Australian Open: Alexander Zverev im Viertelfinal-Showdown gegen Carlos Alcaraz - was dem Olympiasieger Mut macht

Carlos Alcaraz geht favorisiert ins Viertelfinale bei den Australian Open in Melbourne gegen Alexander Zverev - nicht zuletzt aufgrund der physischen Faktoren. Doch trotz zweier Marathon-Matches und deutlich längerer Spielzeit als sein Kontrahent aus Spanien sieht der Hamburger sich mindestens auf Augenhöhe. Zverev hat schließlich die gesamte Vorbereitung auf dieses Match ausgerichtet.

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Mit welcher Taktik er Carlos Alcaraz besiegen könne, wollte ein Reporter in der Pressekonferenz am Montag wissen. "Mit welcher Taktik?", fragte Alexander Zverev zurück und gab sich eine weitere Sekunde, um eine Antwort zu liefern.
Dann entgegnete der 26-jährige Olympiasieger auf seine ganz eigene, leicht sarkastische Art: "Mehr Asse als er servieren, weniger Doppelfehler als er machen, mehr Winner erzielen, weniger unforced errors schlagen."
Es folgte eine weitere, kurze künstlerische Pause, bevor Zverev hinzufügte: "Das sollte helfen."
Dann schmunzelte er, hatte er doch das Allheilmittel, die Erfolgsformel für jedes nur erdenkliche Tennismatch weitergegeben. Im Fußball hätten die Beobachter vermutlich drei Euro für das viel zitierte Phrasenschwein gefordert.

Alcaraz bei Australian Open - die zweitschwerste Aufgabe der Welt

Selbstredend war allen Beteiligten klar, dass Deutschlands bester Tennisspieler im öffentlichen Raum nicht detailliert auf taktische Geheimnisse eingehen wird. Nicht wenn es gegen Carlos Alcaraz (Mittwoch ab etwa 11:00 Uhr im Ticker) geht. Es ist die in Melbourne zweitschwerste Aufgabe für einen Tennisspieler nach Novak Djokovic, der das Event zehnmal gewonnen hat.
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Wenn der Centre Court in Wimbledon auf Boris Becker in den 80er- und 90er-Jahren wie ein Wohnzimmer wirkte, dann ist die Rod Laver Arena zu Melbourne wohl Djokovics persönlicher Vergnügungspark. Für die Gegner des Serben ist dieser Park nach all den Jahren indes noch immer nicht vergnügungssteuerpflichtig.
Gegen einen fitten, ausgeruhten Alcaraz bereitet Tennisspielen allerdings nicht viel mehr Freude, viele seine Gegner betreten den Court mit Respekt. Mitunter erkennen Beobachter sogar Angst in den Augen vor dem größten Talent seit den Big 3 um Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal.
Was nicht nur an Alcaraz' außerirdisch wirkender Fitness, der an Juan Martín del Potro erinnernden Vorhand und der allgemeinen mentalen Stärke liegt. Der erst 20-Jährige hat sein Talent bereits in zwei Grand-Slam-Titel umgemünzt. Zverev aber hat keine Angst.

Zverev optimistisch: "Duell gibt mir Energie"

Auf Fragen nach einem Frischenachteil erklärte Zverev: "Ich denke, dass es einem Energie gibt, wenn man um 19:00 Uhr in der Rod Laver Arena zu einem Viertelfinalspiel gegen die Nummer zwei der Welt antritt."
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Zverevs Selbstverständnis war nie kleiner als das von Alcaraz. Für den Deutschen ist ausschließlich die absolute Weltklasse genügend. Er will nach der schweren Bänderverletzung 2022 und einem ermutigenden Comeback-Jahr 2023 wieder um Grand-Slam-Titel und die obersten Sonnenplätze der Weltrangliste mitspielen. Dafür hat er in der Saisonvorbereitung in Monte-Carlo alles gegeben.
Er bestätigte zwar Alcarazs Aussage, nach der dieser aufgrund weniger gespielter Sätze einen Vorteil habe mit einem simplen "sicher, zu 100 Prozent", führte anschließend aber aus: "Wenn man weniger spielt, ist man frischer, aber ich fühle mich gut. Ich bin nicht wie bei den US Open, wo ich komplett tot war und mich körperlich erschöpft fühlte."

