Australian Open: Alexander Zverev mit neuem Anlauf auf ersten Grand-Slam-Titel - Mission mit einem kleinen Haken
Update 11/01/2025 um 20:02 GMT+1 Uhr
Alexander Zverev startet als Nummer zwei der Welt mit einem großen Selbstverständnis und der nötigen Erfahrung aus fast acht Jahren in der Weltspitze am Sonntag in die Australian Open. Vieles spricht in Melbourne für den ersten Grand-Slam-Triumph in der Karriere des 27-jährigen Deutschen. Lediglich eine Verletzung ließ den Olympiasieger von Tokio 2021 zuletzt grübeln.
Zverev spricht von Titelträumen - dann grätscht Djokovic dazwischen
Quelle: Eurosport
Die Verantwortlichen der Australian Open vermarkten das größte Tennis-Event des Landes seit Jahren sehr geschickt. In der Woche vor dem Beginn des Hauptfeldes gibt es auf der Anlage neben der offiziellen Qualifikation quasi tägliche Showevents; die Zuschauer strömen bereits zuhauf in die Arenen. Ticketeinahmen fließen an karitative Zwecke.
Alexander Zverev nahm in diesem Jahr eine Hauptrolle ein, bestritt nicht nur ein Showmatch gegen Grand-Slam-Rekordchampion Novak Djokovic. Er präsentierte sich außerdem in einer kleinen Talkrunde auf dem Centre Court mit dem Serben und dessen neuem Trainer Andy Murray gelöst.
Vor dem Start des ersten Grand Slam des Jahres gingen bereits einige Kurzvideos des Deutschen viral. Zverev setzt seinen Humor, seine Ironie vor allem bei öffentlichen Tennisauftritten regelmäßig pointiert ein.
Sportlich war der beste deutsche Tennisspieler seit Boris Becker zuletzt über viele sportliche Zweifel erhaben, arbeitete in den letzten Monaten auch unter Druck an einer offensiveren Spielweise und passte sein Material an.
Zverev mit neuem SChläger unterwegs
Seit dem ATP-Turnier in Wien schlägt Zverev mit einem anderen Schläger auf, möchte sich auch bei diesem Aspekt bis ins letzte Detail verbessern.
Hinzu kam eine konsequente Saisonvorbereitung in Monaco mit dem ins Team zurückgekehrten Fitnesstrainer Jez Green. Ausgerechnet so kurz vor dem ersten Jahreshighlight machte Zverev aber eine Verletzung zu schaffen.
Nach zwei gewonnenen Einzeln zum Jahresauftakt beim United Cup in Perth konnte Zverev nicht zum Viertelfinaleinzel gegen Kasachstan antreten. Der offiziell vom Veranstalter veröffentlichte Grund: Probleme mit der Bizepssehne.
Bereits in den Tagen und Wochen davor war ebenfalls der Ellenbogen ein Thema. 2024 spielte Zverev seit einer Lungenentzündung während des Laver Cups in Berlin nach eigenen Angaben monatelang mit eingeschränktem Lungenvolumen.
Zverev über Verletzung: "Ich bin noch am Leben"
Auf die Problematiken angesprochen, reagierte Zverev in Melbourne auf seine ganz eigene Art: "Ich stehe hier. Ich bin noch am Leben. Das hört sich an, als ob ich morgen sterben würde", sagte er und schmunzelte.
"Aber es ist ok. Profisportler mit der Belastung, wie wir sie haben, die haben immer irgendwas. Ich fühle mich jetzt gut."
Zverev erklärte, er habe sich beim United Cup mit seinem Arm und Ellenbogen "jetzt nicht so gut" gefühlt. "Ich habe auch Probleme gehabt. Aber ich finde, dass es jetzt viel, viel besser ist und ich freue mich, in das Turnier zu starten."
Die Problematiken während des United Cups bestätige auch Daniel Masur, der als Ersatzspieler im Viertelfinale für Zverev antrat.
