French Open | Kerber verschwendet keinen Gedanken an Grand Slam

Am Sonntag beginnen in Paris die French Open. Angelique Kerber könnte dort ihren persönlichen Grand Slam vollenden, doch die Chancen scheinen wieder einmal gering. Angeschlagen und somit alles andere als fit geht sie in das Turnier. Auch Kerber selbst gibt sich zurückhaltend, die Erwartungshaltung ist nicht sonderlich groß. Das Motto lautet: "Rausholen, was geht."

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Fotocredit: Eurosport

Dass sie in den kommenden zwei Wochen Mitglied in einem ziemlich erlauchten Kreis werden könnte, hat Angelique Kerber in der Zwischenzeit mitbekommen. Und kaum bei den French Open angekommen, wurde sie auch prompt gebeten, etwas über ihre Chance auf den Grand Slam zu sagen, den Karriere-Grand-Slam.
Kerber hat die Australian Open gewonnen, die US Open (beide 2016) und Wimbledon (2018) - fehlt also noch der Titel in Roland Garros. Bislang ist es sechs Spielerinnen gelungen, alle vier großen Turniere wenigstens einmal zu gewinnen.

Wettlauf gegen die Zeit

Kerber? Weicht Diskussionen über einen Sieg bei den French Open aus. Sie ist erst mal nur froh, überhaupt dabei sein zu können. "Zu Beginn des Jahres", sagt sie, "hatte ich die Erwartung, in Paris mein bestes Tennis spielen zu können." In der Zwischenzeit hat sich dies geändert: "Die Erwartungen sind ein bisschen geringer nach all dem, was in den vergangenen Wochen passiert ist."
Also, die Sache mit dem Grand Slam, die spiele für sie deshalb keine Rolle, "nein, ich denke wirklich nicht daran", und überhaupt müsse sie jetzt erst mal in Form kommen.
Kerber ist mit Handicap angereist. "Vor zwei Wochen", berichtet sie, "war nicht sicher, dass ich es hierher schaffe. Vor zwei Wochen konnte ich nicht richtig gehen." Vor zwei Wochen war sie beim Turnier in Madrid umgeknickt, sie erlitt eine Bänderverletzung im Sprunggelenk, "es sah nicht so gut aus".
Ihr fehlten jetzt eben auch "Spielpraxis, Trainingseinheiten und Ausdauer". Der simple Plan für die kommenden zwei Wochen: "Von Tag zu Tag besser werden", "rausholen, was geht" und möglichst schnell "einen Rhythmus finden."

Vorbild Steffi Graf

Kerber wird am Sonntag die Ehre zuteil, das Turnier eröffnen zu dürfen, sie bestreitet das erste Match des Tages auf dem Hauptplatz, auf dem Court Philippe Chatrier. Vor ihrer Gegnerin muss ihr dabei nicht bange sein. Die 18 Jahre alte Russin Anastassija Potapowa (WTA-Nr. 81) ist keine Sandplatzspezialistin.
Von den insgesamt 18 deutschen Teilnehmern spielen am Sonntag noch vier weitere, darunter Maximilian Marterer, der gleich nach Kerbers Match auf den an Nummer sechs gesetzten Stefanos Tsitsipas trifft.
Den letzten deutschen Einzeltitel in Roland Garros gewann vor 20 Jahren Steffi Graf - in einem denkwürdigen Finale gegen Martina Hingis aus der Schweiz. Ein emotionaler Triumph, den sie später als die "wundervollste Erinnerung" ihrer Karriere bezeichnete.
Auch Kerber, gut befreundet mit Graf, hat diesen Tag nie vergessen: "Wenn ich an Paris denke und an die Steffi, dann denke ich an das Finale gegen Hingis, das ist immer in meinem Gedächtnis geblieben."
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