Boris Becker beglückwünscht Tennisszene für Protest

Tennis-Legende Boris Becker hat im Gespräch mit Eurosport.de für den am Donnerstag durchgezogenen Spielstopp in New York als "absolut richtig" begrüßt und Naomi Osaka für ihre Boykottandrohung gelobt: "Sie hat damit ein starkes Symbol gesetzt." Die US Open müssen nun aber stattfinden, damit der Tennissport zur Normalität zurückfinden könne, sagte der 52 Jahre alte Eurosport-Experte.

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Fotocredit: Eurosport

Der US-Sport setzt geschlossen ein Zeichen.
Aufgrund des jüngsten Falls von Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA - Jacob Blake war am vergangenen Wochenende von einem Polizisten von hinten niedergeschossen worden - traten die Basketballer der Milwaukee Bucks am Mittwoch nicht zu ihrem Achtelfinalspiel gegen Orlando Magic an, die NBA sagte wenig später die beiden anderen Partien des Tages ab.
Weitere US-Ligen wie die MLB (Baseball), MLS (Fußball) oder WNBA (Basketball) schlossen sich an.

US-Sport setzt aus - Becker begrüßt Entscheidung

"Ich habe es am Abend verfolgt, wie es in den USA mit dem Basketball anfing und es nun andere Sportarten übernommen haben, was ich absolut richtig finde", sagte Becker: "Man kann Menschen nicht aufgrund ihrer Hautfarbe umbringen. Punkt. Das ist größer als der Sport."
Und auch der Tennis-Sport reagierte. Naomi Osaka zog sich aus Protest zunächst vom in New York ausgetragenen Cincinnati-Masters zurück, ehe sie ihre Entscheidung revidierte.
Da die Turnierveranstalter aus Solidarität am Donnerstag alle Matches absagten und auf Freitag verschoben, will die Japanerin nun doch antreten. "Meiner Meinung nach bringt das mehr Aufmerksamkeit für die Bewegung", wird Osaka vom britischen "Guardian" zitiert.

Becker lobt Osaka: "Bewundernswert"

Becker zollte der 22-Jährigen allein für ihre Androhung, das Halbfinale nicht zu spielen, großen Respekt. "Ich finde es bewundernswert, dass sie über den Tellerrand hinausschaut und sieht, was in Amerika passiert", sagte der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger: "Was dort in Sachen Polizeibrutalität gegenüber schwarzen Menschen passiert, ist nicht zu akzeptieren. Sie hat damit ein starkes Symbol gesetzt."
"Sie hat eine starke Entscheidung getroffen", meinte auch Tennis-Expertin Justine Henin zu Eurosport.de. "Als Sportler kannst du nicht alle Kämpfe ausfechten. Aber heutzutage ist es wichtig, dass Menschen starke Entscheidungen treffen, auch wenn es nur auf Tennis-Level ist."
Die Absage aller Spiele für Donnerstag in New York zeige, "dass sich Dinge in eine gewisse Richtung entwickeln. Hier einen Schulterschluss zwischen Spielern und Turnierveranstalter zu haben, ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung", sagte die ehemalige Weltranglistenerste.

Ein schmaler Grat

Am Freitag sollen die Spiele beim Cincinnati-Masters allerdings wieder aufgenommen werden.
Becker hofft nun, "dass es trotzdem weitergeht. Wir hatten ein sehr schwieriges Jahr im Tennissport mit dem Virus. Wir müssen zur Normalität zurückfinden, denn das Leben muss weitergehen." Am Montag sollen die US Open (live bei Eurosport) wie geplant starten.
Politische Statements von Sportlern seien "ein schmaler Grat", so der Eurosport-Tennis-Experte: "Wir sind vor allem Sportler."
Gerade weil viele Sportler "eine prominente Position haben und uns viele Menschen zuhören und zuschauen, muss man auch mal über den sportlichen Tellerrand hinausschauen und sich zu Dingen äußern, die die Welt bewegen - so wie es Naomi Osaka nun erneut getan hat", sagt Becker: "Das spricht für sich."
Auf der anderen Seite sollten sich Sportler aber nicht zu sehr "in politische Diskussionen einmischen. Wir haben eine Meinung. Wir geben ein Statement ab. Aber dann müssen wir zurückkehren zu unserem Job. Das ist unsere Aufgabe. Ich würde dann doch eher davon abraten, sich vor einen politischen Karren spannen zu lassen."
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