Carlos Alcaraz lauert auf Nummer eins der ATP-Weltrangliste - stürzt er Jannik Sinner in Nordamerika vom Thron?
Publiziert 24/07/2025 um 10:44 GMT+2 Uhr
Der komfortable Vorsprung von Jannik Sinner in der Weltrangliste - es ist ein Trugbild. Bis zum Jahresende muss der Wimbledonsieger aus Südtirol über 6.000 Punkte verteidigen, sein ärgster Verfolger Carlos Alcaraz indes knapp ein Sechstel davon. Dem Spanier bietet sich dadurch die goldene Chance zum Sturz des Königs - und der Sturm auf den Gipfel könnte ihm bereits in Nordamerika glücken.
Alcaraz glücklich über Rivalität mit Sinner: "Großartig fürs Tennis"
Quelle: Perform
Kapitel vier des unvergleichlichen Final-Epos lässt auf sich warten. Jannik Sinner und Carlos Alcaraz, die beiden Heroen des Tennis-Meisterwerks, nehmen sich eine Auszeit.
Beim ATP Masters in Toronto fehlen die Superstars aufgrund von Belastungsgründen, nach den Showdowns in den Endspielen von Rom, Roland-Garros und Wimbledon steht erst einmal Regeneration auf dem Programm. Und dann?
Auf den ersten Blick scheint sich in der zweiten Saisonhälfte nichts zu ändern. Sinner führt die Weltrangliste komfortabel an, zudem kehrt die Tour auf Hartplatz zurück - den Lieblingsbelag des Italieners. Die Dominanz ist also vorprogrammiert. Wobei - nicht ganz.
Trotz der scheinbar klaren Ausgangssituation bietet sich Alcaraz nämlich die Chance zum Sturz des Königs. Dabei will der Spanier auch von seinem Rivalen gelernt haben.
Sinner muss Punktelast stemmen
3.430 Punkte trennen Alcaraz (2./8.600) und Sinner (1./12.030) zurzeit im Ranking, durch seinen Triumph in Wimbledon (4:6, 6:4, 6:4, 6:4) vergrößerte letzterer sogar seinen Vorsprung. Kurioserweise steht der Südtiroler nun aber unter größerem Druck als sein Verfolger.
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Jannik Sinner und Carlos Alcaraz nach dem Finale in Wimbledon
Fotocredit: Getty Images
Bis Saisonende muss Sinner nämlich 6.030 Punkte verteidigen - damit übrigens exakt so viele wie der Weltranglistendritte Alexander Zverev insgesamt auf seinem Konto hat.
In der vergangenen Saison triumphierte der 23-Jährige bei den US Open (2000), ATP-Finals (1500) und den Masters in Shanghai und Cincinnati (je 1000). In Peking stand er im Finale (330), in Toronto reichte es immerhin fürs Viertelfinale (200).
Zahlen, von denen Alcaraz vor einem Jahr nur träumen konnte. Auch aufgrund von enttäuschenden Ergebnissen in Nordamerika stehen beim fünfmaligen Grand-Slam-Sieger bis Dezember lediglich 1060 Punkte auf dem Spiel.
| Turniere 2024 | Punkte Sinner | Punkte Alcaraz |
| US Open | 2.000 (Titel) | 50 (Runde der letzten 64) |
| ATP-Finals | 1.500 (Titel) | 200 (Round Robin) |
| Masters Toronto | 200 (Viertelfinale) | 0 (keine Teilnahme) |
| Masters Cincinnati | 1.000 (Titel) | 10 (Runde der letzten 32) |
| Masters Shanghai | 1.000 (Titel) | 200 (Viertelfinale) |
| Masters Paris | 0 (keine Teilnahme) | 100 (Runde der letzten 16) |
| Peking | 330 (Finale) | 500 (Titel) |
Wird Nordamerika zum Alcaraz-Trumpf?
Doch Alcaraz muss mit seiner ersten Thronbesteigung seit Ende August 2023 gar nicht bis Jahresende warten. Die Nummer eins der Welt könnte bereits bei den US Open in Reichweite sein.
Da beide Ausnahmespieler auf die Teilnahme in Toronto verzichten, macht Alcaraz - schon im vergangenen Jahr in Kanada abwesend - sicher 200 Zähler auf Sinner gut.
In Cincinnati und bei den US Open spricht die Bilanz an zu verteidigenden Punkten mit 3000:60 schließlich deutlich für den Spanier. Ein Ausrutscher seitens Sinner und solide Leistungen von Alcaraz könnten aus dem vermeintlich einseitigen Duell ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen machen.
Ein Umstand, der Alcaraz bewusst ist, ihn aber nicht aus der Reserve lockt. "Ich weiß, dass es Jannik egal ist, wie viele Punkte er zu verteidigen hat", blickte er im Interview mit der "Gazzetta dello Sport" auf den bevorstehenden Schlagabtausch.
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Carlos Alcaraz nimmt die Nummer eins der Welt ins Visier
Fotocredit: Getty Images
"Er ist ein großer Kämpfer, der immer auf Sieg spielt und sich davon nicht beeinflussen lässt. Aber ich bin bereit für die Herausforderung", gab sich der 22-Jährige kampfeslustig. "Momentan ist es mein oberstes Ziel, die Nummer eins zurückzuerobern."
Alcaraz vs. Sinner: Die Konstanz ist der Schlüssel
Die erwähnte Herausforderung besteht zunächst darin, Konstanz zu finden. Vor einem Jahr wandelte Alcaraz nach dem verlorenen Finale bei den Olympischen Spielen gegen Novak Djokovic (6:7, 6:7) nur zu oft zwischen Genie und Wahnsinn. Ob ihm nach Wimbledon ein erneuter Knick bevorsteht?
"Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken", bezog sich der zweimalige French-Open-Sieger auf kritische Stimmen aus seiner Heimat nach der Finalpleite. "Es gab eine Phase, in der ich mich wirklich von Kritik beeinflussen ließ. Und das war eine sehr schwierige Zeit."
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Finale: Alcaraz wehrt Sinner-Matchbälle ab und siegt - Highlights
Quelle: Eurosport
In den zurückliegenden Jahren habe er verstanden, "dass jeder kleine Schritt zählt und dass man auch aus Niederlagen lernen kann", führte er aus. Während dieses Prozesses spielte auch der kometenhafte Aufstieg seines Rivalen eine Rolle.
Immerhin war Sinner 2024 der Inbegriff von Konstanz, auf der ATP Tour verlor er in 51 Partien lediglich vier Matches. Seine Leistung war dabei nicht von einzelnen Spitzen geprägt, sondern durchweg Weltklasse. "Man muss nicht jeden Tag ein Phänomen sein", zog Alcaraz ein Fazit daraus. "Wichtig ist, konstant zu sein und sich zu bemühen, sich zu verbessern. Immer."
Auf Hartplatz mag Sinner zuletzt in eigenen Sphären unterwegs gewesen sein, eine Erinnerung macht Alcaraz aber Hoffnung. Vor drei Jahren gewann er in Flushing Meadows den ersten Grand-Slam-Titel seiner jungen Laufbahn - lässt er nun den doppelten Coup in New York folgen?
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Bublik holt erstmals Titel auf Sand - die Final-Highlights
Quelle: Eurosport
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