Australian Open 2023 - Andy Murrays Nacht-Schlacht gegen Kokkinakis sorgt für Kontroverse: "Wettbewerbsverzerrung"
Andy Murray und Thanasi Kokkinakis lieferten sich in der zweiten Runde der Australian Open eine epische Schlacht über fünf Sätze. Das Duell dauerte 5:45 Stunden, als Andy Murray den Matchball zum 4:6, 6:7 (4:7), 7:6 (7:5), 6:3, 7:5 verwandelte, war es 4:06 Uhr morgens. Im Anschluss sorgte die Ansetzung für reichlich Diskussionen. John McEnroe sieht Murrays Chancen aufs Achtelfinale schwinden.
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Quelle: Eurosport
Andy Murray war außer sich. Und das, obwohl er nur wenige Augenblicke zuvor einen Zwei-Satz-Rückstand gegen Thanasi Kokkinakis egalisiert hatte.
Der Grund für den Ärger des Schotten: Ehe das Spiel in den entscheidenden Satz ging, durfte er keine Toilettenpause einlegen. Zudem sorgte ein Blick auf die Uhr für Unbehagen. "Ich respektiere die Regeln", sagte Murray zur Stuhlschiedsrichterin. Er ergänzte: "Aber es ist so respektlos, dass wir bis drei oder vier Uhr morgens hier draußen sind und nicht auf die Toilette gehen dürfen. Das ist ein Witz - und das wisst Ihr auch."
Murray weiter: "Das ist respektlos gegenüber Euch, respektlos gegenüber den Ballkindern, respektlos gegenüber den Spielern. Das ist lächerlich." Nachdem es auf der Bank aus ihm herausgebrochen war, behielt der Altstar auf dem Platz die Nerven - nach einer Spielzeit von 5:45 Minuten verwandelte Murray den Matchball zum 4:6, 6:7 (4:7), 7:6 (7:5), 6:3, 7:5.
Im Anschluss an die epische Schlacht verwies der 35-Jährige, dass vor allem die Uhrzeit und nicht die Qualität des Spiels in den Vordergrund gerückt wurde. "Ich weiß nicht, wem das etwas bringt. Nach so einem Match kommen wir hierher, und das ist die Diskussion."
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Rittner kritisiert Nacht-Schicht: "Wie soll er sich noch gut präsentieren?"
Quelle: Eurosport
McEnroe "fassungslos"
Im Anschluss wurden etliche kritische Stimmen laut. Vor allem die Ansetzungen und der Umstand, dass es bei drei von vier Grand-Slam-Turnieren (in Wimbledon ist um 23:00 Uhr aus Rücksicht auf die Anwohner Schluss, Anm. d. Red.) keine Sperrstunde gibt, wurde thematisiert.
"Ich bin fassungslos, dass um diese Zeit noch gespielt wurde", sagte Eurosport-Experte John McEnroe im Nachgang. "Es ist verrückt, dass Spiele auf diesem Niveau morgens um vier Uhr ausgetragen werden." Murray attestierte der siebenmalige Grand-Slam-Sieger aufgrund seiner Comeback-Qualitäten indes "das Herz eines Champions".
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Australian Open : Top 5 Murray - Kokkinakis
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Den Turnierorganisatoren stellte McEnroe hingegen kein gutes Zeugnis aus: "Es kommt selten vor, dass so etwas geschieht", sagte er im Hinblick auf die Länge des Matches. Er schob nach: "Aber man sollte dafür sorgen, dass so etwas gar nicht passiert. Natürlich ist es ein Spiel, über das die Leute noch lange reden werden, aber es ist absurd, dass um diese Uhrzeit gespielt wird. In welcher anderen Sportart wird um 4:00 Uhr morgens gespielt? Kennen wir das vom Fußball, American Football oder der NBA? Nein."
McEnroe sieht Murrays Chancen aufs Achtelfinale wegen einer möglichen Rhythmusstörung schwinden. "Es ist ein Spiel, das Andys Chancen auf ein Weiterkommen stark beeinträchtigt", sagte der ehemalige Weltklassespieler. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch Barbara Rittner bei Eurosport: "Es muss sich im Tennis etwas ändern. Du kommst völlig aus dem Rhythmus. Warum spielt man zwei Night-Sessions nach 19:00 Uhr, wenn man weiß, dass sich alles verzögert?", stellte sie bei Eurosport infrage. "Das verzerrt alles. Wie soll sich Andy Murray im weiteren Turnierverlauf noch gut präsentieren können?"
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2. Runde: Murray übersteht 5:45-Stunden-Fight mit Kokkinakis - Highlights
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Becker: "Ich nenne es Wettbewerbsverzerrung"
Boris Becker wurde sogar noch deutlicher. "Ich nenne es Wettbewerbsverzerrung", sagte der Eurosport-Experte. Er führte aus: "Der Arme steht bis 4:06 Uhr auf dem Platz, geht in die Umkleide, dann gibt es ein Cool Down, dann noch die Pressekonferenz. Vor 6:00 Uhr oder 6:30 Uhr kommt er nicht ins Hotel. Da kommt doch der ganze Biorhythmus durcheinander."
Weniger kritisch sahen die beiden aktiven Stars Stefanos Tsitsipas und Jannik Sinner das Ganze. "Ich habe ihn (Murray, Anm. d. Red.) heute vor meinem Match gesehen und mir gedacht: Was macht er hier? Er sollte im Bett sein. Man muss sich damit arrangieren. Was soll man machen?", so Tsitsipas. "Ich glaube, Tennis liebt diese Spiele. Es stecken so viele Geschichten dahinter." Sinner pflichtete dem Griechen nüchtern bei: "Es ist Teil unseres Sports."
Auch Turnierdirektor Craig Tiley beteiligte sich an der Diskussion. Er sieht keine Notwendigkeit, den Zeitplan anzupassen. "Wenn man nur ein Spiel für den Abend ansetzt und es eine Verletzung gibt, hat man weder für die Fans noch für die Fernsehsender etwas", sagte er dem TV-Sender "Nine". Es gebe "zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund, den Spielplan zu ändern."
Bei vielen Spielern und Experten dürften Tileys Aussagen nicht unbedingt auf Zustimmung stoßen.
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"Ich habe ein großes Herz": Murray erklärt nächstes Marathon-Match
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