French Open - Eva Lys im exklusiven Interview vor Roland-Garros: "Mir hilft es, öffentlich darüber zu reden"

Eva Lys startet erstmals direkt im Hauptfeld und als deutsche Nummer eins in die French Open in Paris. Vor Wochenfrist erreichte Sie mit Rang 59 erneut ein Karrierehoch in der Weltrangliste. Im exklusiven Interview mit Eurosport.de erklärt die 23-Jährige, wie sehr sie sich mit der Weltrangliste beschäftigt. Außerdem spricht sie offen über den Umgang mit ihrer Autoimmunerkrankung.

Lys direkt im Hauptfeld: "Ein komisch-schönes Gefühl"

Quelle: Eurosport

Eva Lys trifft in der ersten Runde des Hauptfelds der French Open 2025 auf die an 28 gesetzte Peyton Stearns.
Eine schwierige Aufgabe - stand die Amerikanerin doch noch vor Wochenfrist im Halbfinale von Rom, wo ihr Lauf erst durch die spätere Turniersiegerin Jasmine Paolini (5:7, 1:6) beendet wurde.
Dennoch beantwortet Lys die Fragen von Eurosport.de gut gelaunt auf dem Weg zur ersten von zwei Trainingseinheiten am Samstag in Paris.
Die 23-jährige DTB-Hoffnung ist schon einige Tage in Frankreich, spielte sich aus der Qualifikation in Straßburg ins Hauptfeld. Aufgrund ihrer hervorragenden Weltranglisten-Position ist sie in Paris Die 23-jährige DTB-Hoffnung ist schon einige Tage in Frankreich, spielte sich aus der Qualifikation in Straßburg ins Hauptfeld. Aufgrund ihrer hervorragenden Weltranglisten-Position ist sie in Paris fürs Hauptfeld gesetzt.
Durch ihre jüngsten Siege haben Sie mit Rang 59 ein neues Karriere-Hoch in der Weltrangliste erreicht. Sie machen einen sehr reflektierten Eindruck. Welche Rolle spielen diese immer neuen Bestplatzierungen für Sie?
Eva Lys: (schmunzelt) Ich versuche mich nicht allzu sehr damit zu beschäftigen, damit es mich nicht zu unruhig macht. Gleichzeitig bin ich sehr stolz auf mein Careerhigh, was ich jetzt habe. Sowas in der Art war Anfang des Jahres das Ziel, aber das es bereits vor Ende der ersten Jahreshälfte passiert ist, macht mich sehr, sehr glücklich und gibt mir natürlich das Selbstvertrauen. Aber so richtig durchgesickert, ist es noch nicht ganz, weil es relativ frisch ist. Trotzdem genieße ich die Position sehr.
Sie beziehen regelmäßig öffentlich Stellung bei gesellschaftlich relevanten Themen wie Sexismus oder Hassnachrichten - sei es in Interviews oder auf ihrem Instagram-Kanal. Dort reagieren Sie auch mal auf mediale Kritik in Überschriften, wenn Sie diese überzogen finden. Ist das für Sie eine Art Verarbeitung und Weg mit der externen und oder eigenen Erwartungshaltung umzugehen?
Lys: Das ist sicherlich eine Art der Verarbeitung, aber ich war schon immer so. Ich habe immer den Drang gehabt über Themen zu reden, über die andere vielleicht nicht sprechen wollen. Es gibt viele Themen, die öffentlich nicht angesprochen werden, weil uns immer gesagt wurde: 'Nein, das solltest du wegignorieren.' Aber da bin ich generell immer anderer Meinung gewesen. Vor allem, wenn es in die Richtung Ungerechtigkeit geht. Oder wenn etwas über Monate und Jahre zum Beispiel zum Teil im Sportjournalismus in Überschriften und Vorspännen überspitzt wird. Da weiß ich, dass Sportlerinnen anderer Meinung sind und das nicht gut finden, aber nicht darüber reden wollen. Was auch vollkommen in Ordnung ist. Aber ich sehe mich da schon gern, diese Themen anzusprechen. Weil ich finde, wenn einem etwas nicht passt, dann sollte man immer den Mund aufmachen. Und das mache ich so.
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Eva Lys startet am Sonntag ins Turnier

