French Open 2017: Das Debakel für Angelique Kerber und seine Folgen
Angelique Kerber erlebte am 1. Tag der French Open ein Debakel. Aus in Runde eins gegen Jekaterina Makarowa. Nie zuvor war in Roland Garros die Nummer eins der Setzliste zum Auftakt gescheitert. Noch bitterer als das 2:6, 2:6 war die Art und Weise, wie die 29-Jährige in die Knie ging. Es war eine Niederlage, die geradezu nach Konsequenzen schreit. Eurosport.de zeigt auf, was Kerber ändern muss.
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Die Gründe für das Debakel
"Angie spielt von Haus aus mit wenig Topspin. Das ist auf Sand ein wichtiger Schlag", legt Eurosport-Experte Boris Becker den Finger in die Wunde. Damit spielt der sechsfache Grand-Slam-Turniersieger auf den größeren Absprungwinkel der Bälle auf Sand an, wenn mit viel Topsin gespielt wird. In Perfektion ist das bei Rafael Nadal zu beobachten, der die Filzkugel auf bis zu 5500 Umdrehungen pro Minute beschleunigt und seinen Gegnern das Leben damit mehr als schwer macht.
Doch das ist nicht einzige Schwäche von Kerber. Gegen Makarowa hatte die Weltranglisten-Erste enorme Probleme auf der Vorhand, es fehlte an Präzision, Timing und Druck. Für Becker unbegreiflich:
Zu den Schwachpunkten gehörte gegen Makarowa auch der Aufschlag, über den die amtierende US-Open-Siegerin zu wenig Druck entwickelte. Becker hat indes noch ein anderes Problem ausgemacht. Die Taktik, so der 49-Jährige, habe schlichtweg nicht zum Belag gepasst.
"Auf Sand fängt man in der Regel immer mit einem Cross an, mit ein bisschen Topspin, um den Platz aufzumachen. Kerber spielt dagegen drei Mal longline und lässt die Gegnerin cross spielen - und die macht dann den Punkt." Der Spielaufbau passe nicht. Bei einer Kontrahentin von der Qualität Makarowas führt eine solche Fehlerflut zwangsläufig zur Niederlage, in diesem Fall in Form einer 82-Minuten-Demütigung.
Die Konsequenzen aus der Pleite
Kerber betonte im Exklusiv-Interview mit Eurosport, sie habe während des Matches "immer daran geglaubt, die Partie noch drehen zu können". Für viele Beobachter sah das anders aus. Die Körpersprache der Nummer eins auf dem Court Philippe Chatrier ließ eher auf mangelndes Selbstvertrauen schließen.
"Sie ist überhaupt nicht auf dem Platz. Totaler Einsatz und totale Leidenschaft sehen anders aus", monierte Experte Becker schon während der Begegnung und appellierte an das Selbstverständnis der laut Weltrangliste besten Spielerin der Welt.
Mental ist also noch viel Luft nach oben, das hat Kerber eingesehen und Besserung gelobt. "Ich werde die Zeit jetzt nutzen, um mich zu reseten. Ich werde wieder von vorne anfangen", erklärte die Kielerin im Gespräch mit Eurosport-Moderatorin Birgit Nössing. Kerber, so scheint es, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Taktik, Vorhand, Aufschlag, Körpersprache - die zweimalige Grand-Slam-Turniersiegerin hat einen dicken Stapel Hausaufgaben abzuarbeiten. "Sie kann doch nicht alles vergessen haben", so Becker.
Die Lösung für die Zukunft
Weshalb verliert Kerber regelmäßig gegen Spielerinnen, die im Ranking weit hinter ihr liegen, warum flößt die Nummer eins der Konkurrenz keinen Respekt mehr ein? Becker kennt die Antwort - die Deutsche spiele noch immer so wie im Vorjahr. Aber:
Für Becker ist die Lösung des Problems klar: "Eine neue, andere und erfahrene Stimme hilft in so einer Situation. Eine, die alle Höhen und Tiefen kennt." Deshalb sei Steffi Graf die ideale Ergänzung im Trainerteam um Torben Beltz. Stichwort Super-Coach.
Von einem "Weiter so" rät die Tennis-Ikone dringend ab. "Es muss sich etwas ändern, so geht es nicht weiter." Eine Erkenntnis, die Kerber teilt. "Ich habe gesehen, dass es leichter ist, ganz nach oben zu kommen, als ganz oben zu bleiben." Es wird sich zeigen, welche Schlüsse die Nummer eins der Welt daraus zieht...
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