Australian Open - Andrea Petkovic und Boris Becker exklusiv: Was hinter dem Verhalten von Novak Djokovic steckt

Andrea Petkovic erklärt im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball, wie es dem frischgebackenen Australian-Open-Champion Novak Djokovic immer wieder gelingt, sich während der Matches Energie aus der Box zu holen. Der Serbe gewann in Melbourne seinen 22. Grand-Slam-Titel und peilt nun den alleinigen Rekord an. Boris Becker, der den Superstar von 2013 bis 2016 coachte, erwartet einen "Höllenritt".

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Es kommt nicht von ungefähr, dass Novak Djokovic sich während der Australian Open mehrfach in den On-Court-Interviews bei seinen Teammitgliedern dafür bedankte, dass diese sein Verhalten akzeptieren.
"Ihr toleriert die schlimmste Seite meines Charakters. Ich weiß eure Geduld und Liebe zu schätzen", richtete der 35-Jährige nach dem Finalerfolg gegen Stefanos Tsitsipas offene Worte an sein Team und die Familie. Er hoffe, man werde ihm vergeben.
Nur: Was meinte Djokovic damit?
Andrea Petkovic, die den Rekord-Grand-Slam-Champion seit Jugendzeiten kennt, bringt im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball Licht in die Sache. Geboren in Tuzla, Bonsien-Herzegowina, versteht die Darmstädterin Serbisch und hat hingehört, wenn Djokovic mit seiner Box kommuniziert.
"Es ist oft so, dass er eine Reaktion aus der Box will. Man hört dann ein 'Steht auf' oder "Warum gebt ihr mir nichts?' Er fordert also etwas ein", erklärt Petkovic, die einst bis auf Platz neun der Weltrangliste kletterte und ihre Laufbahn bei den US Open 2022 beendete.
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Mitunter werde Djokovic auch sarkastisch im Austausch mit seinem Trainer Goran Ivanisevic. "Du hast gesagt, ich soll beim Aufschlag die Rückhand dichtmachen, und dann serviert der Gegner auf die Vorhand. Solche Dinge", erläutert Petkovic.

Petkovic: "Novak braucht diese Energie und Reibung"

Es seien ihrer Beobachtung nach "zwei Sachen", die Djokovic mit seiner für Außenstehende rüde wirkenden Kommunikation mit der Box bezwecke. "Ich habe das Gefühl, er will Reibung erzeugen, um seine Spannung zu entladen. Man hört dann: 'Hast du toll gesagt, Goran!' Der aber hält dann schön dagegen, nach dem Motto: 'Was willst du von mir?'
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Zudem signalisiere der zehnmalige Melbourne-Champion seiner Entourage immer wieder: "Steht auf. Was ist los? Schlaft ihr? Novak scheint diese Energie und Reibung zu brauchen", so Petkovic, die das erste Grand-Slam-Turnier der Saison als TV-Expertin bei Eurosport begleitete.

Becker: "Djokovic ist ein Perfektionist"

Es ist diese Akribie, die Djokovic zu dem Ausnahmespieler macht, der er ist. "Novak ist ein Perfektionist. Wenn ihm bei 6:1, 5:2 ein Doppelfehler unterläuft, flippt er aus. Das macht ihn so stark", weiß Becker, der knapp drei Jahre lang mit Djokovic zusammenarbeitete.
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Der Belgrader betrachte seinen Job auch nach Einstellung des Rekords von Rafael Nadal nicht als erledigt. "Er möchte der erfolgreichste Spieler der Geschichte werden", betont Becker. Bedeutet: Der 23. Grand-Slam-Titel soll her.
Eine extreme Herausforderung, wie Deutschlands Tennis-Ikone unterstreicht. "Novak ist 35 Jahre alt und weiß, mit 40 schafft er diese Leistung nicht mehr. Ich glaube, nach den Australian Open wird es ein Höllenritt. Das wird noch einmal eine ganz andere Nummer und eine ganz andere Belastung in Paris und Wimbledon."

Petkovic staunt über Dominanz von Djokovic

Die sportliche Klasse dazu hat er noch immer, daran besteht kein Zweifel. "Ich habe ihn bei den Australian Open beobachtet und noch nie jemanden gesehen, der den Rest des Felds so dominiert wie Novak Djokovic. Teilweise wusste ich nicht, wie jemand einen Punkt gegen ihn holen soll, wenn er kein Ass oder keinen Service-Winner schlägt", sagt Petkovic. "Egal, ob es 5:1 steht oder 40:0, da ist eine Nervosität und Anspannung in seinem Gesicht - er hadert, entlädt sich", so die 35-Jährige.
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Djokovic habe "schon als Kind gesagt, dass er mal der Beste wird - und er hatte recht", befindet Becker. "Jetzt ist Novak an der Grenze." Er glaube, dass der Routinier "vielleicht sogar ein bisschen Bammel" davor habe, dass sich alle sportlichen Träume erfüllen. "Und dann, was mache ich danach?", gibt Becker zu bedenken. Der Leimener stand einst selbst vor dieser Frage und arbeitet heute als TV-Experte für Eurosport.
"Novak wird diese Saison auf jeden Fall durchziehen, aber wenn er die 23 schafft und nächstes Jahr 36 wird, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit", blickt Becker nach vorne. Was der "Größte, der jemals einen Tennisschläger in die Hand genommen hat" (O-Ton Tsitsipas), danach vorhat, weiß wohl nur er selbst ...
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