Eva Lys im Exklusiv-Interview: Deutschlands Nummer eins spricht über lehrreiche Niederlagen, Triumphe und Weihnachten
VonThomas Gaber
Publiziert 24/12/2025 um 16:00 GMT+1 Uhr
Eva Lys hat das erfolgreichste Jahr ihrer Profikarriere hinter sich. Von Weltranglistenplatz 130 Anfang 2025 ging es hoch bis auf Rang 40. Mit Erfolgen wie dem Erreichen des Achtelfinals bei den Australian Open wurde die 23-Jährige Deutschlands Nummer eins. Im Interview mit Eurosport lässt Lys ihr Traumjahr Revue passieren und spricht über ganz besondere Weihnachten mit ihrer Familie in Melbourne.
Lucky Lys - ein Märchen in Melbourne begeistert die Fans
Quelle: Eurosport
Eva Lys bereitet sich gerade in Australien auf die neue Saison und das erste große Highlight vor. Am 18. Januar beginnen die Australian Open (bis 1. Februar live auf Eurosport und discovery+).
In Melbourne ging Anfang des Jahres Lys' Stern auf. Als "Lucky Loser" erreichte sie das Achtelfinale - ihr bislang größter Erfolg.
Im exklusiven Interview mit Eurosport spricht Lys über Weihnachtsfeeling Down Under, ihre wichtigsten Momente in 2025 und die Herausforderungen als Tennisprofi.
Eva Lys, Weihnachten ist die Zeit, in der man gerne zurückblickt und ein Jahr Revue passieren lässt. Haben Sie überhaupt die Zeit dafür oder sind Sie schon wieder im Tunnel Richtung Australian Open?
Lys: Ich bin mitten in der Vorbereitung auf die Saison und daher schon im Tunnel. In Australien vergisst man um diese Zeit, dass bald Weihnachten ist. Man hat hier wirklich gar kein Weihnachtsfeeling. Was mich aus meinem Tunnel rausholen wird, ist meine Familie. Ich bin mit meiner Mama vorgeflogen, der Rest der Familie kam etwas später nach Australien. Wir sind zum ersten Mal seit fünf Jahren alle gemeinsam an Weihnachten an einem Ort. Egal wo und wie gefeiert wird, ist das ein Moment, auf den ich mich sehr freue. Ich habe gemerkt, dass es kein schönes Gefühl ist, die Weihnachtszeit nicht mit der Familie zu verbringen.
Wir haben noch keine konkreten Pläne für Weihnachten. Ob mit den Pinguinen am Strand, im Restaurant oder auf dem Hotelzimmer mit Champagner - ich nehme alles gerne.
Wie läuft Weihnachten bei Euch ab? Wird im "Aussie Style" gefeiert oder gibt es Traditionen aus Deutschland oder Elemente, die Sie an Ihre Kindheit erinnern?
Lys: Wir haben in Australien bislang noch keine Weihnachtstradition gefunden, da war viel kreuz und quer. Wir sind hier auch die Einzigen, die Weihnachten am 24. Dezember feiern, in Australien ist es der 25. Dezember. Wir haben noch keine konkreten Pläne. Ob mit den Pinguinen am Strand, im Restaurant oder auf dem Hotelzimmer mit Champagner - ich nehme alles gerne. Wir sind einfach froh, dass wir mal zu fünft in Australien sind. Meine ältere Schwester ist zum ersten Mal hier.
Sie haben 2025 den Durchbruch geschafft. Sie sind als Nr. 130 der Welt gestartet und beenden das Jahr auf Rang 40. Wenn Sie ein Jahr zurückblicken: Haben Sie sich das erträumen lassen?
Lys: Nein. Ich werde hier wieder daran erinnert, wie es war vor einem Jahr. Ich trainiere hier mit den Australierinnen und die sagen mir: 'Hey, letztes Jahr bist du noch als Qualifikantin in Melbourne gestartet, jetzt bist du unter den Top 40 der Welt. Das ist unglaublich.‘ Dieses Mal ist es ganz anders: Ich war im Gegensatz zu 2025 nicht einen Monat verletzt vor Australien, habe eine gute Form und ein gutes Ranking.