Fotocredit: Getty Images

Das ist gerade in den sozialen Medien sicher nicht einfach.
Lys: Ich wünschte, ich könnte das einfach links liegen lassen, aber mir hilft es sicherlich, öffentlich darüber zu reden, da ich auch weiß, dass es anderen Leuten hilft. Selbst wenn ich nur einer Person damit helfe, habe ich ein gutes Gefühl damit.
Tennis ist ein brutal physischer Sport. Sie leben seit einigen Jahren mit Spondyloarthritis, einer entzündlichen rheumatischen Erkrankung und müssen sehr auf ihren Körper hören. Wenn Sie die Umfänge der Topspielerinnen im Training wahrnehmen: Wie viel können Sie im Vergleich trainieren?
Lys: Ich weiß, dass ich in den vergangenen Monaten und Jahren auf das Trainingspensum der Topspielerinnen gekommen bin. Vor allem ist es im Training mein Ziel, nicht nur das Pensum sondern auch die Qualität der Topspielerinnen zu erreichen. Bei mir stand immer Qualität über Quantität. Vor allem in den vergangenen Monaten merke ich, dass ich da viel fitter geworden bin und beim Umfang der Topspielerinnen mitziehen kann. Bei mir ist es einfach sehr wichtig, zu wissen, wann die richtigen Momente zur Regeneration sind. Das hatte immer Priorität und es gibt immer noch Tage, an denen ich nicht so die Umfänge trainieren kann.
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Quelle: Eurosport

Was passiert, wenn Sie die Warnsignale überhören?
Lys: Wenn ich dann trotzdem so trainiere wie die anderen, kann es mich für ein paar Tage, wenn nicht gar Wochen rausschießen. Deswegen muss ich mit der Krankheit sehr vorsichtig sein und echt auf meinen Körper hören.
Hat das immer gut geklappt dieser Balanceakt?
Lys: Nein, das hat ein paar Jahre gedauert, um ein wirklich gutes Körpergefühl zu bekommen. Fakt ist: Ich will die toughen, kräftezehrenden Matches bestreiten können. Nicht nur eines – sondern mehrere am Stück und dafür muss man Umfänge fahren. Aber wenn der Körper streikt, muss ich das akzeptieren.
Viele beschreiben die Tennistour als toughen, einsamen Ort. Wie empfinden Sie das nach ihren ersten Erfahrungen – können Sie mit Kolleginnen etwa über so Probleme sprechen?
Lys: Ich habe tatsächlich viele gute Freundinnen auf der Tour. Ich spreche mit denen offen über alles. Was die Krankheit angeht - wie im richtigen Leben hat man Personen, mit denen man nicht jedes Thema anschneidet, einfach weil die Freundschaft auf einer anderen Ebene oder gar nur eine Bekanntschaft ist. Aber mit richtigen Freunden rede ich über alles und auch über die Krankheit.
Was sind denn so die Themen?
Lys: Wir reden darüber, wenn man ein Scheißmatch gespielt hat oder sich beschissen auf dem Platz fühlt. Für mich war das nie ein Hindernis, mit Profikolleginnen darüber zu sprechen. Und die, mit denen das nicht so möglich ist, mit denen bin ich dann nicht so eng befreundet.
Es gibt sehr unterschiedliche Spielerinnen-Typen.
Lys: Manche Profis sehen die Tour wirklich sehr strikt wie eine Arbeit, fokussieren sich auf sich selbst und möchten dementsprechend keine Schwächen zeigen. Aber meiner Meinung nach kann man mit diesem, aber auch mit meinem Ansatz raus auf die Plätze gehen und alles auf dem Platz lassen. Letztlich wird die Spielerin gewinnen, die es verdient hat. So funktioniert dieser Sport. Ich bin jedenfalls sehr froh, mit welchen Personen ich auf der Anlage umgeben bin.
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