"Es war eines der emotionalsten Matches meiner Karriere und es war mir eine Ehre, hier gegen Daniil zu spielen. Vor eineinhalb Monaten wusste ich nicht, ob ich auf die Tour zurückkommen kann - und jetzt bin ich hier, habe die Trophäe gewonnen. Das wird in meinem Herzen bleiben für den Rest meines Lebens", brach es nach dem Coup aus Rafael Nadal heraus.
"Es war ein Tag für die Tennisgeschichte", stellte Eurosport-Experte Boris Becker klar.
Das Match in der Rod Laver Arena begann eng, allein das erste Aufschlagspiel von Nadal dauerte sieben Minuten. Der Spanier tat sich schwerer als Medvedev, musste beim zweiten Service zwei Breakbälle abwehren.
Australian Open
Unverschämte Bitte an Schiedsrichter - Medvedev provoziert im Finale
30/01/2022 AM 12:38
"Rafa passt sich seinem Gegner an, das kennt man so nicht von ihm. Er wirkt unruhiger als das russische Pokerface und spielt nicht die Strategie, die man von ihm kennt", befand Becker. Kurz darauf war es dann so weit, Medvedev gelang das erste Break des Endspiels zum 3:2.#

Finale: Nadal besiegt Medvedev nach 5:24 Stunden - Highlights

Nadal leistete sich ungewohnt viele Fehler und gab auch das Aufschlagspiel zum 2:5 zu Null ab.
Wenige Augenblicke später machte Medvedev, inzwischen der klar bessere Spieler, die Satzführung perfekt. "Daniils Niveau ist wirklich sagenhaft", staunte Becker. Nadal gehe dagegen "hohes Risiko, für mich zu viel Risiko. Er muss Gas rausnehmen."

Was ist hier los?! Medvedev und Nadal liefern sich gleich Mega-Schlacht

Immerhin gelang es Nadal, in der Folge das Momentum auf seine Seite zu bringen. Der 35-Jährige agierte nun präziser. Der Lohn: das erste Break zum 3:1 und die Erhöhung bei eigenem Aufschlag auf 4:1. Der Rekord-Grand-Slam-Champion schien zielstrebig auf Kurs zum Satzausgleich.
Doch Medvedev bewies erneut, dass er ein Meister im Umgang mit kniffligen Situationen ist. Der Russe blieb seiner Linie treu und verkürzte mit zwei Spielen in Serie - ehe Nadal das nächste Break zum 5:3 nachlegte.

"Uh la la!" Nadal gewinnt epischen 40-Schläge-Ballwechsel

Beim Ausservieren hatte der Superstar dann größte Probleme und musste das Break hinnehmen. Vor allem der erste Aufschlag kam fast überhaupt nicht mehr beim Mallorquiner in dieser Phase.

Medvedev eiskalt im Tiebreak

Dennoch schaffe er es in den Tiebreak. "Das ist jetzt eine vorentscheidende Phase in diesem Match", so Becker.
Und das Pendel schlug zugunsten von Medvedev aus. Der 25-Jährige lag bei 3:5 bereits ein Minibreak zurück - und spielte daraufhin aus der Bedrängnis Tennis der Extraklasse.

Aus 3:5 mach 7:5! Medvedev gewinnt Tiebreak gegen Nadal

Mit vier Punkten in Folge holte sich der US-Open-Sieger den zweiten Satz.

Becker moniert: "Nadal muss den Satz zumachen"

"Rafa war zweimal mit einem Break vorne und muss auch im Tiebreak den Satz zumachen. Er hat in den entscheidenden Momenten nicht die Ruhe und Klarheit gefunden, er gibt Daniil immer wieder die Chance zurückzukommen", analysierte Becker das Geschehen.
Nadal versuchte weiterhin alles, um dem Finale eine Wendung zu geben. Im sechsten Spiel des dritten Satzes wehrte der 13-malige French-Open-Champion bei 0:40 drei Breakbälle ab und stellte auf 3:3. Beim Stand von 4:4 holte sich Nadal nach einem leichten Fehler des Russen zwei Breakbälle - und schlug zu.

