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Justine Henin exklusiv in Legends' Voice: "Man muss Daniil Medvedev anders bewerten als Ashleigh Barty"
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Publiziert 15/03/2022 um 12:51 GMT+1 Uhr
Tennis-Legende Justine Henin, 117 Wochen lang die Nummer eins, analysiert in der Eurosport-Serie Legends' Voice die beiden Weltranglistenersten Daniil Medvedev und Ashleigh Barty. Sie hätte es "lieber gesehen, wenn Medvedev mit einem Sieg bei den Australian Open die Nummer eins geworden wäre", betont die Belgierin, die zudem offen über ihre Ehrfurcht vor Kim Clijsters und Serena Williams spricht.
Justine Henin
Fotocredit: Eurosport
Justine Henin nimmt kein Blatt vor den Mund und gibt bei Eurosport unumwunden zu: "Ich hatte Angst vor bestimmten Spielerinnen wie Kim Clijsters oder Serena Williams."
Nach einer Niederlage gegen ihre belgische Landsfrau Clijsters in Antwerpen habe es dann aber "Klick" gemacht.
Zwischen 2003 und 2007 holte die inzwischen 39-Jährige sieben Grand-Slam-Titel, einzig in Wimbledon klappt es nicht, obwohl Henin zweimal das Endspiel erreichte. Im Januar 2011 beendete die Belgierin ihre glanzvolle Karriere mit insgesamt 43 Einzel-Titeln.
Bei Eurosport blickt Henin zurück auf ihre Laufbahn und erklärt, warum Ashleigh Bartys Sprung auf Platz eins im Ranking anders zu bewerten ist als die Übernahme der Spitzenposition durch Daniil Medvedev bei den Männern.
Von Justine Henin
Hallo liebe Tennis-Fans,
ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen und die Nummer eins der Welt zu werden, waren Träume, die ich schon als kleines Mädchen hatte. Jeder Profi wird Euch sagen, dass der Gewinn eines Grand-Slam-Events unbeschreibliche, intensive Freude auslöst. Die Nummer eins der Welt zu sein, löst dagegen andere Gefühle aus - aber es hat nichts mit dem unglaublichen Adrenalinstoß zu tun, den man beim Matchball bei einem Grand Slam erlebt. Das gilt vor allem dann, wenn du erstmals einen Major-Wettbewerb gewinnst.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Nummer eins zu sein, ist sehr emotional. Du hast die Gewissheit, ein hohes Maß an Beständigkeit erreicht zu haben, was eine große Leistung ist.
Ich weiß noch genau, wie ich mich an dem Tag gefühlt habe, als ich die Eins wurde. Es war im Finale von Zürich 2003, am Ende der Saison und ich war sehr müde und hatte kaum noch Kraft. Zuvor hatte ich bei den Grand Slams große Erfolge gefeiert, Roland-Garros und die US Open gewonnen. Also dachte ich natürlich daran, noch vor Ablauf des Jahres die Nummer eins zu werden. Ich erinnere mich genau an dieses großartige Gefühl der Erfüllung.
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Justine Henin nach ihrem French-Open-Erfolg 2003
Fotocredit: Imago
Ich hatte zwei Phasen als Nummer eins des Rankings - zuerst in den Jahren 2003 und 2004, dann noch einmal in den Spielzeiten 2006 und 2007. Ich habe diese Zeiten auf sehr unterschiedliche Weise erlebt. Beim ersten Mal war ich 21 Jahre alt. 2003 bin ich bei den Grand Slams regelrecht explodiert. Mit dem Sieg bei den French Open ging mein Traum in Erfüllung - und das habe ich bei den US Open im selben Jahr und bei den Australian Open 2004 bestätigt. Es war verrückt, drei von vier Grand-Slam-Turniere in einem relativ jungen Alter zu gewinnen.
Mein Potenzial war auch vorher schon bekannt, aber ich hatte Angst vor Spielerinnen wie Kim Clijsters oder Serena Williams. Anfang 2003, nach dem Finale in Antwerpen, wo ich zum x-ten Mal gegen Kim verloren habe, hat es bei mir Klick gemacht. Ich hatte eine lange Diskussion mit meinem Trainer Carlos Rodriguez. Es war die Zeit, als ich in die Vereinigten Staaten ging, um mit Pat Etcheverry zu arbeiten.
Danach musste ich mit einer körperlichen Flaute zurechtkommen. 2004 hatte ich einen Virus und es ging mir nicht so gut - trotz des Sieges bei den Olympischen Spielen. In gewisser Weise war das alles ganz normal, nachdem ich 2003 körperlich so hart gearbeitet hatte. Ich habe härter geschuftet als jede andere Spielerin, und das sage nicht nur ich, das haben auch andere gesagt! Ich wusste, dass das Risiko besteht, irgendwann gegen eine Wand zu laufen und an einem Tiefpunkt anzukommen. Ich bereue das nicht, denn ich wollte meine Ziele erreichen, aber mein Körper musste sich natürlich erholen.
