Anke Huber im Eurosport-Interview: Auslosung der Australian Open für Angelique Kerber "eine ganz harte Nummer"
Anke Huber lässt im Exklusiv-Interview mit Eurosport.de keinen Zweifel daran, dass die Australian-Open-Auslosung für die deutschen Frauen schlecht lief. Vor allem Angelique Kerber habe es hart erwischt. "Danielle Collins wird schon nicht einfach, und wenn sie die Partie gewinnt, kommt eine ganz harte Nummer auf sie zu", sagt die Eurosport-Expertin. Deutlich besser sehe es für Alexander Zverev aus.
Becker: "Zverev bei Australian Open im engeren Favoritenkreis"
Quelle: Eurosport
1996 spielte Anke Huber das größte Grand-Slam-Match ihrer Karriere: Im Finale der Australian Open stand sie Superstar Monica Seles gegenüber, verlor aber in zwei Sätzen.
Seitdem hat es bei den Frauen aus deutscher Sicht nur Angelique Kerber ins Endspiel von Melbourne geschafft und 2016 den Titel geholt.
Acht Jahre später ist die Kielerin noch immer der klangvollste Name im deutschen Frauen-Tennis, die Hoffnungen auf einen ähnlichen Erfolg wie damals sind aufgrund der extrem schweren Auslosung allerdings gering.
Für Kerber gehe es derzeit aber um andere Dinge. "Für Angie ist es wichtig, wieder auf der Tour anzukommen, den Einstieg zu finden. Sie hat null zu verlieren, kann komplett befreit aufspielen", erläutert Huber, die die Australian Open in diesem Jahr als TV-Expertin für Eurosport begleitet.
Alexander Zverev habe unterdessen hervorragende Aussichten. Der Olympiasieger gehöre zusammen mit Carlos Alcaraz zu den schärfsten Konkurrenten von Titelverteidiger Novak Djokovic, wie Huber im Eurosport-Interview sagt.
Anke Huber, welche Gedanken schießen Ihnen durch den Kopf, wen Sie an das Finale der Australian Open 1996 gegen Monica Seles denken?
Anke Huber: Puh, das ist schon so lange her. (lacht) Es war ein tolles Erlebnis für mich, wenngleich ich nicht wirklich daran geglaubt hatte, das Match gegen eine sehr starke Monica Seles gewinnen zu können. Die Australian Open waren immer eins meiner Lieblingsturniere, deshalb war es umso schöner für mich, in Melbourne im Endspiel zu stehen.
Das ist seitdem bei den deutschen Frauen nur Angelique Kerber gelungen. Nach dem United-Cup-Erfolg vor wenigen Tagen hat sie betont, dass es als ungesetzte Spielerin Glück brauche bei der Auslosung in Melbourne - genau das Gegenteil ist eingetreten.
Huber: Stimmt, die Auslosung hätte natürlich besser laufen können. Nichtsdestotrotz war der United Cup eine gute Vorbereitung, Angie hat viele Matches gespielt, sowohl im Einzel als auch im Mixed. Bei der Niederlage gegen Iga Swiatek sah sie im ersten Satz hervorragend aus. Insgesamt betrachtet hat sich Kerber gegen sehr starke Kontrahentinnen toll präsentiert, was man nicht voraussetzen konnte.
Kerber spielt in Runde eins gegen Danielle Collins, dann könnte es gegen Iga Swiatek gehen. Kann diese brutale Konstellation ein Vorteil sein, weil Kerber weiß, dass niemand Siege erwartet?
Huber: Collins wird schon nicht einfach, und wenn sie die Partie gewinnt, kommt eine ganz harte Nummer auf sie zu. Nur: Es geht für Angie bei den Australian Open nicht darum, das Finale zu erreichen. Es ist wichtig für sie, wieder auf der Tour anzukommen, den Einstieg zu finden. Sie hat null zu verlieren, kann in der Tat komplett befreit aufspielen. Jedes Match wird ihr im Hinblick auf die Fitness viel bringen - und sie muss für ihr Spiel topfit sein. Ich finde es sowieso absolut bewundernswert, wenn eine Spielerin nach so langer Pause und der Geburt eines Kindes in den Profizirkus zurückkehrt. Darüber hinaus bin ich - unabhängig vom Resultat - überzeugt, dass sie in Melbourne gut spielen wird.
