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Kohlschreiber im Interview
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Publiziert 11/01/2012 um 12:42 GMT+1 Uhr
Im Interview der Woche mit Eurosport spricht Philipp Kohlschreiber über seine Ziele bei den Australian Open. Der 28-Jährige verrät außerdem, was er sich von seinem Trainerwechsel erwartet und warum es bei den deutschen Männern nicht so gut läuft wie bei den Frauen.
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Fotocredit: Eurosport
Das Interview führte Raphaela Jann
In der Winterpause gab es Veränderungen in Ihrem Trainingsumfeld. Sie arbeiten nun wieder mit ihrem ehemaligen Coach Stefan Eriksson in Oberhaching zusammen. Was erwarten Sie sich davon?
Philipp Kohlschreiber: Ich habe in dem Jahr, als ich mit Miles MacLagan unterwegs war, gemerkt, dass das einfach nicht so hingehauen hat. Wir haben anders trainiert, ein bisschen weg von meinem Spiel. Ich habe schon immer gesagt, dass die Base in Oberhaching eine hervorragende Trainingsstätte ist. Von dem her war es klar, dass das letzte Jahr nicht optimal gelaufen ist und dass ich wieder Sicherheit in mein Spiel bringen muss. Die Vorbereitung lief toll, wir waren mit einem großen Team im Dezember in Oberhaching und ich habe wieder das Quäntchen mehr Spaß am Tennis entdeckt. Ich bin guter Dinge, dass ich in diesem Jahr gut spielen werde.
Die Tennis-Base in Oberhaching scheint für Sie von entscheidender Bedeutung zu sein.
Kohlschreiber: Bei uns ist es wie in einer Familie. Ich bin mit knapp 15 Jahren nach Oberhaching und bin dort drei Jahre zur Schule gegangen. Stefan Eriksson kenne ich nun schon seit über 13 Jahren. Markus Wislsperger kenne ich fast genau so lang, zuerst als Spieler und jetzt als Trainer. Es sind einfach alle dort, die mich seit meiner Tenniskarriere begleiten. Von dem her ist die Base für mich schon sehr besonders. Der Weggang war damals für mich nicht leicht. Mich hat es aber sehr gefreut, dass wir nun wieder zusammengefunden haben und sich alle wieder freuen. Und natürlich tut das auch meinem Tennis gut.
Hilft es, dass Sie in Oberhaching zusammen mit Ihren Davis-Cup-Kollegen Florian Mayer und Philipp Petzschner trainieren können?
Kohlschreiber: Es war verdammt lustig. Mit Flo und Philipp waren wir drei Wochen sehr intensiv im Training. Jede Konditionseinheit, jede Fitnesseinheit haben wir zusammen absolviert. Wir hatten jede Menge Spaß, haben Fußball gespielt und andere kleine Spielchen zum Aufwärmen. Zudem haben wir uns viel unterhalten. Das war wie in einer Fußballmannschaft. Wir waren zu acht, neunt - und es war einfach toll, in einer so großen Gruppe Sport zu machen.
Wie sehr hängt der Erfolg von der Vorbereitung im Winter ab?
Kohlschreiber: Sicherlich legt man da den Grundstein. Das ist klar. Man arbeitet ja sehr viel an der Fitness, versucht spielerisch und technisch minimale Dinge zu verbessern. Von daher glaube ich, dass man da viel machen kann, aber du kannst natürlich nicht sagen: Ah, jetzt war die Vorbereitung nicht ideal, jetzt läuft's auch nicht in der Saison.
Waren Sie denn mit der Vorbereitung für das Tennis-Jahr 2012 zufrieden?
Kohlschreiber: Meine Vorbereitung ist toll gelaufen, doch auch das muss nichts heißen. Aber ich fühle mich gut, habe Spielwitz und die Euphorie wieder Tennis zu spielen. Ich glaube, dass dies im letzten Jahr ein bisschen untergegangen ist. Da war ich ein bisschen betrübt und nachdenklich, aber im Großen und Ganzen macht es mir nun wieder richtig viel Spaß.
Hatten Sie genug Vorbereitungszeit, um an Ihrem Spiel zu arbeiten und Dinge auch zu verändern?
Kohlschreiber: Das sagen wir ja immer, dass die Zeit zu kurz ist. Ich habe Mitte November den letzten Schlag in einem Turnier gemacht und war dann ein paar Tage im Urlaub. Danach habe ich noch eine Woche gar nichts gemacht, bis ich das Gefühl hatte, wieder Sport machen zu wollen. Für mich war es wichtig, dass ich wieder zu meiner alten Stärke zurückfinde. Was mich immer ausgezeichnet hat, war Energie, Spielwitz und Spaß. Doch das war nicht mehr so da. Das galt es erst einmal wieder zu erwecken. Darüber hinaus haben wir bei zwei, drei Kleinigkeiten etwas verändert.
