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Rollstuhltennis-Legende Dylan Alcott exklusiv in Legends' Voice: "Andy Murray rührte mich zu Tränen"
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Publiziert 28/03/2022 um 22:47 GMT+2 Uhr
Dylan Alcott war jahrelang das Gesicht des Rohlstuhltennis. Mit seiner lockeren Art brachte der 31-Jährige seinen Sport in den Fokus der Öffentlichkeit. Nun wurde er sogar als Australier des Jahres ausgezeichnet. In der Serie Legends' Voice spricht er bei Eurosport über seine tollen Erfahrungen bei seinem letzten Grand Slam und erklärt, wieso ihn eine Nachricht von Andy Murray zu Tränen rührte.
Dylan Alcott gewann insgesamt 23 Grand-Slam-Titel
Fotocredit: Getty Images
Dylan Alcott ist eine echte Legende des Tennissports: Der 31 Jahre alte Australier hat 15 Grand-Slam-Titel im Einzel und acht im Doppel gewonnen. Im Jahr 2021 schrieb Alcott zudem Geschichte, indem er als erster Mann den Golden Slam gewann - vier Grand-Slam-Turniere plus Olympia-Gold in Tokio.
Im Januar beendete er seine Profikarriere mit einem Paukenschlag: Alcott bekam den legendären Australian of the Year Award verliehen und erreichte ein letztes Mal das Finale der Australian Open, das er 5:7, 0:6 gegen den Niederländer Sam Schröder verlor.
Obwohl ihm der achte Sieg in Folge bei seinem Heim-Grand-Slam zum Abschluss seiner Karriere versagt blieb, nahm er viele positive Eindrücke mit, darunter unzählige Botschaften von den besten Spielern der Welt und ein Vermächtnis, auf das er nicht stolzer sein könnte.
Hier ist seine Legends' Voice.
Von Dylan Alcott
Hallo liebe Tennis-Fans,
Mein letzter Auftritt bei den Australian Open war unglaublich. Für mich war es ein Fest und die Nachrichten, die mich aus aller Welt erreichten, einfach unfassbar. Vor meinem letzten Match war ich sehr aufgeregt, richtig nervös. Meine Woche war sehr anstrengend; ich hatte den Australian of the Year Award verliehen bekommen, also war ich quer durchs Land geflogen und habe einige Termine dafür wahrgenommen. Ich glaube, das hat ein bisschen seinen Tribut gefordert. Auf dem Court hätte ich es mir aber auch nicht anders wünschen können.
Für mich ist dieser Award eine riesige Chance und gleichzeitig eine Auszeichnung, die mich sehr demütig macht. Ich freue mich sehr, dass damit meine Arbeit, die ich für die Behindertengemeinschaft geleistet habe, honoriert wurde. Natürlich hätte ich das Finale gerne gewonnen, aber es ist auch okay, dass es anders gekommen ist.
Ich erinnere mich noch gut daran, was ich nach dem Matchball dachte: Dass ich wirklich fertig bin. Ich fühlte mich da draußen wie ein alter Mann und sehr bereit, in Rente zu gehen! Sam, mein Gegner, hat wirklich außerordentlich gut gespielt - ich hatte die Niederlage also definitiv verdient. Wenn ich ihn und die anderen spielen sehe, denke ich, dass die Zukunft des Rollstuhltennis definitiv rosig ist!
Die Nachrichten danach waren überwältigend. Ich hatte so viele, darunter auch Posts vieler Tennisprofis wie Vika Azarenka, Jannik Sinner, Stefanos Tsitsipas, Nick Kyrgios, Ash Barty oder Thanasi Kokkinakis. Ich bin ihnen sehr dankbar für ihre Unterstützung, die weiter dazu beiträgt, den Behindertensport als normal anzusehen und einfach den Leuten näher zu bringen.
Während meiner letzten Pressekonferenz erreichte mich dann auch noch diese wundervolle Nachricht von Andy Murray. Er hatte das Finale mit seinen Töchtern geschaut und schrieb mir, dass sie so viele Fragen über Menschen mit Behinderung gestellt hätten, während sie uns zusahen. Es meinte, dass das wohl das erste Mal gewesen sei, dass er mit seinen Töchtern über Menschen mit Behinderung gesprochen habe. Er war sehr gerührt deswegen und schrieb mir: 'Vielen Dank dafür.'
Ich habe seine Nachricht während der Pressekonferenz gelesen und angefangen zu weinen, denn das ist es, worum es mir geht. Er ist eine Legende! Und ich für immer dankbar, ihn einen Freund zu nennen.