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Zverev and Kerber show off United Cup silverware and look ahead to Australian Open
Quelle: SNTV
Kerber hat noch immer den klangvollsten Namen im deutschen Frauen-Tennis - ist Ihr Comeback auch für die Strahlkraft des Sports in Deutschland wichtig?
Huber: Absolut! Vor allem in der aktuellen Phase, wo nicht viel nachkommt im deutschen Frauen-Tennis. Das wird noch zwei, drei Jahre dauern. Deshalb ist Angies Präsenz derzeit extrem wichtig.
Mit Tatjana Maria, Tamara Korpatsch und Laura Siegemund hat Deutschland nur drei weitere Frauen in den Top 100 und damit automatisch im Hauptfeld von Melbourne. Wem trauen Sie nach der Auslosung am ehesten die zweite Woche zu?
Huber: Das lässt sich nicht beantworten, was ich aber sagen kann: Siegemund ist gut drauf, hat vom Erfolg beim United Cup unglaublich profitiert. Das hat ihr Selbstbewusstsein, das nach dem Doppel-Triumph bei den WTA Championships Ende vergangener Saison schon hoch war, weiter gesteigert. Sie hat gute Möglichkeiten. Bei Korpatsch sehe ich die Konstanz als positives Zeichen, sie steht seit Jahren um Position 100 herum. Maria ist schwer einzuschätzen, sie in der Schlussphase der Saison 2023 ein paar körperliche Probleme.
Für Alexander Zverev beginnen die Australian Open mit einem deutschen Duell gegen Dominik Koepfer. Der ersten dicken Brocke könnte im Achtelfinale mit Carlos Alcaraz warten. Nimmt man die gute Frühform hinzu, darf man in Richtung Titel schielen, oder?
Huber: Wenn Zverev so darauf ist, wie das beim United Cup der Fall war, dann ist der Grand-Slam-Titel immer drin. Es war beeindruckend, wie früh er in der Saison in glänzender Verfassung ist. Es ist allerdings nicht ideal, dass er in Runde eins ein deutsches Duell bekommen hat, in dem er zudem der haushohe Favorit ist. Das spielt man nicht ganz so gerne.
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Anke Huber ist seit 2005 beim Porsche Tennis Grand Prix auf organisatorischer Seite dabei
Fotocredit: Eurosport
Was aber nichts an den guten Perspektiven ändern dürfte.
Huber: Genau, ich traue ihm sehr viel zu. Läuft es normal, sollte das Viertelfinale sicher drin sein. Ab dann kommt es bei den Männern vor allem auf die Tagesform an.
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Becker: Djokovic trotz Verletzung Topfavorit in Melbourne
Quelle: Eurosport
Lassen Sie uns noch einen Blick in die Glaskugel werfen. Wer macht's am Ende?
Huber: Für mich führt weiterhin kein Weg an Novak Djokovic vorbei. Dazu muss man Carlos Alcaraz und Zverev nennen. Diesen Dreien gebe ich die besten Chancen. Bei den Frauen fokussiert sich der Titelkampf für mich auf Swiatek und Aryna Sabalenka, dazu kommt Elena Rybakina. Ganz klassisch eben die aktuellen Top 3 der Welt.
Zur Person Anke Huber
Anke Huber gehörte in den 1990er-Jahren zur goldenen deutschen Tennis-Generation um Steffi Graf und Boris Becker. 1996 kletterte die Bruchsalerin bis auf Rang vier der Weltrangliste, insgesamt gewann sie 12 Einzel-Titel auf der Tour. Ihren größten Erfolg auf Grand-Slam-Ebene feierte die heute 49-Jährige bei den Australian Open, wo sie 1996 bis ins Finale vorstieß. 2001 beendete Huber ihre Laufbahn. Seit 2002 ist sie Sportliche Leiterin des WTA-Turniers von Stuttgart, bei den Australian Open 2024 ist sie bei Eurosport als TV-Expertin im Einsatz.
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Becker exklusiv zum Kerber-Comeback: "Ganz andere Hausnummer"
Quelle: Eurosport
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