Jannik Sinner exklusiv bei Players' Voice: Darum wäre ich gerne für einen Tag Roger Federer
Jannik Sinner ist einer DER Shootingstars auf der ATP-Tour. Mit nur 20 Jahren kann der Italiener fünf Turniersiege, den Sprung in die Top Ten der Weltrangliste sowie zwei Grand-Slam-Viertelfinals vorweisen. In der Eurosport-Serie "Players' Voice" spricht Sinner darüber, wie sich der Erfolg auf ihn ausgewirkt hat, welche Ziele er für 2022 hat und warum er gerne für einen Tag Roger Federer wäre.
Jannik Sinner - Players' Voice
Fotocredit: Getty Images
Jannik Sinner sorgt auf der ATP-Tour für Furore.
Im Alter von gerade einmal 20 Jahren hat der Italiener bereits eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorzuweisen.
Seit seinem Start auf der Tour im Jahr 2019 hat er fünf Titel gewonnen, ist in die Top Ten der Weltrangliste vorgedrungen und hat zwei Grand-Slam-Viertelfinals erreicht.
In der neuesten Ausgabe der Serie Players' Voice auf Eurosport.de erklärt die aktuelle Nummer 13 der Welt, wie sich der Erfolg seiner Meinung nach auf ihn ausgewirkt hat, welche Ziele er für 2022 hat und warum er gerne für einen Tag als Roger Federer aufwachen würde.
Von Jannik Sinner
Hallo liebe Tennisfreunde,
wenn ich gefragt werde: "Wo willst du am Ende des Jahres stehen?", muss ich immer schmunzeln. Die Außenansicht darauf, wie Tennisspieler leben und denken, ist oft ganz anders als die Realität - zumindest bei mir. Meine Antwort ist, dass es keine Frage der Weltranglistenplatzierung ist. Tatsächlich spreche ich wirklich nicht gerne über meine Position im ATP-Ranking - das habe ich nie und ich glaube nicht, dass ich das jemals tun werde. Am liebsten setze ich mir Ziele im weiteren Sinne.
Zum Beispiel würde ich gerne sehen, wie ich körperlich wachse, weil ich weiß, dass ich in dieser Hinsicht noch viel Spielraum habe. Außerdem möchte ich mich mental weiterentwickeln, denn im Alter von 20 Jahren kann man in dieser Hinsicht noch nicht voll ausgereift sein.
Wenn ich aufwachen und für einen Tag ein anderer Tennisspieler sein könnte, wäre ich aufgrund seines Gesamtpakets gerne Roger Federer. Er kann alles und hat Lösungen für alles, was ihm auf dem Platz begegnet.
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Roger Federer bei den French Open 2021
Fotocredit: Eurosport
Sinner: "Anfangs weißt du nie, ob du das Niveau hast"
Als Roger Federer aufzuwachen, ist natürlich eine Utopie, aber ich glaube, dass mir alleine das Streben nach Perfektion den Fokus gibt, ein vollständigerer Spieler zu werden. Ich sage nicht, dass ihr mich plötzlich beim Serve-and-Volley oder Slice spielen sehen werdet, aber vielleicht möchte ich mich eines Tages in einer Position wiederfinden, in der ich genauso gut meine eigenen Lösungen finden kann.
Kurz gesagt, mein eigentliches Ziel ist es, ein vollständigerer Spieler zu werden - und das möchte ich bis Ende des Jahres erreichen, das ist mir deutlich wichtiger als eine bestimmte Weltranglistenplatzierung.
Wenn ich daran zurückdenke, wo ich vor zwei Jahren war, fühlt sich jetzt alles ganz anders an - im positiven Sinne. Als ich 18 Jahre alt war und zum ersten Mal bei einem Turnier auf der Tour aufgeschlagen habe, wusste ich noch gar nichts. Ich wusste nicht, was passieren würde, wie das Publikum reagieren würde oder wie mein Gegner spielen würde.
Wenn du anfängst, bist du dir nie sicher, ob du überhaupt das Niveau hast, um dort zu spielen. Heute ist die Situation allerdings anders. Ich habe mich sehr schnell entwickelt und weiß sehr gut, dass meine Gegner mein Spiel studiert haben, um meine Taktiken und Stärken herauszufinden. Mittlerweile weiß ich, dass ich die Qualität habe, um gegen jeden zu spielen.
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Jannik Sinner schreit, nachdem er bei den Australian Open 2022 das Viertelfinale erreicht hat
Fotocredit: Eurosport
Sinner: "Ich bin mir selbst treu geblieben"
Ich weiß auch, dass das mit Druck verbunden ist, gerade in Italien, wo die Erwartungshaltung an mich sehr groß ist. Ich sehe den Druck aber als Privileg. Ich bin die erste Person, die sich selbst unter Druck setzt und die gewinnen will, egal, wie viel über mich geredet und geschrieben wird - ich sehe das nicht als Problem.
