Indian Wells: Alexander Zverev nach Auftaktpleite in der Abwärtsspirale - Verzweiflung macht sich breit

Hochmotiviert schielte Alexander Zverev noch zu Jahresbeginn auf den Tennis-Thron von Novak Djokovic, Mitte März jedoch sieht die Welt ganz anders aus. Das Viertelfinal-Aus in Melbourne sowie der hässliche Ausraster in Acapulco haben Spuren hinterlassen - imagetechnisch und sportlich. Das beweist der nächste Nackenschlag beim ersten Masters der Saison in Indian Wells.

Alexander Zverev

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Wer die Karriere von Alexander Zverev verfolgt, der weiß, wie hart der Hamburger nach Niederlagen mit sich selbst zu kämpfen hat. Es verwundert daher nicht, dass Deutschlands bester Tennisspieler nach der bitteren Auftaktpleite gegen Tommy Paul (2:6, 6:4, 6:7 (2:7)) beim ersten Masters der Saison in Indian Wells völlig leer in den Katakomben saß und seinen Kopf immer wieder mit starrem Blick an die Wand lehnte.
Mittlerweile ist mehr als klar: Der Auftakt in die Saison ist gründlich daneben gegangen - und er hat deutliche Spuren auf mehreren Ebenen hinterlassen. Rein sportlich hatte sich der 24-Jährige für das Frühjahr 2022 den Angriff auf den Tennis-Thron von Novak Djokovic vorgenommen. Diesen schnappte sich Daniil Medvedev - wenn auch erst einmal nur für drei Wochen, wie nach dem Drittrunden-Aus des 26-Jährigen in Indian Wells feststeht.
Zverev muss seinen Blick indes in den Rückspiegel richten.
Dort nämlich kommt ein gewisser Rafael Nadal mit einem Affenzahn angebraust. Der Mallorquiner legte den besten Saisonstart seiner Karriere hin, gewann die ersten 16 Matches des Jahres und sammelte drei Titel mit dem Melbourne Summer Set, den Australian Open und Acapulco drei Titel in Serie ein.
Doch was für Zverev viel schlimmer wiegen dürfte, ist der erlittene Imageschaden. Zverev kämpft seit seinem unerklärlichen Ausraster in Acapulco um seinen Ruf in der Tennis-Szene. Seine vier Schläge gegen den Schiedsrichterstuhl nach der Doppel-Niederlage beim Turnier in Mexiko war mehr als ein Rückschlag. Sie waren ein tiefer Einschnitt, der ihn im öffentlichen Ansehen weit zurückgeworfen hat.
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Der Zverev-Eklat im Video: Das brachte ihn zum Ausrasten

Quelle: SNTV

Alexander Zverev kämpft um Gunst des Publikums

Zverev selbst sprach vom "größten Fehler" seiner Tennis-Karriere, ahnte bereits, dass die schlimmen Szenen noch eine Weile nachwirken werden. Vor allem in Form von Unmutsbekundungen des Publikums.
Einen ersten Vorgeschmack gab es bereits in Indian Wells, als sich vereinzelt Pfiffe während des Walk-On-Courts unter den Applaus mischten - und Zverev vielleicht sogar verunsicherten?
Die Pleite gegen Paul erklärte Zverev jedenfalls mit mentalen Schwächen. Als er das Match nach dem Verlust des ersten Satzes eigentlich wieder im Griff hatte, habe er "katastrophal" agiert, statt es im dritten und entscheidenden Satz auszuspielen, analysierte er selbstkritisch.
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Vergeblicher Fight beim Matchball: Zverev verliert gegen Paul

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Dass die Unterstützung des Publikums in engen Situationen förderlich sein kann, ist im Sport kein Geheimnis. Doch die Gunst der Zuschauer zu erlangen, scheint für Zverev die wohl komplizierteste Aufgabe seiner Karriere zu sein.
Es ist förmlich zu spüren, wie es ihn frustriert, wenn die Ränge sich gegen ihn wenden. Und zu was Frust beim jungen Deutschen führen kann, war in Acapulco zu sehen. Ein klassischer Teufelskreis.
Das Team Zverev hat die Gemengelage schon länger erkannt und versucht gegenzusteuern. Dem Eklat in Acapulco folgte überraschend das Comeback im deutschen Davis-Cup-Team, das Zverev zuletzt bei bestehendem Modus des Wettbewerbs eigentlich kategorisch ausgeschlossen hatte.
Sein Auftritt in der Qualifikationsrunde gegen Brasilien wirkte wie eine willkommene Gelegenheit, sein ramponiertes Image aufzupolieren. Ein echtes Commitment zum Davis Cup - und damit für Deutschland - ist es aber erst, wenn er auch in den Finalrunden im September und November antritt.

Zverev muss die richtigen Schlüsse ziehen

"Ich muss in mich gehen und schauen, wie ich die Saison so ein bisschen umdrehen kann. Weil momentan läuft, glaube ich, alles in die falsche Richtung", analysierte die Nummer drei der Welt nun - und dürfte damit nicht nur seine rein sportlichen Auftritte meinen.
In der Tat erinnert bei Zverev gerade wenig an das so fabulöse zweite Halbjahr 2021, in dem er olympisches Gold in Tokio holte und sowohl das Masters in Cincinnati, das Turnier in Wien, als auch die ATP-Finals in Turin gewann.
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Alexander Zverev

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Ein solches Resultat brauche Zverev nun mal wieder, "das wäre, glaube ich, hilfreich", sagt der Hamburger. Wie gut, dass die nächste Chance unmittelbar bevorsteht.
Indian Wells ist schließlich nur Teil eins des sogenannten Sunshine-Doubles.

Alexander Zverev: Miami als Wendepunkt?

Mit dem Masters in Miami geht es bereits am 23. März mit dem nächsten Großevent in den USA weiter. Ein Turnier, bei dem er 2019 im Finale stand und im vergangenen Jahr sang- und klanglos in der ersten Runde ausschied.
Erneut wird Zverev dort zu den absoluten Topfavoriten zählen, denn sowohl der noch immer ungeimpfte Djokovic, als auch Dominator Nadal werden in Süd-Florida nicht an den Start gehen.
"Letztes Jahr lief alles in meine Richtung in den letzten sechs Monaten. […] Und dieses Jahr läuft alles so gegen mich", sagt Zverev, sollte den Kopf aber nicht in den Sand stecken.
Denn wenn der Knoten platzt, kann es ganz schnell wieder in die andere Richtung gehen. Nicht nur auf sportlicher Ebene.
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ATP Indian Wells : Zverev in press conference take a look back at his behaviour in Acapulco

Quelle: SNTV

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