Die Stimmung bei Alexander Zverev war nach der Partie verständlicherweise auf dem Tiefpunkt. "Ich kann nicht gegen einen Top-Ten-Spieler die ersten beiden Sätze so spielen. Er ist jetzt im Finale, ich nicht", resümierte Deutschlands Nummer eins. "Am Ende des Tages ist es meine Schuld."
Ganz anders die Lage natürlich beim Sieger.
"Ich hätte nie gedacht, dass dieser Traum wahr wird", rang Stefanos Tsitsipas nach der Begegnung sichtlich bewegt um Worte. "Das bedeutet mir so viel, das war das wichtigste Match meiner bisherigen Karriere. Viele waren hier mit griechischer Flagge und mich unterstützen in Griechenland so viele Leute. Das ist wichtig für mich, um meinen Job gut machen zu können."
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Tsitsipas erwischte vor den 5000 zugelassenen Zuschauern auf dem Court Philippe-Chatrier den besseren Start und nahm Zverev das Aufschlagspiel zum 2:0 ab.
"Das ist noch immer die Achillesferse bei Sascha. In den kritischen Momenten kommt der zweite Aufschlag nicht immer", monierte Eurosport-Experte Boris Becker.

Fehlstart von Zverev

Die Folge: Nach 20 Minuten führte Tsitsipas mit 4:1 und bestätigte damit die Einschätzung Beckers, der dem 22-Jährigen die "bislang beste Sandplatzsaison seiner bisherigen Karriere" attestiert hatte.
Der Weltranglistenfünfte hatte in der Folge keine Probleme, den Satz nach Hause zu spielen.

Geduldsspiel beim Satzball - Zverev macht den Fehler

"Zverev scheint einen mentalen Block zu haben, er akzeptiert nicht, dass Tsitsipas immer das Gleiche macht und er trotzdem keine Lösung findet. Er muss sein Returnspiel verbessern, den Ball in die Rallye bringen, denn dann ist er meines Erachtens der bessere Spieler", zog Becker ein Zwischenfazit.
Im zweiten Satz zeigte sich Zverev verbessert, kam nun besser in die Ballwechsel und erspielte dank seines ersten Breaks eine 3:0-Führung. Die allerdings war trügerisch, wie sich zeigen sollte.

Becker: "Mehr Kreativität, mehr Varianten bei Tsitsipas"

Der Hamburger ließ nur etwas nach, was Tsitsipas umgehend zu fünf Spielgewinnen in Serie nutzte. "Nach dem 3:0 hat Sascha es langsamer angehen lassen und das kann man sich gegen Tsitsipas nicht erlauben. Dazu ist er zu gut", befand Becker. "Der Grieche zeigt mehr Kreativität, mehr Varianten. Er wählt den richtigen Schlag zum richtigen Zeitpunkt."

Wow! "Laufwunder" Tsitsipas überlistet Zverev

Und so kam es wie kommen musste: Tsitsipas nutzte die teilweise leichten Fehler des Deutschen gnadenlos, holte auch das sechste Spie in Folge und damit Satz zwei mit 6:3.
Zverev gelang es immerhin, mit dem Rücken zur Wand den ersten Nadelstich im dritten Satz zu setzen. Der 24-Jährige nahm dem Weltranglistenfünften das Service zum 2:1 ab und bestätigte das Break bei eigenem Aufschlag.

Zverev regt sich maßlos nach Overruling auf

Aufregung gab es im neunten Spiel, als es zu einem Overruling kam, infolge dessen ein Ball von Tsitsipas gut gegeben wurde.

Wilde Szenen: Zverev schimpft auf Oberschiedsrichter ein

Zverev regte sich maßlos auf, da er den Ball aus seiner Sicht nur deshalb ins Netz gespielt habe, weil er ihn im Aus geglaubt hatte. Der 24-Jährige schimpfte auf den Oberschiedsrichter und den Stuhlschiedsrichter ein. Ohne Erfolg.
Dennoch brachte der Deutsche den Satz bei eigenem Aufschlag unter Dach und Fach.

Tsitsipas hadert mit Vater: "Mache genau, was du sagst"

Das berühmte Momentum war nun klar auf Seiten von Zverev, während Tsitsipas massiv mit sich haderte. "Ich mache genau, was du sagst, aber es funktioniert nicht", schrie der 22-Jährige in Richtung seines Vaters.
Dennoch: Die Partie war nun der erwartete Showdown der beiden Stars, mit Vorteilen für Zverev, der mit dem frühen Break zum 1:0 den Grundstein zum Satzausgleich legte.

Zverev schiebt Frust: "Wenn mich die nächsten drei Tage jemand anspricht ..."

"Was für ein Kämpferherz. Sascha hat nicht immer sein bestes Tennis gespielt, aber er hat gekämpft", lobte der sechsfache Grand-Slam-Turniersieger Becker.

Darmatik pur im fünften Satz

Der fünfte Satz begann dramatisch. Zverev ging bei Aufschlag Tsitsipas mit 40:0 in Führung, ließ seine drei Breakchancen aber allesamt liegen. "Das war nervenaufreibend, das war so intensiv. Es war das wichtigste Spiel des fünften Satzes. Ich kam zurück, habe ich mich am Leben gehalten. Das Publikum war da, hat mir Energie gegeben", bekannte der Grieche später im Siegerinterview.
Im vierten Spiel schlug Tsitsipas dann eiskalt zu und durchbrach das Aufschlagspiel des Deutschen zum 3:1.
Die Vorentscheidung. Zverev versuchte alles, um noch einmal einen Fuß in die Türe zu bekommen, doch Tsitsipas zeigte sich nun wieder mit gewohnter Souveränität beim Aufschlag.

Die Entscheidung: So cool macht Tsitsipas das Finale klar

Im achten Spiel vergab der Grieche bei Aufschlag Zverev vier Matchbälle, ehe er bei eigenem Aufschlag alles klar machte.

Becker: "Tsitsipas verdienter Sieger"

"Tsitsipas hat die Partie verdient gewonnen, er war über weite Strecken der bessere, der aktivere Spieler", zog Becker nach dem Halbfinale Bilanz.
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