Manchmal merke ich nicht einmal, was über mich gesagt oder geschrieben wird. Wenn ich es aber doch mitbekomme, akzeptiere ich, dass das Teil des Spiels und unvermeidlich ist. Ich sehe das nicht als Problem - ich akzeptiere es einfach. Natürlich ist es schwieriger, Dinge über sich selbst zu lesen oder zu hören, wenn du nicht deinen besten Tag auf dem Platz hattest, aber die Lösung ist einfach: Ich arbeite mit meinem Team, das mich auf Kurs hält.
Ich glaube, was in diesem Zusammenhang auch wichtig ist, ist, dass ich trotz der zahlreichen Veränderungen, die es in meiner Karriere gab, das Gefühl habe, derselbe Mensch zu sein wie vor zwei Jahren.
Die Anerkennung und das Leben außerhalb des Platzes sind offensichtlich anders, aber ich habe mich nicht verändert, sondern bin derselbe Typ, der ich immer war. Ich weiß, woher ich komme und ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, wer meine Familie ist, wer meine Eltern sind und mit wem ich jeden Tag arbeite.
Ich habe immer getan, was ich wollte, und bin mir selbst treu geblieben. Als ich zum Beispiel mit dem Skifahren aufgehört habe, habe ich es einfach gemacht und mich ins Tennis gestürzt. Jetzt blicke ich auf mein Leben und weiß zu schätzen, dass ich das Glück habe, das tun zu können, was mir gefällt.
Sinner: "Zu viel Zeit auf Social Media kostet mentale Kraft"
Was sich jedoch geändert hat, ist mein Telefonbuch. Ich bekomme viele Nachrichten zu verschiedenen Dingen, weshalb ich gelernt habe, dass es unmöglich ist, mit allem Schritt zu halten. Es geht dadurch einfach zu viel Energie verloren. Also habe ich versucht, wählerisch zu sein und den engen Kontakt zu den Menschen zu priorisieren, die mir wichtig sind.
Das Gleiche gilt für die Sozialen Medien, die ich ein wenig einzuschränken versuche. Natürlich sind diese wichtig, da sie ein wesentlicher Bestandteil des Lebens als Sportler sind. Dennoch kostet zu viel Zeit auf Social Media gerade im mentalen Bereich wertvolle Energie und im Tennis ist mentale Stärke alles.
Der Lockdown war für mich das perfekte Trainingslager, um zu versuchen, meine mentale Stärke zu konservieren. Nach zwei schwierigen Jahren während der Corona-Pandemie geht es aufwärts. Die Leute gehen wieder raus und die Fans sind endlich wieder zu Turnieren zurückgekehrt. Sie können in einem Match definitiv der entscheidende Faktor sein.
Es war jedoch für niemanden eine einfache Zeit und die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit bleiben nach wie ein wichtiges Thema. Es gibt viele Jungs, die sich immer noch nicht öffnen - sei es bei den Eltern oder Freunden. Meiner Meinung nach gibt es somit nach wie vor viel zu tun - nicht nur im Tennis, sondern was das Leben im Allgemeinen betrifft.
Sinner voller Vorfreude auf Heimspiel in Rom
Kommen wir noch einmal zum Sportlichen und speziell zur Sandplatzsaison zurück: Ich habe mein Spiel dem Untergrund angepasst. Du musst auf Sand mit mehr Rotation schlagen und häufiger das Winkelspiel anwenden. Darüber hinaus musst du anders aufschlagen, weil es sinnlos ist, nur mit Kraft zu servieren. Ich bin aber zufrieden, weil ich das Gefühl habe, dass ich auf diesem Belag noch viele Dinge lernen kann. Das Masters in Monte Carlo war ein guter erster Test für mich und jetzt freue ich mich sehr auf Rom.
Ich hoffe, dass eine ähnliche Atmosphäre vorherrschen wird, wie ich sie in Turin bei den ATP-Finals erlebt habe. Das war wirklich etwas Besonderes. Das Publikum kann eine große Rolle spielen. Wenn du also die Möglichkeit hast, vor deinem Heimpublikum zu spielen, musst du das ausnutzen. Ich habe das Gefühl, dass großartige Tennistage auf mich warten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich freue mich darauf.
Viele Grüße,
Euer Jannik
Folgt Jannik Sinner auf Instagram (@janniksin)und auf Twitter (
)
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