Olympia 2024: Novak Djokovic besser als Roger Federer und Rafael Nadal: Selbstmanipulation für Tennis-Gold in Paris
Publiziert 06/08/2024 um 10:56 GMT+2 Uhr
Nachdem Novak Djokovic mit der ersehnten Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Paris im Einzel das Puzzle seiner Weltkarriere vollendet hatte, brachen die Emotionen aus ihm heraus. Es folgte die Gewissheit, alles erreicht zu haben. In sich ruhend, beantwortete der 37-Jährige alle Fragen im Wissen, letzte Zweifel abgeschüttelt zu haben darüber, wer der beste Tennisspieler aller Zeiten ist.
Tränen und Zitter-Attacke: Djokovic von Gold komplett überwältigt
Quelle: Eurosport
Am Ende wurde es, und das ist nicht unüblich für Pressekonferenzen bei Olympia 2024 in Paris, etwas ulkig. Ob er jetzt, da er alles erreicht habe, nicht vielleicht Präsident seines Landes werden wolle, wurde Novak Djokovic gefragt.
"Mein Freund...", setzte Djokovic an und stimmte dann in das Lachen in den Katakomben der French Open im Stade de Roland Garros in Paris ein. Die kurze Antwort, die folgte, hätte den Gemütszustand des neuen Olympiasiegers im Tennis nicht besser beschreiben können: "Ich bin glücklich mit dem Moment und der Stelle, an der ich angekommen bin und mit allem, was ich erreicht habe. Das versuche ich, zu genießen."
Denn mit dem 7:6 (3), 7:6 (2) Finalerfolg im Einzelfinale des Olympischen Tennisturniers gegen Carlos Alcaraz nach für zwei Sätzen unmenschlichen 2:52 Stunden Spielzeit hat Novak Djokovic vor allem sich selbst bewiesen, dass er spielerisch, mental und physisch mit 37 Jahren den besten Tennisspieler 2024 übertreffen kann.
Nach außen hin - und das ist ihm nicht minder wichtig - hat er mit dem letzten, fehlenden Puzzleteil den Status als bester, erfolgreichster Tennisspieler aller Zeiten zementiert.
Djokovic besser als Federer, Nadal und Co.
Wenn Djokovic seine aktive Spielerkarriere beenden wird, steht er in der Tennishistorie vor allen anderen: Vor Rod Laver, vor Björn Borg vor Pete Sampras, Andre Agassi, Steffi Graf und Serena Williams. Vor allem aus Sicht der Tennisneuzeit: Novak Djokovic steht vor Rafael Nadal und Roger Federer.
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Highlights: Djokovic holt Gold in Final-Thriller gegen Alcaraz
Quelle: Eurosport
Mit dem Gewinn der Einzel-Goldmedaille hat Djokovic den sogenannten "Career Golden Slam" vervollständigt. Ein Meilenstein, der erst seit der Aufnahme von Tennis bei Olympischen Spielen 1988 überhaupt zu erreichen ist und den Federer etwa nie vervollständigte: Der Gewinn aller vier Grand-Slam-Turniere und der Goldmedaille bei Olympischen Spielen.
Djokovic gesellt sich zu Steffi Graf, Andre Agassi, Rafael Nadal und Serena Williams als erst fünfter Spieler in der Geschichte des Profitennis, denen dies gelang. 16 Jahre nach seinem ersten Grand-Slam-Sieg in Melbourne und der ersten Bronzemedaille bei den Spielen in Peking 2008 ist Djokovic am Ziel seines letzten Traums. Denn bei den vier vorigen Olympiateilnahmen hatte der Ausnahmespieler stets das Gefühl unter dem eigenen Druck und den Erwartungen seiner Landsleute zu zerbrechen.
Djokovic bei Olympia stets "außer Form"
Er habe 2008 bei seinen ersten Spielen Bronze geholt und danach bei jeder Teilnahme vor allem in Halbfinals "ziemlich außer Form" agiert. Jetzt mit 37 Jahren gegen einen 21-Jährigen, der überragendes Tennis spiele, dieses Ziel zu erreichen sei wahrscheinlich der "größte sportliche Erfolg" seiner Karriere, führte Djokovic aus.
"Ich habe gedacht, das beste Gefühl, das ein Athlet haben kann, war, 2008 als Fahnenträger meines Landes bei Eröffnungsfeier einzulaufen - bis jetzt. Das überstrahlt alles, was ich mir vorgestellt habe, zu fühlen und zu erleben", erklärte Djokovic.
Djokovics wahnsinnige Karrierestatistiken
Djokovic traf diese Einordnung bewusst trotz der 24 Grand-Slam-Siege (zehnmal Australian Open, dreimal French Open, siebenmal Wimbledon, viermal US Open), der sieben Titel bei den ATP-Finals, dem Davis-Cup-Sieg für Serbien, den 428 Wochen an der Spitze der Weltrangliste und der achtmal, die er ebene jene Rangliste am Ende einer Saison anführte. Djokovic hat mehr Grand Slams gewonnen als jeder andere und zudem jedes Mastersturnier nicht einmal, sondern zweimal für sich entschieden. Auch in dieser Kategorie ist er einsame Spitze.
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Zverev analysiert: Das war der Schlüssel zum Sieg für Djokovic
Quelle: Eurosport
Dennoch ordnete er Karrieretitel 99 ganz vorne ein. "Olympia war das größte Hindernis, das ich überwinden musste", sagte Djokovic und erklärte anschließend ausführlich, wie ihn der Druck dieses Turniers, das nur alle vier Jahre stattfindet, zugesetzt habe.
