Australian Open: Wachablösung? Novak Djokovic akzeptiert noch keine Nachfolger - großes Ziel lockt
Novak Djokovic steht zum neunten Mal im Finale der Australian Open und lässt vor dem Showdown am Sonntag verbal die Muskeln spielen. Der vielbesungenen NextGen, der unter anderem Alexander Zverev und seine möglichen Finalgegner Stefanos Tsitsipas und Daniil Medvedev angehören, will der Serbe den Staffelstab nicht kampflos übergeben. Schließlich geht es um ein noch viel größeres Ziel.
Novak Djokovic
Fotocredit: Imago
"Ich werde hier nicht stehen und ihnen das Feld einfach so überlassen. Sie werden sich schon den Arsch aufreißen müssen!"
Novak Djokovic lässt im Interview bei Eurosport kurz nach seinem neunten Einzug ins Finale der Australian Open keinen Zweifel daran, wer noch immer die Hosen im Welttennis anhat.
Seit Jahren wird bereits über die nahende Wachablösung der Big Three Roger Federer (20 Grand-Slam-Titel), Rafael Nadal (20) und Novak Djokovic (17) gesprochen - doch bisher bissen sich alle potentiellen Anwärter auf den Tennis-Thron an dieser Aufgabe die Zähne aus.
Der Abstand zur sogenannten NextGen (Next Generation) um Alexander Zverev, Dominic Thiem, Daniil Medvedev oder Stefanos Tsitsipas ist in der jüngeren Vergangenheit vielleicht geschrumpft, eine Übergabe des Staffelstabs steht laut Djokovic allerdings noch nicht unmittelbar bevor.
Djokovic, Federer, Nadal: Ungeheure Dominanz
"Es wird viel geredet über die neue Generation, die von uns übernehmen soll. Aber realistisch gesehen ist das noch nicht passiert. Mit allem Respekt gegenüber den anderen Jungs, sie haben noch viel Arbeit vor sich", merkt die Nummer eins der Welt an.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/02/18/2997568-61507088-2560-1440.jpg)
Djokovic-Ansage an Zverev & Co.: "Müssen sich den Arsch aufreißen"
Quelle: Eurosport
Schaut man sich den Verlauf der Australian Open 2021 an, muss man dem Serben zustimmen. Die Sieger der letzten 15 Grand-Slam-Turniere hießen bis auf eine Ausnahme (Dominic Thiem, US Open 2020) immer Djokovic, Federer oder Nadal. Nur zehn von 63 Majors seit 2005 ließen sich die Big Three durch die Lappen gehen:
| Jahr | Australian Open | French Open | Wimbledon | US Open |
| 2005 | Marat Safin | Rafael Nadal | Roger Federer | Roger Federer |
| 2006 | Roger Federer | Rafael Nadal | Roger Federer | Roger Federer |
| 2007 | Roger Federer | Rafael Nadal | Roger Federer | Roger Federer |
| 2008 | Novak Djokovic | Rafael Nadal | Rafael Nadal | Roger Federer |
| 2009 | Rafael Nadal | Roger Federer | Roger Federer | Juan Martin del Potro |
| 2010 | Roger Federer | Rafael Nadal | Rafael Nadal | Rafael Nadal |
| 2011 | Novak Djokovic | Rafael Nadal | Novak Djokovic | Novak Djokovic |
| 2012 | Novak Djokovic | Rafael Nadal | Roger Federer | Andy Murray |
| 2013 | Novak Djokovic | Rafael Nadal | Andy Murray | Rafael Nadal |
| 2014 | Stan Wawrinka | Rafael Nadal | Novak Djokovic | Marin Cilic |
| 2015 | Novak Djokovic | Stan Wawrinka | Novak Djokovic | Novak Djokovic |
| 2016 | Novak Djokovic | Novak Djokovic | Andy Murray | Stan Wawrinka |
| 2017 | Roger Federer | Rafael Nadal | Roger Federer | Rafael Nadal |
| 2018 | Roger Federer | Rafael Nadal | Novak Djokovic | Novak Djokovic |
| 2019 | Novak Djokovic | Rafael Nadal | Novak Djokovic | Rafael Nadal |
| 2020 | Novak Djokovic | Rafael Nadal | --- | Dominic Thiem |
Neun Mal erreichte Djokovic bereits das Finale in Down Under, acht Mal hielt er bisher am Ende auch die Trophäe in der Hand. Wenn er am Sonntag (live bei Eurosport1 und bei Eurosport auf Joyn) nach seinem neunten Titel in der Rod Laver Arena greift, kann er seiner forschen Ansage gleich Taten folgen lassen.
Denn mit Stefanos Tsitsipas oder Daniil Medvedev wird ihm ein Spieler ebenjener neuen Generation gegenüberstehen und die Chance dazu haben, den ersten Major-Titel zu gewinnen. Medvedev hatte diese bereits bei den US Open 2019, unterlag dann aber im Finale von New York dem Spanier Rafael Nadal. Für Tsitsipas wäre es das erste Grand-Slam-Finale seiner Karriere - bisher gilt sein Triumph bei den ATP Finals im vergangenen Jahr als größter Erfolg seiner Laufbahn.
Djokovic: Zeit des Abdankens noch nicht gekommen
Egal wer sich am Ende mit dem Djoker messen wird; derjenige wird wissen, dass es zu den schwersten Aufgaben im Tennis gehört, den 33-Jährigen bei seinem Lieblingsturnier zu schlagen.
Im Viertelfinale musste bereits Zverev diese bittere Erfahrung machen. Djokovic zeigte im gesamten Match, wie stark er vor allem im mentalen Bereich ist. Immer, wenn es wichtig wurde, konnte sich der Serbe auf seinen Aufschlag und die nachfolgenden Entscheidungen verlassen. Oder anders: Unter Druck rief der 33-Jährige sein bestes Tennis ab. Eine Fähigkeit, die letztlich über Titel oder Platz zwei entscheidet. "Druck ist immer da, er ist Teil unseres Jobs, aber auch ein Privileg", beschreibt der Serbe. "Er zeigt, dass du immer noch etwas tust, das wichtig und wertvoll ist."
Mit diesem Druck dauerhaft umzugehen, das ist die große Challenge für die vielen Herausforderer, die bisher versucht haben, die Granden vom Thron zu stoßen. Dass die Zeit des Abdankens eines Tages kommen wird, das weiß freilich auch Djokovic: "Die Jungs sind wirklich stark, sie spielen Tennis auf hohem Niveau, ohne Zweifel. Mit Sicherheit werden diese Spieler irgendwann die Anführer, die Zukunft des Tennis sein."
Noch - und daran erinnerte Djokovics Ansage unmissverständlich - ist dieser Tag aber nicht gekommen. Warum auch? Schließlich geht es auch darum, wer sich am Ende seiner Karriere, vermutlich für einen seeeeehr langen Zeitraum, Rekord-Grand-Slam-Champion nennen darf. Während die Uhr für Federer (39 Jahre, 20 Titel) langsam abläuft, rechnen sich Nadal (34 Jahre, 20 Titel) und Djokovic (33 Jahre, 17 Titel) zu Recht noch einige gute Jahre in der absoluten Weltspitze aus.
Das könnte Dich auch interessieren: Exklusiv: Söder äußert sich zur Öffnung der Tennisplätze in Deutschland
/origin-imgresizer.eurosport.com/2021/02/18/2997574-61507208-2560-1440.jpg)
Schmerzfrei und in Topform: Djokovic mit Kampfansage vor dem Finale
Quelle: Eurosport
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-64409486-720e-4196-b7be-ecc2673d0569-68-310-310.jpeg)