Was meinen Sie mit Kleinigkeiten?
Kohlschreiber: Zum Beispiel habe ich den Griff beim Return ein bisschen geändert und bei der Vorhand geschaut, dass ich mehr Zug dahinter bringe. Man arbeitet daran, aber so etwas ist natürlich nicht in drei Wochen abgeschlossen, sondern ein Ganzjahresprozess.
Haben Sie sich in den vergangenen Jahren anders vorbereitet?
Kohlschreiber: Ich habe vorletztes Jahr extrem viel Fitness gemacht und bin viel Laufen gegangen. Ich war dafür in Südafrika, weil da bessere Bedingungen herrschen, wenn man sich richtig auspowert. Ich war extrem viel im Kraftraum und weniger auf dem Tennisplatz. Dieses Jahr habe ich gesagt, ich will es nicht so extrem einseitig machen und will eine gute Mischung finden. Hauptsächlich wollte ich eigentlich auf dem Tennisplatz sein. Letztes Jahr habe ich gemerkt, dass ich zu wenig Tennis gespielt habe, um ein Gefühl zu erarbeiten und Sicherheit zu bekommen.
Nun stehen die Australian Open an. Wie wichtig ist es, bei einem Grand-Slam-Turnier weit zu kommen, um in Deutschland wahrgenommen zu werden?
Kohlschreiber: Es ist die größte Bühne für uns, das ist ganz klar. Für mich war es letztes Jahr katastrophal. Ich bin dreimal in der ersten Runde und einmal in der zweiten Runde rausgeflogen. Das will ich in diesem Jahr besser machen. Weit zu kommen heißt für uns, vielleicht einmal die zweite Woche zu erreichen. Das ist ja klar, denn man kann nicht gleich über den Turniersieg sprechen, aber wenn man ein Achtel- oder Viertelfinale erreichen kann, wäre das ein sehr toller Erfolg. Ich glaube, bei uns fehlt ein bisschen die Konstanz. Die deutschen Damen demonstrieren uns hervorragend, dass sie phänomenal gut spielen können. Wie gesagt, das ist zwar nicht unsere Kategorie, aber wir können es als positiven Anreiz nehmen und sagen: Wenn die das schaffen, dann wollen wir das auch.
Gerade an die Australian Open habe Sie gute Erinnerungen. Sie standen 2005 und 2008 im Achtelfinale. Warum liegt Ihnen dieses Grand-Slam-Turnier so?
Kohlschreiber: Ich weiß es nicht, vielleicht aufgrund der langen Vorbereitung. Im vergangenen Jahr habe ich auch ganz gut gespielt, habe dann aber in der zweiten Runde gegen Tomas Berdych verloren - aber das ist ein Topgegner. Mir macht es Spaß, da unten zu spielen. Ich habe kaum Probleme mit der Sonne und komme meistens sehr gut vorbereitet hin. Das Turnier, die Leute und der Platz gefallen mir. Es sind viele Faktoren, die für mich sprechen. Es gibt auch die eine oder andere schöne Erinnerung, die wieder aufkommt, wenn man in Melbourne einreist.
Sie haben einen Platz in den Top 20 als Saisonziel ausgegeben. Besteht da nicht die Gefahr, dass Sie sich damit zu sehr unter Druck setzen?
Kohlschreiber: Ich glaube, man muss einen gesunden Weg gehen, sich selbst ein bisschen fordern. Deswegen setze ich mich ein bisschen unter Druck. Es geht ja nicht nur um Spaß, sondern darum, sich auch zu schinden und hart zu arbeiten. Daher ist ein gewisser Druck gut.
Welchen Stellenwert haben die Olympischen Spiele 2012 in Ihrer Saisonplanung?
Kohlschreiber: Ich würde ich mich freuen, bei Olympia dabei zu sein. Momentan erreiche ich die Kriterien vom Nationalen Komitee noch nicht, international aber schon. Es ist ein bisschen schade, dass wir da zweigleisig fahren. Ich hatte 2008 die Chance dabei zu sein, musste dann aber verletzungsbedingt absagen. Wenn mich jetzt aber einer fragen würde: Grand Slam oder Olympia? Das wäre schwer für mich. Für uns haben die Grand-Slam-Wettbewerbe einen extrem hohen Stellenwert, dahinter kommen die Olympischen Spiele, weil die eben nur alle vier Jahre stattfinden. Für alle Sportler und Nationen ist dies das Highlight ist. Und da wäre ich gerne dabei.
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TV-Tipp:
Eurosport berichtet vom 16. bis 29. Januar Live im TV und im Eurosport Player von den Australian Open. Dazu berichten wir auf eurosport.yahoo.de ebenfalls live und ausführlich vom ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres.
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