Nadal bringt Arena zum Kochen

Die knapp 15.000 Zuschauer in der Arena, die in der Mehrheit hinter Nadal standen, gingen aus dem Sattel.

Geht noch was? Nadal wehrt nach 0:40 drei Breakbälle ab

"Rafa muss der Dominator in den Ballwechseln sein", erklärte Becker. Nadal schien es gehört zu haben und ging beim nächsten Aufschlagspiel voll drauf.
Mit Erfolg: Nach drei Stunden und zehn Minuten war das Finale wieder offen. Nadal war nun voll da und setzte im vierten Satz mit dem Break zum 2:1 den nächsten Nadelstich. Der Kräftverschleiß war auf beiden Seiten spürbar, denn Medvedev konterte umgehend mit dem Re-Break, ehe er sein Service zum 2:3 erneut abgeben musste.

Medvedev meckert: "Das sind Idioten"

Zwischenzeitlich lagen bei Medvedev die Nerven blank.

"Sag ihnen, dass sie Idioten sind!" Medvedev geht gegen "hirnlose" Zuschauer vor

Aufgrund mehrfacher Zwischenrufe beim Aufschlag forderte der Moskowiter Referee Blom wortwörtlich dazu auf, diesen Zuschauern mitzuteilen, "dass sie Idioten" seien. "Das sind leere Hirne. Diese Leute müssen ein schlechtes Leben haben", polterte Medvedev.
Ein gutes Leben hatte dagegen Nadal im vierten Satz. Der 35-Jährige nahm seinen Breakvorteil mit und holte sich den Satzausgleich. "Rafa und Daniil stehen jetzt mehr als vier Stunden auf dem Platz und haben teilweise Weltklasse-Tennis gezeigt. Es ist nachvollziehbar, dass beide jetzt in die Kabine gegangen sind, denn das Match wird nun über den Körper entschieden", erläuterte Becker.

Tollhaus Rod Laver Arena! Nadal beschwört fünften Satz herauf

Medvedev verhinderte indes den Fehlstart in den fünften Satz und wehrte im ersten Aufschlagspiel eine weitere Breakchance seines Kontrahenten ab. Im fünften Spiel aber stand die Rod Laver Arena endgültig Kopf, nachdem Nadal mit einem wunderbaren Vorhand-Winner das Break zum 3:2 gelang.
Die Vorentscheidung? Nein.

Wahnsinn in Satz fünf - Medvedev kommt zurück

Medvedev hatte im sechsten Spiel, das mehr als 13 Minuten dauerte, drei Chancen zum Re-Break, doch Nadal hielt seinen Vorsprung.
Medvedev kämpfte weiter bravourös, legte einen unfassbaren Spirit an den Tag - und schlug im zehnten Spiel zu. Der Russe schaffte tatsächlich das Break zum 5:5. Nadal war zu diesem Zeitpunkt nur zwei Punkte vom Titel entfernt.

Der Matchball: Nadal gewinnt unglaubliches Finale

Und es ging verrückt weiter. Der Rekord-Grand-Slam-Champion ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und durchbrach Medvedevs Aufschlagspiel zum 6:5 erneut. Im "zweiten Anlauf" machte Nadal schließlich den historischen Coup perfekt. Mit einer Spielzeit von 5:24 Stunden war es das zweitlängste Finale der Grand-Slam-Geschichte.

Medvedev: "Es ist schwer, jetzt zu sprechen"

Medvedev zeigte sich nach dem Thriller als fairer Verlierer. "Es ist schwer, jetzt zu sprechen nach diesen fünf Stunden", so der US-Open-Champion.
"Nach dem Match habe ich Rafa gefragt, ob er müde ist. Ich dachte, du wirst zumindest ein bisschen müde aber das war nicht der Fall. Das Niveau war toll und du hast dein Niveau verbessert nach zwei Sätzen", richtete sich Medvedev beim On-Court-Interview an den frischgebackenen Turniersieger. "Es ist noch immer eine gute Rivalität mit Novak Djokovic - und es ist noch nicht vorbei."
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