Welche Momente ragen für Sie 2025 ganz persönlich heraus, die vielleicht nicht immer identisch mit denen sind, die die Fans erwarten würden?
Lys: Für mich waren alle Matches im ersten Halbjahr wichtig, die ich gegen Top-10-Spielerinnen verloren habe. Ich habe bei den 1000er-Turnieren jedes Mal in der zweiten Runde gegen eine von ihnen verloren. Iga Swiatek hat mich mehrere Male weggefegt. Ich habe mir nach jedem Match die Frage gestellt: 'Wie kann das sein, dass ich so schnell von denen weggefegt werde?‘ Und dann wurde es immer weniger schnell. Eine sehr wichtige Erfahrung war mein Match in Cincinnati gegen Madison Keys, als ich zwei Matchbälle vergeben habe. Das nächste Match gegen eine Top-10-Spielerin in Peking gegen Jelena Rybakina habe ich dann gewonnen. Es war ein Prozess. Ich hätte niemals gegen Rybakina gewonnen, wenn ich vorher nicht mindestens zehnmal auf die Schnauze bekommen hätte.
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Im September feierte Eva Lys gegen Jelena Rybakina ihren ersten Sieg über eine Top-10-Spielerin
Fotocredit: Getty Images
Sie haben also aus den deutlichen Niederlagen Motivation gezogen?
Lys: Absolut. Ich wusste, dass ich noch häufig gegen die besten Spielerinnen der Welt spielen werde. Und ich habe mir immer gesagt: 'Es muss einen Schlüssel geben, sie mehr zu fordern und auch mal zu gewinnen.' Die teilweise heftigen Niederlagen im ersten Halbjahr haben mir auf meinem Weg geholfen.
Ohne jemandem nahetreten zu wollen: Ich finde, dass Sportjournalismus in Deutschland oft sehr hart und manchmal auch oberflächlich ist. Im Tennis verlieren die meisten Profis jede Woche. Die Luft wird immer dünner, die Konkurrenz ist sehr groß.
In der Öffentlichkeit in Deutschland werden oft nur die Ergebnisse im Profisport analysiert und weniger die Herausforderungen, die das Leben als Athlet mit sich bringt. Wie empfinden Sie das?
Lys: Ohne jemandem nahetreten zu wollen: Ich finde, dass Sportjournalismus in Deutschland oft sehr hart und manchmal oberflächlich ist. Im Tennis verlieren die meisten Profis jede Woche. Die Luft wird immer dünner, die Konkurrenz ist sehr groß. Wenn die Nr. 120 gegen die Nr. 20 spielt, hat sie eine realistische Chance zu gewinnen. Spielerinnen, die in einer Woche in den Top 20 stehen, verlieren in der nächsten Woche Punkte und sind nur noch Top 70. Aber innerhalb einer Woche verlernt man ja nicht das Tennisspielen. Und dann stellt sich immer die Frage, was hinter den Kulissen passiert? Wenn ich morgens aufwache und Halsweh habe oder am ersten oder zweiten Tag meiner Periode aufwache, fühle ich mich nicht besonders toll. Man möchte mit der Öffentlichkeit nicht alles teilen, aber das sind Themen, die uns Athleten schon belasten können.
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Lys exklusiv: "Das geilste Turnier meines Lebens!"
Quelle: Eurosport
Wir erinnern uns an die ungläubige Überraschung, als Sie vor einem Jahr in Melbourne im Interview mit Eurosport von der Höhe ihres Preisgeldes erfahren haben. Was bedeuten solche Summen und generell Geld für Sie?
