Eva Lys schwärmt nach ihrem Durchbruch: Deutsche Nummer eins träumt von Grand Slam und beantwortet die Geldfrage
Update 28/02/2025 um 22:10 GMT+1 Uhr
Eva Lys hat die Welt vor rund einem Monat bei den Australian Open im Sturm erobert und ist zum neuen Stern am deutschen Tennis-Himmel aufgestiegen. Nach dem Trubel von Melbourne ist die 23-Jährige wieder in ihrem Alltag angekommen - und träumt ganz groß. "In Australien bin ich auf den Geschmack gekommen", blickte sie auf einen möglichen Grand-Slam-Sieg. Doch eine Ungewissheit bleibt bestehen.
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Achtelfinale bei den Australian Open - das musste Eva Lys in den zurückliegenden Wochen erst einmal sacken lassen.
"Ich muss sagen, jetzt allmählich kommt es an, nach dem letzten Turnier", blickte sie im Interview mit dem "kicker" auf ihren Höhenflug Down Under zurück. "In Linz waren die Australian Open noch sehr präsent, der ganze Rummel, die Resonanz, das habe ich alles gerne aufgenommen. Jetzt merke ich, dass ich wieder im Hier und Jetzt bin."
Die 23-Jährige, der aufgrund ihres Traumlaufes als Lucky Loserin kurzerhand der Spitzname "Lucky Lys" verpasst wurde, richtet ihren Fokus nun auf die nächsten Etappen ihrer noch jungen Karriere. "Ich will auf meinem Erfolg aufbauen."
Dieser kann sich bislang sehen lassen. Am 27. Januar schien ihr Name erstmals in den Top 100 der WTA Tour auf, mittlerweile rangiert sie auf Platz 77 und darf sich offiziell als deutsche Nummer eins im Damen-Tennis bezeichnen. Ihr Hunger ist damit aber freilich noch nicht gestillt.
Kerber-Vergleich: Lys "kein großer Fan davon"
Aushängeschild des deutschen Damen-Tennis, Höhenflug bei einem Grand Slam - da könnte einem doch glatt ein erster Vergleich zu Angelique Kerber über die Lippen rutschen. Damit kann Lys aber nichts anfangen.
"Ich bin kein großer Fan davon, eine Nachfolgerin zu werden. Ich will Eva Lys bleiben und die beste Version von mir selbst werden", unterstrich sie. "Ihre Erfolge verdienen größten Respekt, sie hat mir auch in Australien geschrieben, da habe ich mich unglaublich gefreut. Wichtig ist, dass jede Sportlerin und jeder Sportler seinen eigenen Weg geht."
Auf letzterem möchte Lys nun einen Schritt nach dem anderen machen, ihr Durchbruch bei den Australian Open war letztlich nur einer von vielen.
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"Für mich war es immer ein großes Ziel, in die Top 100 zu kommen", erzählte sie. "Das war mein erstes Ziel, trotzdem natürlich nicht mein Endziel. Ich peile jetzt die Top 70 an, dann die Top 50. Im Großen und Ganzen ist natürlich noch viel Luft nach oben, den ersten kleinen Durchbruch habe ich geschafft. Für den ganz großen müssen wir noch ein wenig trainieren."
Geduld als Tugend: Lys feilt an sich selbst
Der Erfolgsdruck ist dabei enorm, in einer Welt mit jungen Superstars wie Jannik Sinner, Carlos Alcaraz oder Iga Swiatek kann ausbleibender Erfolg schnell zum mentalen Gift werden.
"Die Tour ist sehr stark und wenn man nicht mit 20 gefühlt in den Top 10 der Welt ist oder einen Grand Slam gewonnen hat, gibt es gleich ein schlechtes Bild", weiß Lys selbst. "Geduld ist sehr schwer zu lernen, damit habe ich auch zu kämpfen. Ich will meine eigene Geschichte schreiben."
Mit dieser Tugend im Repertoire will sie in Zukunft auch zum ganz großen Wurf ansetzen.
"Bei den Australian Open bin ich das erste Mal auf den Geschmack gekommen", blickte sie auf ihren Traum von einem Grand-Slam-Titel. "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich hoffe irgendwann auf ein Halbfinale, mal auf ein Finale. Und natürlich auch auf den Titel."
Lys: "Geht leider immer noch nicht um Geldverdienen"
Mit dem Aufstieg in die höheren Gefilde der Weltrangliste stellen sich ein paar Veränderungen ein - auch in finanzieller Hinsicht.
"Es geht leider immer noch nicht wirklich um Geldverdienen, aber du kannst dein Trainerteam erweitern, einfach mehr in den Sport investieren", merkte Lys an. "Es ist immer im Hinterkopf, dass man das Jahr nicht finanzieren kann, wenn man keine guten Ergebnisse hat."
In dieser Hinsicht war ihr Achtelfinaleinzug in Melbourne Balsam auf der Seele. Rund 250.000 Euro strich Lys Down Under ein, nach Abgaben in Australien und Deutschland blieb ihren eigenen Aussagen zufolge etwa die Hälfte davon übrig.
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"Das ist trotzdem eine unglaubliche Summe, die ich noch nie verdient habe", schwärmte sie. "Dadurch bin ich dieses Jahr finanziell auf jeden Fall entlastet." Nun könne sie sich überlegen, einen eigenen Physiotherapeuten mit auf die Tour zu nehmen und ihr Team professionell zu erweitern.
Schritt für Schritt will sie so den Anschluss an die absolute Spitze schaffen. "Ich denke immer darüber nach, was ich machen kann, um zu einer noch professionelleren Spielerin zu werden. Da habe ich noch Luft nach oben."
Lys hat große Ziele - auch mit Deutschland
Neben einem Grand-Slam-Titel träumt Lys auch davon, mit der deutschen Mannschaft neue Höhen zu erreichen.
"Beim Billie Jean King Cup mit dem deutschen Team Weltmeister werden würde ich auch nehmen", meinte sie. "Sich Richtung Top 20 oder gar Top 10 zu bewegen ist auch ein großes Ziel von mir."
Dafür will sie in den kommenden Monaten das Fundament legen. "Das Wichtigste bei mir ist, erst einmal gesund zu bleiben", führte Lys aus. "Ich will nicht wackeln. Im zweiten Halbjahr kommen jetzt viele Punkte, die ich verteidigen muss."
Der Sicherheit am Schläger wird also alles untergeordnet - dann kann der Angriff auf die Spitzenpositionen erfolgen. "Ich bin allerdings auch offen für höhere Ziele. Top 50, Top 30, da gibt es keine Grenzen", fügte sie an und fletschte anschließend mit den Zähnen. "Die anderen Spielerinnen wissen, dass ich gefährlich bin. Vor allem bei den Grand Slams."
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