French Open 2023 - Miyu Katō weint nicht mehr: Tim Pütz' Triumph von Paris

Tim Pütz triumphierte bei den French Open im Mixed-Doppel mit Miyu Katō - und half ihr nach dem Final-Sieg gegen Michael Venus/Bianca Andreescu (Neuseeland/Kanada) 4:6, 6:4 und 10:6 im Match-Tiebreak die Tränen zu trocknen. "Dass sie jetzt hier sitzt und nicht mehr weint, ist doch eine gute Sache", sagte der Tennisprofi aus Frankfurt. Aus einer Zufallsbekanntschaft wurde ein unerwarteter Titel.

Tim Pütz (l.) und Miyu Katō

Fotocredit: Getty Images

Vorausgegangen war nicht nur der Finalsieg über die favorisierten Michael Venus/Bianca Andreescu (4:6, 6:4, 10:6). Die Vorgeschichte zum dritten deutschen Mixed-Triumph in Paris nach Cilly Aussem 1930 und Anna-Lena Grönefeld 2014 hatte vor allem die Japanerin Kato geschrieben; oder besser gesagt: Sie war die untröstliche Heldin in einem Drama mit seltsam verteilten Rollen.
Ein unachtsam geschlagener Ball im Doppel war der Auslöser, Kato traf aus Versehen ein Ballmädchen, das weinte. Katos Gegnerinnen forderten die Disqualifikation - und die Organisatoren von Roland Garros folgten. Punkte weg, Preisgeld weg.
Kato, die 1,54 m große Doppelspezialistin, stand plötzlich und ungewollt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Alle wollten etwas von ihr und ihrem Schicksal wissen, dabei spricht sie kaum ein Wort Englisch.
Das stellte auch Pütz vor ungewöhnliche Schwierigkeiten. "So etwas wie Stellungsspiel oder Laufwege haben wir jetzt in eineinhalb Wochen noch nicht besprochen", hatte er vor dem Finale erzählt, zudem es beinahe gar nicht gekommen wäre. Offiziell hätte Kato nach ihrer Disqualifikation auch im Mixed nicht antreten dürfen, doch das Duo bekam eine Ausnahme - und nutzte sie.

Pütz und Kato: Gemeinsame Anmeldung im Turnierbüro

Zufälle und kuriose Wendungen gehören zu Pütz' und Katos Titel-Geschichte in Paris. Geplant hatten sie nichts, sie kannten sich vor ihrem ersten Auftritt ja erst wenige Stunden. Mit ihren beiden zunächst avisierten Partnern hätten sie es nicht ins Feld der 16 Paarungen geschafft, also taten sie sich bei der Anmeldung im Turnierbüro kurzerhand zusammen.
So konnte Pütz (35) vor den Augen seiner am Donnerstag angereisten Eltern einen seltenen Titel in die Heimat holen. Nach Gottfried von Cramm (1933 in Wimbledon) ist er erst der zweite männliche deutsche Mixed-Gewinner bei einem der vier Grand-Slam-Turniere. "Das hat Lust auf mehr gemacht", sagte Pütz, will sich aber zunächst wieder aufs Doppel konzentrieren. Dort war er mit Davis-Cup-Kollege Kevin Krawietz im Viertelfinale ausgeschieden.
Wie er angesichts dieser Enttäuschung den Mixed-Triumph einordne, wollte der TV-Sender Eurosport wissen. Darüber habe er noch nicht nachgedacht, antwortete Pütz ausweichend. Keine Frage: Das Doppel ist mehr wert. Doch dass Miyu Kato am Ende von aufregenden Tagen in Paris nicht mehr weint, "das ist ein schönes Ende dieser Geschichte", sagte Pütz.
(SID)
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