Das Drama um Novak Djokovic endete im Morgengrauen mit einem Paukenschlag. Nach einer schlaflosen Nacht in Gewahrsam am Flughafen Melbourne bekam Serbiens Tennis-Superstar offiziell mitgeteilt, dass Australien sein Visum ablehnt und ihn ausweist. Statt mit einer Ausnahmegenehmigung für Ungeimpfte bei den Australian Open aufzuschlagen, soll die Nummer eins der Weltrangliste noch am Donnerstag Ortszeit ausgeflogen werden.
Der australische Grenzschutz (Australian Border Force) erklärte in einem Vierzeiler, dass "Herr Djokovic die Einreisebedingungen nicht erfüllt hat und sein Visum daraufhin annulliert wurde". Nicht-Staatsbürger, die bei der Einreise kein gültiges Visum besitzen oder deren Visum annulliert wurde, "werden festgesetzt und aus Australien ausgewiesen", hieß es in der Mitteilung. Titelverteidigung ade! Angeblich läuft aber noch ein Einspruch der Anwälte.
Australiens Ministerpräsident Scott Morrison verteidigte die Einreise-Verweigerung. "Regeln sind Regeln, besonders, was unsere Grenzen angeht", schrieb Morrison bei Twitter. "Niemand steht über dem Gesetz."
Australian Open
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Djokovics Vater hingegen reagierte zutiefst empört. "Es ist beschämend. Abschiebung", sagte Srdjan Djokovic der serbischen Zeitung "Blic". "Ich kann nicht mit meinem Sohn reden, sie stellen ihn als Kriminellen dar. Ich habe keine Worte für alles, was sie ihm angetan haben."
Ab dem späten Abend hatte Novak Djokovic festgesessen, selbst Serbiens Präsident persönlich setzte sich am Ende für ihn ein. "Ich habe ein Telefongespräch mit Novak geführt und ihm gesagt, dass ganz Serbien bei ihm ist", schrieb Aleksandar Vucic bei Instagram. "Unsere Behörden werden alle Maßnahmen ergreifen, um die Belästigung des besten Tennisspielers der Welt in kürzester Zeit zu stoppen." Auch dies: vergeblich.

Regierung lehnte Unterstützung für Djokovic ab

Bevor Djokovic überhaupt einen Fuß auf den fünften Kontinent gesetzt hatte, war ihm die blanke Wut entgegengeschlagen. "Kranke Heuchelei", eine "schallende Ohrfeige" und eine "Beleidigung für jeden Australier" - der mediale Aufschrei über die Ausnahmegenehmigung war gewaltig.
Wie die Zeitung "The Age" berichtete, versuchte Djokovic, mit einem Visum einzureisen, das keine medizinischen Ausnahmen für ungeimpfte Personen zulässt. Doch mit genau einer solchen Ausnahmegenehmigung wollte er beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres ab dem 17. Januar auf Rekordjagd gehen. Die Regierung des Bundesstaates Victoria lehnte Unterstützung zur Klärung des Problems ab.
Sogar Australiens Ministerpräsident Scott Morrison hatte öffentlich Zweifel an der Grundlage für die medizinische Ausnahmegenehmigung durchblicken lassen. "Wenn diese Beweise nicht ausreichen, dann wird er nicht anders behandelt als alle anderen und sitzt im nächsten Flugzeug nach Hause", sagte der Regierungschef auf einer Pressekonferenz. So wird es wohl kommen.
Damit sprach Morrison seinen Landsleuten, die während der Corona-Pandemie durch zahlreiche strikte Lockdowns und strenge Einreiseregelungen selbst für Einheimische immense Entbehrungen hinnehmen mussten, aus der Seele. "Für Novak Djokovic sollte es überhaupt keine Sonderregelungen geben. Überhaupt keine", sagte Morrison - er brachte damit auch den Turnierdirektor Craig Tiley in Erklärungsnot.
"Niemand wurde besonders begünstigt, es gab keine Sonderbehandlung für Novak", verteidigte sich Tiley. Schließlich hätten zwei vom Bundesstaat Victoria und Tennis Australia unabhängige medizinische Expertengremien in Unkenntnis von Namen die Sondergenehmigung für den Start erteilt. Ohne Ausnahmeerlaubnis dürfen in Melbourne nur vollständig geimpfte Profis antreten.
Die Kriterien für eine Sondergenehmigung sind äußerst streng, sodass eigentlich nur schwer kranke Menschen von der Impfpflicht ausgenommen werden - etwa wegen Herzproblemen oder gravierenden Operationen in jüngster Vergangenheit. Auch eine Corona-Infektion in den vergangenen sechs Monaten berechtigt zu einer medizinischen Ausnahmegenehmigung. Von Djokovic ist öffentlich nur eine Infektion aus dem Sommer 2020 bekannt. Seinen Impfstatus hat der 34-Jährige nie veröffentlicht.

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Harte Kritik für Djokovic von allen Seiten

Das Unverständnis in der australischen Bevölkerung war riesig, der Blick in die Gazetten gab ein gutes Stimmungsbild ab. "Regeln sind Regeln - es sei denn, man ist reich und berühmt wie Djokovic", schrieb The Age. Die Canberra Times beschrieb die Gefühle der Australier drastisch: "Entsetzt, vielleicht. Wütend, ja. Frustriert, enttäuscht, angewidert, mit dem Gefühl, dass wir alle gerade eine schallende Ohrfeige bekommen haben."
Der ehemalige australische Tennisprofi Sam Groth sprach in einer Kolumne für den Herald Sun von "kranker Heuchelei". Djokovics geplante Teilnahme sei "eine Beleidigung für jeden Australier, der wegen COVID durch die Hölle gegangen ist".
The West Australian schrieb Djokovic eine filmreife Rolle zu. "Der Djoker", kommentierte das Blatt, "hat sich in den Joker verwandelt und sich schamlos die Rolle des Bösewichts zugewiesen." Eines Bösewichts, der nun aber gar nicht zu den Open kommt.
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(mit SID)

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