Die Tatsache, dass sich so viele der Tennisprofis für Rollstuhltennis interessieren, ist einfach großartig. Denn wenn es für sie interessant ist, dann ist es für alle interessant. Ich selbst habe mich bei Grand Slams immer sehr einbezogen und wertgeschätzt gefühlt - besonders natürlich bei den Australian Open. Wir alle haben einen weiten Weg zurückgelegt, um Rollstuhltennis auf die Landkarte zu bringen. Und es ist ziemlich cool, daran beteiligt gewesen zu sein. Für mich ist das viel wichtiger als jeder Pokal.
Es ist toll zu wissen, dass es da draußen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gibt, die vielleicht zum ersten Mal jemanden im Fernsehen gesehen haben, der genau so ist wie sie. Das ist, was mich täglich angetrieben hat - nicht die Aussicht auf Goldmedaillen oder Grand-Slams-Siege. Deswegen ist es auch okay, dass ich gegen Sam verloren habe. Denn das Vermächtnis, das ich hinterlasse, war das eigentliche Ziel. Und mal ehrlich: Was ist am Ende des Tages der große Unterschied zwischen sieben und acht Australian-Open-Titeln?
Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, könnte ich wirklich nicht stolzer sein auf das, was ich erreicht habe. Bei den Australian Open in der Rod Laver Arena auf den gut gefüllten Bereich zu blicken, in dem sich die Plätze für Behinderte befinden, ist dabei eine ganz besonders schöne Erinnerung. Mir kommen die Tränen, wenn ich nur daran denke! Ich habe ihnen und den Begleitpersonen der Menschen mit Behinderung in meiner letzten Rede auf dem Court ganz besonders für ihr Kommen gedankt, denn sie waren mein Ansporn. Sie haben mein Leben verändert - und wenn ich daran denke, dass ich auch nur einen kleinen Einfluss auf ihr Leben gehabt haben könnte, dann ist das ziemlich großartig und besser als jede Trophäe.
Was wir gemeinsam erreicht haben, um Menschen mit Behinderung überall stärker und besser repräsentieren zu können, im Fernsehen, auf den Sportplätzen - und das nicht nur in Australien, sondern in der ganzen Welt -, ist einfach unglaublich. Dass meine Spiele sogar live bei Eurosport gezeigt wurden, feiere ich sehr. Das ist wirklich sehr cool und ich bin stolz auf das, was wir getan haben.
Mein Beitrag dazu war 'nur' Tennis zu spielen und ich habe vielleicht das Glück, dass ich zwei Worte aneinanderreihen und eine gute Geschichte erzählen kann, aber es gehören auch noch die dazu, die es übertragen, und vor allem die, die es anschauen! Wir haben das also alle zusammen vollbracht und dafür werde ich für immer dankbar sein. Ich hoffe einfach nur, dass es so weitergeht - selbst jetzt mit mir als abgehalfterten Verlierer im Ruhestand! Womit ich übrigens sehr zufrieden bin.
Wenn ich zum Schluss meinem jüngeren Ich oder Kindern in meiner Situation einen Rat geben darf, dann den, dass man stolz darauf und glücklich darüber sein sollte, was und wer man ist. Man sollte einfach rausgehen und es versuchen!
Früher habe ich mich und meine Behinderung so sehr gehasst, vor allem, weil ich anders als die anderen war. Letztlich sind wir aber alle verschieden. Wir missbilligen unsere Unterschiede, weil wir so sein wollen wie alle anderen. Aber in dem Moment, in dem ich meine Andersartigkeit, in meinem Fall meine Behinderung, akzeptiert habe, hat sich mein Leben für immer verändert, und alle um mich herum haben sich auch wohler damit gefühlt.
Meine Botschaft an alle nicht behinderten Menschen, wenn sie mit jemandem mit einer Behinderung zusammentreffen, lautet also: Benehmt euch einfach so normal wie möglich. Wenn man nämlich den Fakt wegnimmt, dass ich in einem Rollstuhl sitze, wer bin ich dann? Einfach ein ganz normaler Mensch.
Noch eins: Es gibt keine falschen oder dummen Fragen, solange man eine Beziehung zu der Person aufbaut und sie auf die richtige Art und Weise stellt. Das Schlimmste, was man tun kann, ist, keine Fragen zu stellen und eine Person mit Behinderung versehentlich auszuschließen - sei es im Beruf, im Sport, im Privatleben, bei einem Date, was auch immer es ist. Der beste Weg, etwas zu lernen, ist, sich die Erfahrungen eines anderen anzuhören. Also scheut Euch nicht, 'G'day" zu sagen und euch einfach darauf einzulassen! Bindet in was immer ihr tut jemanden mit einer Behinderung ein, denn nur so geht es, dass wir weiter vorankommen. Gemeinsam.
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Alcott - Vink - US Open Highlights
Quelle: Eurosport
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