"Ich werde hier nicht stehen und ihnen das Feld einfach so überlassen. Sie werden sich schon den Arsch aufreißen müssen!"
Novak Djokovic lässt im Interview bei Eurosport kurz nach seinem neunten Einzug ins Finale der Australian Open keinen Zweifel daran, wer noch immer die Hosen im Welttennis anhat.
Seit Jahren wird bereits über die nahende Wachablösung der Big Three Roger Federer (20 Grand-Slam-Titel), Rafael Nadal (20) und Novak Djokovic (17) gesprochen - doch bisher bissen sich alle potentiellen Anwärter auf den Tennis-Thron an dieser Aufgabe die Zähne aus.
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Der Abstand zur sogenannten NextGen (Next Generation) um Alexander Zverev, Dominic Thiem, Daniil Medvedev oder Stefanos Tsitsipas ist in der jüngeren Vergangenheit vielleicht geschrumpft, eine Übergabe des Staffelstabs steht laut Djokovic allerdings noch nicht unmittelbar bevor.

Djokovic, Federer, Nadal: Ungeheure Dominanz

"Es wird viel geredet über die neue Generation, die von uns übernehmen soll. Aber realistisch gesehen ist das noch nicht passiert. Mit allem Respekt gegenüber den anderen Jungs, sie haben noch viel Arbeit vor sich", merkt die Nummer eins der Welt an.

Djokovic-Ansage an Zverev & Co.: "Müssen sich den Arsch aufreißen"

Schaut man sich den Verlauf der Australian Open 2021 an, muss man dem Serben zustimmen. Die Sieger der letzten 15 Grand-Slam-Turniere hießen bis auf eine Ausnahme (Dominic Thiem, US Open 2020) immer Djokovic, Federer oder Nadal. Nur zehn von 63 Majors seit 2005 ließen sich die Big Three durch die Lappen gehen:
JahrAustralian OpenFrench OpenWimbledonUS Open
2005Marat SafinRafael NadalRoger FedererRoger Federer
2006Roger FedererRafael NadalRoger FedererRoger Federer
2007Roger FedererRafael NadalRoger FedererRoger Federer
2008Novak DjokovicRafael NadalRafael NadalRoger Federer
2009Rafael NadalRoger FedererRoger FedererJuan Martin del Potro
2010Roger FedererRafael NadalRafael NadalRafael Nadal
2011Novak DjokovicRafael NadalNovak DjokovicNovak Djokovic
2012Novak DjokovicRafael NadalRoger FedererAndy Murray
2013Novak DjokovicRafael NadalAndy MurrayRafael Nadal
2014Stan WawrinkaRafael NadalNovak DjokovicMarin Cilic
2015Novak DjokovicStan WawrinkaNovak DjokovicNovak Djokovic
2016Novak DjokovicNovak DjokovicAndy MurrayStan Wawrinka
2017Roger FedererRafael NadalRoger FedererRafael Nadal
2018Roger FedererRafael NadalNovak DjokovicNovak Djokovic
2019Novak DjokovicRafael NadalNovak DjokovicRafael Nadal
2020Novak DjokovicRafael Nadal---Dominic Thiem
Neun Mal erreichte Djokovic bereits das Finale in Down Under, acht Mal hielt er bisher am Ende auch die Trophäe in der Hand. Wenn er am Sonntag (live bei Eurosport1 und bei Eurosport auf Joyn) nach seinem neunten Titel in der Rod Laver Arena greift, kann er seiner forschen Ansage gleich Taten folgen lassen.
Denn mit Stefanos Tsitsipas oder Daniil Medvedev wird ihm ein Spieler ebenjener neuen Generation gegenüberstehen und die Chance dazu haben, den ersten Major-Titel zu gewinnen. Medvedev hatte diese bereits bei den US Open 2019, unterlag dann aber im Finale von New York dem Spanier Rafael Nadal. Für Tsitsipas wäre es das erste Grand-Slam-Finale seiner Karriere - bisher gilt sein Triumph bei den ATP Finals im vergangenen Jahr als größter Erfolg seiner Laufbahn.

Djokovic: Zeit des Abdankens noch nicht gekommen

Egal wer sich am Ende mit dem Djoker messen wird; derjenige wird wissen, dass es zu den schwersten Aufgaben im Tennis gehört, den 33-Jährigen bei seinem Lieblingsturnier zu schlagen.
Im Viertelfinale musste bereits Zverev diese bittere Erfahrung machen. Djokovic zeigte im gesamten Match, wie stark er vor allem im mentalen Bereich ist. Immer, wenn es wichtig wurde, konnte sich der Serbe auf seinen Aufschlag und die nachfolgenden Entscheidungen verlassen. Oder anders: Unter Druck rief der 33-Jährige sein bestes Tennis ab. Eine Fähigkeit, die letztlich über Titel oder Platz zwei entscheidet. "Druck ist immer da, er ist Teil unseres Jobs, aber auch ein Privileg", beschreibt der Serbe. "Er zeigt, dass du immer noch etwas tust, das wichtig und wertvoll ist."

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Mit diesem Druck dauerhaft umzugehen, das ist die große Challenge für die vielen Herausforderer, die bisher versucht haben, die Granden vom Thron zu stoßen. Dass die Zeit des Abdankens eines Tages kommen wird, das weiß freilich auch Djokovic: "Die Jungs sind wirklich stark, sie spielen Tennis auf hohem Niveau, ohne Zweifel. Mit Sicherheit werden diese Spieler irgendwann die Anführer, die Zukunft des Tennis sein."
Noch - und daran erinnerte Djokovics Ansage unmissverständlich - ist dieser Tag aber nicht gekommen. Warum auch? Schließlich geht es auch darum, wer sich am Ende seiner Karriere, vermutlich für einen seeeeehr langen Zeitraum, Rekord-Grand-Slam-Champion nennen darf. Während die Uhr für Federer (39 Jahre, 20 Titel) langsam abläuft, rechnen sich Nadal (34 Jahre, 20 Titel) und Djokovic (33 Jahre, 17 Titel) zu Recht noch einige gute Jahre in der absoluten Weltspitze aus.
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