Boris Becker sicher: Extreme Herausforderungen in Roland-Garros ein Vorteil für Alexander Zverev
Alexander Zverev reist mit gemischten Gefühlen zu den French Open nach Paris. Der Weg zurück an die Spitze ist steiniger als gedacht, daran änderte auch das Halbfinalaus bei der Generalprobe in Genf nichts. Roland-Garros wird nun der ultimative Härtetest - in jeder Hinsicht. Paradoxerweise kann genau dieser Umstand zum Vorteil werden, wie Boris Becker bei Eurosport sagt.
Becker exklusiv: "Zverev kämpft mit seinem Selbstvertrauen"
Quelle: Eurosport
Für Alexander Zverev komme "Paris genau zur rechten Zeit", erklärt Boris Becker im Eurosport-Podcast Das Gelbe vom Ball.
Es mag merkwürdig klingen, aber die massiven Belastungen bei einem Grand-Slam-Wettbewerb - Best-of-five-Modus, bis zu sieben Matches in zwei Wochen, das kraftraubende Spiel auf Sand - könnten Zverev in die Karten spielen.
"Ich glaube, dass er körperlich sehr fit ist und dass er über den Kampf ins Spiel findet", so Becker. "Das war immer eine Qualität von Sascha."
Tatsächlich weist die Grand-Slam-Historie des Olympiasiegers zahlreiche Fünfsatz-Schlachten auf. Zverev habe häufig "noch eine Schippe drauflegen" können, wenn es eng wurde, betont Becker.
Grand-Slam-Tennis sei nun einmal "anders, da ist nicht der erste Satz entscheidend oder die erste Stunde, sondern der letzte Satz oder eben die dritte, vierte, fünfte Stunde. Deswegen habe ich die Hoffnung bei Sascha noch nicht verloren." Gleichwohl muss es das Ziel des Hamburgers sein, in der ersten Woche glatte Siege einzufahren, um in den entscheidenden Runden Reserven zu haben.
Becker macht Zverev Mut: "Wenn der Knoten platzt ..."
Die Auftakthürde erscheint machbar, es geht gegen Lloyd Harris. Der Südafrikaner ist weit entfernt von seiner Form aus der Saison 2021, als er bis auf Rang 31 im Ranking kletterte. Darüber hinaus liegt ihm der Sandplatzbelag nicht und auch die bisherigen drei Vergleiche gegen Zverev verlor Harris.
Wird der 26-Jährige seiner Favoritenrolle gerecht, könnte dies die Initialzündung für große French Open sein. "Wenn der Knoten platzt, kann es ganz schnell gehen", glaubt Eurosport-Experte Becker. Von Höhenflügen wie vor einem Jahr wagt aber noch niemand zu träumen.
Damals warf Zverev im Viertelfinale Carlos Alcaraz raus und bot im Halbfinale gegen Rekordchampion Rafael Nadal eine famose Vorstellung - bis er sich Ende des zweiten Satzes einen dreifachen Bänderriss im rechten Sprunggelenk zuzog.
Becker: "Zverev nicht unter den acht Favoriten"
Der Weg zurück war steinig, lang und ist noch nicht zu Ende. Sogar seinen Status als deutsche Nummer eins musste er an Jan-Lennard Struff abtreten, der als Weltranglisten-26. eine Position vor dem Superstar steht. "Ich sehe ihn momentan nicht unter den acht Favoriten für Roland-Garros", sagt Becker.
Die Leistungen der vergangenen sechs Monate geben Deutschlands Tennis-Legende recht.
Daraus sei ein weiteres Problem entstanden. "Der Umkleideraum sieht das natürlich. Egal, um wen es geht, man rechnet sich nun Chancen aus gegen Sascha. Das umgekehrte Phänomen lässt sich bei Alcaraz beobachten. Die meisten Kontrahenten haben gegen Carlos eigentlich schon in der Umkleidekabine verloren", erläutert Becker.
"Längere Matches besser für Zverev"
Das sei bei Zverev vor einem Jahr genauso gewesen. "Diesen Bonus, diesen Respekt muss er sich zurückerarbeiten und zurückerkämpfen." Partien über die Marathon-Distanz von fünf Sätzen seien da besonders geeignet.
"Paris liegt ihm", unterstreicht Becker, "und wenn er da in Form kommt und das geringe Selbstvertrauen verliert, dann ist das längere Match eher besser für ihn".
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