2006 und 2007 war es anders. 2006 habe ich alle vier Grand-Slam-Finals erreicht, im Jahr darauf dann meine beste Saison gespielt. Es war das Jahr, in dem ich mich scheiden ließ. Ich befand mich in einer anderen Phase meines Lebens als Frau und hatte mit einigen großen persönlichen Problemen zu kämpfen. Also beschloss ich, die Australian Open auszulassen. In einer sehr schmerzhaften persönlichen Zeit beruflich erfolgreich zu sein, hat mir große Genugtuung verschafft, und deshalb bin ich zweifellos noch stolzer auf diese zweite Periode als Nummer eins der Welt.
Wenn ich auf die Gegenwart schaue, dann muss ich sagen: Die WTA hat mit Ashleigh Barty eine großartige Nummer eins. Sie hat es unbestreitbar zu 200% verdient, dort zu stehen! Ich mag ihre Intelligenz, mit der sie ihre Karriere managt. Das wurde gerade in Covid-Zeiten deutlich. Krisenzeiten sind in dieser Hinsicht interessant. Ashleigh war schon immer mit sich selbst im Reinen, sie hat klare Entscheidungen getroffen und Pausen eingelegt, wenn sie es für richtig hielt. Ich denke, es sagt viel über eine Spielerin aus, wenn sie beschließt, über einen langen Zeitraum nicht zu spielen, um dann auf demselben Niveau zurückzukommen. Seit ihrem Sieg 2019 in Roland-Garros hat sie eine tadellose Konstanz an den Tag gelegt.
Zugegeben: Man wirft ihr mitunter mangelndes Charisma vor, aber ich schätze ihre Persönlichkeit sehr. Sie steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, das ist ihre Stärke. Man muss natürlich über ihr Spiel sprechen, aber es gibt auch sehr viel über ihre Entschlossenheit, Einfachheit und Intelligenz zu sagen.
Henin über Barty: "Ich kann die Kritiker verstehen ..."
Ashleigh hat sich entschieden, in Indian Wells und in Miami nicht zu spielen, was bedauerlich ist. Wenn man die Nummer eins ist, hat man eine gewisse Verantwortung, und ich kann die Kritiker verstehen, die sagen, dass die besten Spielerinnen - vor allem bei den Damen - bei den größten Turnieren anwesend sein müssen, damit sie sichtbar sind. Wenn sie nicht immer antreten, kann es passieren, dass der Sport es verpasst, echte Rivalitäten zu schaffen. Es muss nicht permanent dieselbe Spielerin gewinnen, aber wir brauchen Profis, die beständig bei den Turnieren präsent sind.
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Becker adelt Barty: "Bessere Geschichte kann man nicht schreiben"
Quelle: Eurosport
Zwei wichtige Dinge dürfen wir aber nicht außer Acht lassen: Zum einen die Corona-Pandemie, die es schwer macht, zu urteilen. Wir können nur versuchen, uns vorzustellen, was die Spielerinnen in den vergangenen beiden Jahren durchgemacht haben. Gleichzeitig muss man sehen, dass sie sich immer noch in einer privilegierten Position befinden.
Zum anderen ist Barty die Australierin, die gerade die Australian Open in Melbourne gewonnen hat. Die Geschichte zeigt, wie schwierig das ist. Es mag so ausgesehen haben, als wäre es ein Spaziergang gewesen - Barty dürfte dennoch zwei aufreibende Wochen erlebt haben. Ob ihre Entscheidung richtig war, Indian Wells und Miami auszulassen, wird sich im Lauf der Saison zeigen. Vielleicht hat sie die richtige Wahl getroffen - mich persönlich würde es nicht überraschen.
Medvedev - welche Art von Nummer eins wird er?
Kommen wir zu den Männern. Daniil Medvedevs Position als Nummer eins ist etwas anders zu bewerten als die von Barty. Es ist immer schön, wenn ein Spieler die Spitze während einer dominanten Phase erklimmt, weil es seiner Leistung mehr Gewicht verleiht. Medvedev hätte die Australian Open eigentlich gewinnen müssen und wird der vergebenen Chance im Endspiel gegen Rafael Nadal wahrscheinlich noch lange nachtrauern. Zu Beginn des Jahres ist mit dem Fehlen von Novak Djokovic und dem Nadal-Wahnsinn viel passiert, was die Karten neu gemischt hat. All das überschattet Medvedevs Sprung auf Rang eins ein wenig.
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Finale: Nadal besiegt Medvedev nach 5:24 Stunden - Highlights
Quelle: Eurosport
Ich hätte es lieber gesehen, wenn er mit einem Sieg bei den Australian Open Weltranglistenerster geworden wäre, auch wenn ich ein großer Fan von Rafael Nadal bin. Im Moment scheint es so, als ob es an der Spitze bei den Männern ein wenig an Klarheit mangelt. Die Kräfteverhältnisse sind schwer zu beurteilen. Eine sehr spannende Phase. Wer kann schon sagen, was in den nächsten Monaten passieren wird?
Die Zukunft wird zeigen, was für eine Nummer eins Medvedev sein wird. Ist der neue Status eine Belastung für ihn? Ich denke ja. Aber: Er ist immer gut vorbereitet und hat gezeigt, dass er mit Druck umgehen kann. Allerdings muss Daniil auf anderen Belägen stärker werden, wenn er sich auf Dauer als Nummer eins etablieren will.
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'Lendl and Murray working together again is a surprise' - Henin
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