Zverev-Schonung nicht nur aus Vorsicht?
In seinem eigenen Podcast sagte Masur zur Problematik: "Man kann schon sagen, dass es die Tage immer wieder Thema war. Es ging dann zu den Matchtagen ganz gut. Aber es war immer präsent. Deswegen kam es nicht aus heiterem Himmel, dass der Arm beim Einspielen vor dem Viertelfinale plötzlich wehgetan hat."
Laut Masur habe Zverev dem Team mit seiner Einstellung unglaublich gerne helfen wollen. "Deswegen war das, glaube ich, mehr als eine Vorsichtsmaßnahme."
Zverev soll nach Turnierende eine bis zu viertägige Tennispause eingelegt haben. Für den 27-Jährigen, der große Trainingsumfänge liebt, ist das eine lange Zeit kurz vor einem wichtigen Turnier.
Der Weltranglistenzweite hat die Probleme mit der Bizepssehne nicht genauer mit der Öffentlichkeit besprochen. Fakt ist: Schon bei einer Zerrung der Bizepssehne sind Schmerzen und Langwierigkeit mit Blick auf ein anstehendes Grand-Slam-Turnier mit bis zu sieben Matches im Modus "best-of-five" nicht zu unterschätzen. Auch eine Entzündung wäre im Bereich des Vorstellbaren.
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Moment: Djokovic plays reporter, crashes Zverev press conference at Australian Open
Quelle: SNTV
Zverev-Verletzung nicht zu unterschätzen
Der langjährige deutsche Davis-Cup-Arzt, Dr. Tim Kinateder, ordnete auf Anfrage von Eurosport eine Bizeps-Entzündung allgemein, losgelöst vom Fall Alexander Zverev, medizinisch ein: "Der Bizeps entwickelt durch seine körperferne Sehne eine große Kraft auf den Unterarm."
"Diese kräftige Sehne kann vor allem durch vermehrtes Krafttraining oder intensive repetitive Belastungen wie zum Beispiel Tennis an ihrem Ansatz überlastet und somit schmerzhaft werden. Dies kann sich zu kleinen Einrissen weiter entwickeln, bis hin zum Riss der Sehne führen."
Grundsätzlich seien Sehnen relativ schlecht durchblutetes Gewebe, wodurch die Heilung betroffener Sehnen oft sehr langsam erfolge und es zu Chronifizierung kommen könne. Als Beispiel nannte der Mediziner chronische Achillessehnenreizungen oder den Tennisarm.
Zverev bestätigt Behandlung mit Spritzen
Über die Behandlungsmöglichkeiten sagte Kinateder: "Therapeutisch steht die Schonung und Entlastung der betroffenen Sehne im Vordergrund, einhergehend mit physiotherapeutischen Anwendungen wie Dehnung, Ultraschall, Detonisierung und Taping, Medikamenten, Akupunktur oder Injektionen von Eigenblut an die Sehne."
Zverev bestätigte am Media Day in Melbourne, er habe tatsächlich mehrere Spritzen in den Arm erhalten. Unter Kinateders vorgenannten Maßnahmen sei der Verlauf einer Bizepsentzündung laut dem Mediziner oft langwierig, die Prognose jedoch insgesamt gut.
Ob ein Spitzensportler einen zweiwöchigen Grand Slam unter diesen Umständen - wenn sie im Detail so stimmen - durchzuhalten vermag, darf zumindest im Ansatz hinterfragt werden.
Fernab dieser allgemeinen medizinischen Einschätzungen sagte Zverev: "Für mich geht es eher darum: Wenn ich mich gut fühle und das Gefühl habe, dass ich gesund bin und den Ball gut im Schläger habe - dann habe ich das Gefühl, dass ich vorbereitet bin." Zverev präsentierte sich zuversichtlich.
Der 27-Jährige startet am Sonntag (ca. 11:00 Uhr deutscher Zeit live bei Eurosport und discovery+) gegen den Franzosen Lucas Pouille.
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Quelle: SNTV
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