Alexander Zverev und Toni Nadal - warum die Zusammenarbeit eine ziemlich gute Idee für den Olympiasieger von 2021 wäre

Alexander Zverev hat auf die Wimbledon-Enttäuschung reagiert und neue Impulse gesetzt. Die Trainings auf Mallorca in der Rafa Nadal Academy haben für Aufsehen gesorgt, auch wenn nicht klar ist, ob der 28-Jährige mit Toni Nadal weitermacht und in welchem Umfang. Der Balearen-Trip war eine ziemlich gute Idee. Ein Ausbau der Zusammenarbeit könnte der perfekte Plan sein, wenn Zverev ein wenig umdenkt.

Ein Tag zum Vergessen: Das Zverev-Desaster in Bildern

Quelle: Eurosport

An die Bilder musste man sich erst gewöhnen: Alexander Zverev trainierte unter der Anleitung von Toni Nadal in der Tennis-Akademie von dessen Neffen Rafael. Dessen Grand-Slam-Laufbahn endete Ende Mai 2024 bei den French Open - mit einer Erstrundenniederlage gegen Zverev.
Nun holt sich der Hamburger Rat in Nadals Heimat. Rat, der dringend nötig ist, um die zwei großen Karriereziele zu erreichen: einen Grand-Slam-Titel und Platz eins im ATP-Ranking.
Die Voraussetzungen dafür waren zuletzt denkbar schlecht. Er fühle sich "im Moment im Allgemeinen ziemlich allein im Leben, und das ist kein sehr schönes Gefühl", bekannte Zverev nach dem Aus in Wimbledon auf der Pressekonferenz.
Seit den Australian Open in Melbourne, wo er das Finale klar gegen Jannik Sinner verlor, versuche er, "Wege zu finden, um irgendwie aus diesem Loch herauszukommen. Aber ich falle immer wieder hinein."
Zumindest auf dem Tennisplatz aber tut sich nun etwas. Mit Toni Nadal hat sich der Weltranglistendritte bei dem Trainer Input geholt, der für eine der größten Geschichten des Tennissports ein tragender Faktor war: der Laufbahn des 22-maligen Major-Champions Rafael Nadal.
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Alexander Zverev beim Training im Juni 2025

Fotocredit: Imago

Ein solcher Erfolg ist - natürlich - nicht reproduzierbar, es gibt aber sehr gute Gründe für Zverev, an einer Kooperation mit dem 64-Jährigen festzuhalten:

1. Die Disziplin - wie eine Kampfmaschine entsteht

Es ist selbstverständlich nicht so, dass Zverev kein harter Arbeiter wäre, ganz im Gegenteil. Der 28-Jährige müsse in seinem Trainingseifer teils sogar gebremst werden, wie Bruder Mischa immer wieder bei Eurosport erklärte. Dennoch sei es "gut, einfach mal aus diesem ganz engen Familientrott rauszukommen und mal ein neues Gesicht zu sehen", wie es Philipp Kohlschreiber bei "Sport1" ausdrückte.
"Einen neuen Trainer lässt man eher nicht warten, seinen Papa oder seinen Bruder, den man am Abend zuvor noch gesehen hat, vielleicht." Das sei "ein anderer Flair". Zudem bringe Nadal "dieses Kämpferische und Mentale mit, was Sascha aktuell braucht", so Kohlschreiber. Seinen Neffen Rafael habe der Coach zu einer "unglaublichen Kampfmaschine mit unfassbarer Einstellung geformt".
Will Zverev von den Fähigkeiten des Spaniers profitieren, muss er sich allerdings unter- beziehungsweise einordnen. "Toni ist ein Disziplinfanatiker. Er erwartet Pünktlichkeit und Respekt vor dem gesamten Tennissport", betonte Boris Becker in seinem Podcast mit Andrea Petkovic. Nadal sei "mit allen Wassern gewaschen" und könne die "Topwahl" sein für den Deutschen.

2. Der Toni-Faktor - passiv war gestern

Zverev setzt in erster Linie auf seinen Vater Alexander senior als Trainer, immer wieder aber versuchte er es auch mit prominenten Namen. Der Hamburger ließ sich von Juan Carlos Ferrero, Ivan Lendl, David Ferrer und Sergi Bruguera coachen - allesamt ehemalige Top-3-Profis, die es zusammen auf elf Grand-Slam-Titel als Spieler bringen.
Nadal wäre bereits der vierte spanische Coach, aber: Der Mallorquiner bringt eine gänzlich andere Vita mit. Der heute 60-Jährige war in jungen Jahren ein passabler Spieler, verlegte sich aber sehr früh aufs Trainer-Dasein. Zwischen 2004 und 2017 führte er Rafael Nadal zu 16 Grand-Slam-Erfolgen, zur Nummer eins der Welt, zum globalen Superstar.
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Toni Nadal in der Tennis-Akademie seines Neffen Rafael

Fotocredit: Getty Images

Ein Eckpunkt seiner Philosophie: Es gibt stets Verbesserungspotenzial, das mit harter Arbeit und Bescheidenheit ausgeschöpft werden kann. Das galt immer auch für seinen Neffen - und für Zverev ebenfalls. Toni wisse genau, "wie man Grand Slams gewinnt und hat jeden als Trainer schon einmal gewonnen", unterstrich Becker.
Das prädestiniert ihn geradezu, eine der großen Schwachstellen in Zverevs Spiel abzustellen. "Sascha neigt manchmal dazu, dass er ängstlich wird, wenn es eng zugeht, und dann anfängt, passiver zu spielen", erläuterte Kohlschreiber. Und ja: Das Adjektiv "passiv" passt tatsächlich so gar nicht zur Nadal-Lehre.

3. Die Hierarchie - kleinerer Staff, mehr Ruhe?

Noch ist offen, ob und wie es mit der Paarung Zverev-Nadal weitergeht. Aber wenn, dann werde es "wichtig sein, festzulegen, wer die Führung übernimmt", so Kohlschreiber. In den vergangenen Jahren, so legen es die Aussagen von Zverev nach der Trennung von seinen Trainern nahe, gab es intern teils heftige Misstöne hinsichtlich der Hierarchie und den unterschiedlichen Philosophien.
Einzig mit Ferrer war das Verhältnis ungetrübt. "David war, abgesehen von meinem Vater, der beste Trainer", stellte Zverev gegenüber Eurosport klar.
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Zverev in der Krise: Becker und Rittner empfehlen neue Impulse

Quelle: Eurosport

Eine generelle Lösung von der Familie im Team ist ebenso unwahrscheinlich wie förderlich, glaubt Kohlschreiber. Er halte eine "Kombination für gut. Ich glaube auch nicht, dass Toni Nadal 40 Wochen im Jahr reisen will", erläuterte der einstige Weltranglisten-16. Er würde Zverev raten, "die kommenden Turniere nur mit dem kleineren Staff" anzugehen, "neben Toni Nadal vielleicht höchstens noch einen Physio" mitzunehmen und Bruder und Vater eine Auszeit zu geben.
Generell müsse "Zverev klar werden, dass man kein Finale verlieren, sondern nur gewinnen kann. Sollte es Nadal gelingen, ihm das klarzumachen und ihn ein bisschen umzupolen, dann traue ich ihm noch den Grand-Slam-Erfolg zu", befand Kohlschreiber.
Sieht man es aus dieser Warte, dürfte es nicht schaden, möglichst viel Zeit mit dem Champion-Macher Nadal zu verbringen.
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