Boris Becker exklusiv über das Format im Davis Cup: Tennis wird mit diesem System die Seele genommen
VonThomas Gaber
Publiziert 15/09/2023 um 11:59 GMT+2 Uhr
Leere Stadien, schlechte Atmosphäre - das aktuelle Format im Davis Cup erhitzt die Gemüter. Neben aktuellen Stars wie Stan Wawrinka äußern sich auch viele Experten kritisch. Dazu gehört Boris Becker, der mit Deutschland als Spieler dreimal den prestigeträchtigen Länderkampf gewann. "Leute, wer sich dieses Reglement ausgedacht hat, hat von Tennis keine Ahnung", sagte Becker exklusiv bei Eurosport.
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Quelle: Eurosport
"Ich störe mich weiter an dem Format. Ich verfolge diese Woche - da wird in Bologna und Manchester gespielt, aber nicht mit den lokalen Nationen. Da muss schnell eine Änderung herbeigeführt werden", konkretisierte Becker in der neuen Folge des Eurosport-Podcasts "Das Gelbe vom Ball".
Die Atmosphäre sei mit früher nicht zu vergleichen. "In Bologna spielt Schweden gegen Kolumbien. Da kannst du jeden Zuschauer per Handschlag begrüßen, weil es so wenige sind", sagte Becker im Gespräch mit Moderator Matthias Stach. Sein Vorschlag: Rückehr zum alten System mit Heim- und Auswärtsspielen.
"Das ist für mich der wahre Davis Cup. Das ist die besondere Atmosphäre. Ich kann mich noch an Valencia erinnern, als Deutschland in Spanien gespielt hat - damals noch mit Nadal. Das war eines der bewegendsten Wochenenden, die ich jemals erlebt habe. Da muss der Davis Cup wieder hin", fordert der 55-Jährige.
Becker hat aber die Hoffnung, dass das früher passieren könnte als vermutet. "Bislang wurde der Vertrag nicht erfüllt, daher gibt es Möglichkeiten, aus diesem Vertrag rauszugehen. Jetzt ist die Frage, wie es weitergeht: Sind da die richtigen Personen im Board der ITF (Tennis-Weltverband, d. Red.)? Verstehen die genügend vom Tennis? Wissen sie, dass sie dem Davis Cup mit diesem System die Seele genommen haben? Da sind sich alle Topspieler einig", so Becker.
Becker hofft auf Veränderungen an der ITF-Spitze
Entscheidend sei diesbezüglich, welchen Plan die ITF mit dem Davis-Cup langfristig habe. "Unabhängig vom Ausgang der Wahlen bei der ITF muss da schnellstmöglich das Reglement wieder geändert werden. Ich hoffe, sie haben da einen klaren Moment und entscheiden sich für den Tennissport! Denn so wie der Davis Cup heute stattfindet, ist das nicht gut", sagte Becker.
Im mexikanischen Cancun wird am 24. September einer neuer ITF-Präsident gewählt. Dabei fordert der Boss des deutschen Tennis Bundes (DTB), Dietloff von Arnim, als einziger Bewerber Amtsinhaber David Haggerty (USA) heraus.
Becker wünscht sich sehnlich eine personelle Veränderung an der Spitze des Weltverbandes: "Am Ende ist es unsäglich, dass man - wenn man solche Fehlentscheidungen trifft - noch die Chance hat, das Amt zu behalten. So ist die Politik - und nicht nur im Sport. Da müssen jetzt die richtigen Leute das Zepter übernehmen, denn so haben sie den Davis Cup kaputt gemacht."
Hinsichtlich des Duells des deutschen Davis-Cup-Teams am kommenden Wochenende gegen Bosnien-Herzegowina ist Becker guter Dinge: "Meine Daumen sind gedrückt. Es ist schon ein kleiner Rückschlag, dass Sascha Zverev verletzungsbedingt absagen musste. Er hat eine Verletzung am Oberschenkel und kann nicht spielen. Aber auch die verbleibenden Spieler sollten gut genug sein, um in Bosnien zu bestehen und die Weltgruppe wieder zu erreichen."
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Quelle: Eurosport
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