Djokovic 2024 ohne Titel und Top-10-Sieg
Die Komplettierung seiner Titelsammlung hatten Djokovic nicht mehr alle zugetraut. Djokovic hatte 2024 noch kein Turnier gewonnen, nicht mal einen Top-10-Spieler besiegt. Djokovic sprach offen über Motivationsprobleme.
Als er sich wieder gesammelt und fokussiert zu haben schien für sein großes Ziel Olympia, folgte der Rückzug vor dem Viertelfinale bei den French Open inklusive anschließender Arthroskopie im Knie und zahlreicher Fragezeichen. Dennoch erreichte er nach einer wundersam schnellen Heilung das Finale in Wimbledon. Alcaraz besiegte ihn glatt in drei Sätzen und so ziemlich alle sprachen von der endgültigen Ablösung im Tennis.
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Alcaraz sieht Leistungsunterschied nach Niederlage gegen Djokovic
Quelle: Perform
Alcaraz, so Djokovic, sei der höchste Berg im Tennis, den es mittlerweile zu erklimmen gebe. "Die klare Niederlage im Wimbledonfinale hat mir sogar in die Karten gespielt. Denn ich wusste, dass ich nicht schlechter werde spielen können als in diesem Spiel", erklärte Djokovic, der seinen Kontrahenten in den höchsten Tönen lobte.
Djokovics Selbstmanipulation für Gold
Die Knieverletzung habe zwar abgelenkt. "Zu Beginn des Turniers habe ich mir aber gesagt, dass ich ein anderer Spieler bin im Vergleich zu Wimbledon was Bewegung, Gefühl und Spielen angeht. Wimbledon hat mir das Vertrauen gegeben. In Kombination mit der Motivation mein Land zu repräsentieren, war ich bereit. Ich habe keinen Satz abgegeben und nach zwei Runden gemerkt, dass ich gut spiele.
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Emotionen pur: Djokovic schmettert Nationalhymne bei Siegerehrung
Quelle: Eurosport
"In den Tiebreaks haben wir beide auf einem sehr hohen Niveau gespielt. Drei Stunden für zwei Sätze auf solch einem physisch und spielerisch hohem Niveau habe ich vielleicht zweimal gespielt in meinem Leben", sagte Djokovic, der aus physischer Sicht gegen seinen 16 Jahre jüngeren Gegner Angst vor einem dritten Satz hatte. "Ich kann mir nicht mal vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn ich den zweiten Satz verloren hätte."
Stattdessen aber jubelte Djokovic und Alcaraz vergoss im Interview bittere Tränen. Olympia alle vier Jahre bleibt eine besondere Herausforderung für die besten Tennisspieler der Welt, die sonst viermal im Jahr die Gelegenheit haben, bei Grand Slams Geschichte zu schreiben. Diese schmerzliche Erfahrung musste schon Federer machen, der "nur" Doppelgold holte.
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Alcaraz weint bei Eurosport um Gold: "Sehr schmerzhafte Niederlage"
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Djokovic dagegen zeigte am Sonntag einen seltenen Anflug von Selbstzufriedenheit, nachdem er auf dem Sand von Paris geweint und seine Familie samt Kinder geherzt hatte. Im NBC-Interview gab er zu, über sein ganzes Leben hinweg sehr selbstkritisch gewesen zu sein. "Das war einer der größten inneren Kämpfe, die ich ausgefochten habe." Auf Nachfrage, ob er jetzt durch den Titel genug sei, antwortete er. "Ich denke, ja."
Die Zukunftsfrage wurde am Sonntag nicht endgültig geklärt. Djokovics langjähriger, ehemaliger Trainer, Marián Vajda, hatte im Vorfeld erklärt, sein ehemaliger Schützling würde zur Not auch bis Los Angeles 2028 weitermachen, wenn es in Paris nicht mit Gold klappe. Darauf angesprochen, reagierte Djokovic im Moment des Sieges euphorisch. "Schauen Sie, ich möchte gerne noch in Los Angeles spielen. Ich genieße es, für mein Land zu spielen."
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Djokovic: Olympia-Gold ist mein "größter Erfolg"
Quelle: Perform
Djokovic und seine Zukunft
Realistisch ist das nicht. Djokovic wäre 41 Jahre alt und auch seine physischen Grenzen werden, Ausnahmeathlet hin oder her, zeitnah eingeläutet. Erste Vorläufer haben seine Fans dieses Jahr erlebt. Sportlich bleiben nur noch wenige Ziele. Der Grand-Slam-Rekord von Margaret Court, die vor der "Open Era" einen Titel mehr gewann, ist noch offen. Federer (103) und Jimmy Connors (109) haben noch mehr ATP-Titel als Djokovic (99).
"Tennistechnisch ist es komplett. Ich habe alles erreicht, alles gewonnen", sagte Djokovic. Andererseits liebe er den Sport und spiele nicht nur, um zu gewinnen. Ich liebe es, jede Woche zu trainieren, den Wettkampf, den "Drive", meinen Körper jede Woche, jeden Tag zu trainieren, mein Spiel selbst in diesem Alter noch zu verbessern. Dann, wenn niemand zuschaut. Ich trainiere härter als jeder junger Spieler in der Welt im Moment."
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Mega-Punkt als Kirsche! Djokovic gewinnt Marathon-Satz
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