turniergeschichte uns insgesamt zehn Stunden Spielzeit in den Beinen steckten. Und einen Djokovic, der eigentlich problemlos ins Endspiel gekommen war, aber nie eine Chance auf seinen sechsten Titel hatte.
Merci, Amélie!
Erst beim Stand von 3:6 und 1:4 hatte der Serbe seine erste (!) Breakmöglichkeit. Die Aufholjagd kam viel zu spät. Dass Murray diesen Triumph verdient hat, steht außer Frage. Drei Grand-Slam-Finals, der Wimbledonsieg, vier Masters-Titel und nun mit seinem 24 Sieg und dem fünften Turniersieg in Folge die Nummer eins am Saisonende - jetzt steht er endgültig auf Augenhöhe mit den anderen "Fab Four". Und auch wenn Ivan Lendl in seiner Ringecke saß, so hat Murray diese furiose Saison vor allem Amélie Mauresmo zu verdanken.
Die Französin machte ihn zu einem kompletteren Spieler, war für ihn in der schlimmsten Phase nach seiner Rücken-OP da, als Lendl ihn eiskalt fallengelassen hatte. Die Version Murray 4.0 hat den Sprung in den Olymp geschafft. Djokovic beendet das Jahr dagegen als Geschlagener, auf der Suche nach einem neuen Fokus, des alten Feuers. Ob er glaubt, dass Becker ihm dabei noch helfen kann, muss er in den nächsten Wochen entscheiden. Darauf wetten sollte man besser nicht.
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