Lys: Das Finanzielle hat uns in den letzten Jahren schon Sorgen bereitet. Ich liebe meinen Sport, aber er ist sehr teuer. Reise- und Personalkosten für Fitnesstrainer und Physios belaufen sich zwischen 100.000 und 300.000 Euro pro Jahr. Ich habe das große Glück, dass mein Papa mein Trainer ist. Nach meinem Erfolg in Melbourne hatte ich das erste Mal keine Geldsorgen. Mir wurde bewusst, dass ich mir für das kommende Jahr keine Gedanken über Geld machen muss. Mir war wichtig, von dem ersten großen Preisgeld in meinen Körper zu investieren und für einen längeren Zeitraum einen Physio dabei zu haben. Das hat sich 2025 auf jeden Fall ausbezahlt. Erst danach habe ich überlegt, mir selbst etwas zu gönnen, auch wenn ich eher sparsam und keine Shoppingqueen bin (lacht).
Der Krieg in der Ukraine ist ein Thema, das in unserem Leben nach wie vor einen großen Raum einnimmt. Ich versuche mich in meiner täglichen Arbeit als Tennisprofi so gut wie möglich davon abzukapseln, damit ich im Kopf frei bin und nicht weinend auf den Platz gehe.
Sie sind als Nr. 40 der Welt Deutschlands Nummer eins. Spüren Sie dadurch zusätzlichen Druck oder eine Verpflichtung gegenüber dem Nachwuchs, der zu Ihnen aufschaut?
Lys: Ja, der Druck als Nummer eins in Deutschland ist schon spürbar, auch wenn ich das anfangs nicht so wahrhaben wollte. Ich war Anfang 2025 schon mal die Nummer eins und wurde dann zwischenzeitlich von Laura Siegemund und Tatjana Maria überholt. Das war für mich völlig ok und hat mich eher besser werden lassen, weil ich gesunde Konkurrenz brauche. Ich bin sehr glücklich, dass ich am Jahresende die deutsche Nummer eins bin und möchte diesen Status so lange wie möglich halten. Mir gefällt es auch, wenn der Nachwuchs zu mir aufschaut und ich einen kleinen Reiz setzen kann für die Jungs und Mädchen, die gerne Tennis spielen und vielleicht auch mal Profi werden wollen.
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Lys über neue Rolle als Deutschlands Nummer eins: "Sehr besonders"
Quelle: SID
Wohin soll Ihre Reise 2026 führen? Was sind Eckpunkte, an denen Sie Erfolg im neuen Jahr festmachen?
Lys: Ich weiß gar nicht, ob ich das jemals so gesagt habe, aber ich habe nie wirklich Ergebnisziele vor mir. Natürlich würde ich mich über ein Viertel- oder Halbfinale bei einem Grand Slam freuen. Ich möchte meine Erfolge bestätigen und peile die Top 30, vielleicht sogar Top 20 an. Aber für mich ist die Gesundheit das Wichtigste, das steht immer an erster Stelle. 2025 war das erste Jahr meiner Karriere, in dem ich weitgehend verletzungsfrei und gesund geblieben bin. Ich hoffe, das bleibt so.
Sie sind in der Ukraine geboren, Ihre Familie kommt aus der Ukraine. Welchen Raum nimmt der Krieg bei Ihnen und Ihrer Familie ein?
Lys: Der Krieg ist ein Thema, das in unserem Leben nach wie vor einen großen Raum einnimmt. Ich versuche mich in meiner täglichen Arbeit als Tennisprofi so gut wie möglich davon abzukapseln, damit ich im Kopf frei bin und nicht weinend auf den Platz gehe. Es hat sich leider seit Beginn des Krieges nichts geändert, meine Familie ist nach wie vor betroffen. Es bleibt für mich eine große Herzensangelegenheit, in meinen Matches die ukrainische Flagge auf meiner Kappe zu tragen. Das werde ich so lange tun, bis der Krieg vorbei ist.
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Rittner analysiert Lys-Auftakt: "Eine Eins mit Sternchen"
Quelle: Eurosport
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