Zverev nutzt eigenes Narrativ: "Ich bin nicht tot"

Im Spätsommer 2023 hatte er Jannik Sinner nach 4:40 h um 1:40 Uhr nachts niedergerungen. Nachdem er erst in den frühen Morgenstunden zu etwas Schlaf fand, fehlten wichtige regenerative Stunden. Er blieb gegen einen fitten Alcaraz ohne Chance. Nun, so Zverev, sei die Ausgangslage eine andere.
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"Ich bin sicher müde, weil ich in zwei der letzten drei Matches wieder 7:6 im fünften Satz gespielt habe, aber ich bin nicht tot. Ich bin nicht völlig erschöpft. Ich bin nicht in der gleichen körperlichen Verfassung als bei den US Open", sagte er und hängte an: "Ich erwarte, dass es ganz anders sein wird, um ehrlich zu sein."

Alcaraz: Fünf Stunden weniger Arbeit als Zverev

Die Faktenlage auszublenden und sich davon nicht beeinflussen zu lassen, zeichnet große Sportler/innen aus. Zverev will gar nicht erst in Versuchung geraten, Ausreden anzuführen. Alcaraz hat auf dem Weg ins Viertelfinale lediglich einen Satz abgegeben, ihm stecken nur zwölf Sätze in den Knochen (Zverev 17). Mit 13:47 Stunden musste Zverev gut fünf mehr arbeiten als sein Kontrahent. (8:42 h).
Doch zum einen ist Zverev selbst einer der fittesten Spieler der ATP Tour, ist von zig Intervalleinheiten im Fußballstadion Stade Louis II und unzähligen Stunden im heimischen Fitnesstudio gestählt und versucht, Chancengleichheit zu erzeugen. Mit einem eigenen Arzt reist Zverev allerdings nicht.
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Die spanische "Marca" zählt den Mediziner Juanjo López zur Reisetruppe von Alcaraz in Melbourne. López kooperiert mit Angel Ruiz-Cotorro, der seit vielen Jahren für Nadal verantwortlich ist und mit ihm reist. Cotorro hat in den 1980er-Jahren im spanischen Radsport gearbeitet und ist seit 1992 für den Tennisverband des Landes tätig.
Immerhin stimmt Zverevs Bilanz. Vier der sieben Duelle gegen Alcaraz hat Zverev gewonnen, auch das bislang letzte im November bei den ATP Finals. Alcaraz selbst erklärte kürzlich, er sei am Schluss einer langen Saison mit seinen Kräften am Ende gewesen. Das Gegenteil ist nun zu Saisonbeginn zu beobachten.

Alcaraz: "Es sind immer harte Kämpfe"

Alcaraz sagte: "Das letzte Mal, als wir uns gegenüberstanden, habe ich verloren. Deshalb muss ich mich darauf konzentrieren. Ich muss mein Niveau aus diesem Match verbessern. Ich werde dieses Match genießen. Ich werde es genießen, im Viertelfinale gegen ihn zu spielen und hoffentlich gewinnen."
Zverev, so Alcaraz, sei ein wirklich großartiger Spieler. "Er hat hier in diesem Turnier großartige Spieler geschlagen. Natürlich spiele ich gerne gegen ihn. Es sind immer harte Kämpfe. Ich muss mein bestes Niveau spielen. Er treibt mich dazu an, jedes Mal 100 Prozent zu geben."
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Will Zverev eine Chance haben, muss er seine bisher fantastischen Aufschlagleistungen nochmals steigern. Er benötigt zu jeder Zeit im Match Vertrauen zu seinem Paradeschlag, der Rückhand - vor allem cross geschlagen.
Vor diesem Schlag hat der Spanier, so ist zu hören, Respekt. Und das wichtigste: Er muss mutiger returnieren, mit mehr Länge und die Courage für eine satte Vorhand finden. Gelingt ihm das, wird er Alcaraz vor Probleme stellen.
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