Koujirou strahlt über das ganze Gesicht. Weißes Hemd, rote Fliege, eine reich dekorierte Geburtstagstorte neben sich, sitzt der kleine Japaner vor einem i-Pad und lauscht der Botschaft seines großen Idols. "Herzlichen Glückwunsch zu deinem sechsten Geburtstag, mein Freund", sagt Novak Djokovic: "Du siehst toll aus, und ich hoffe, wir können uns in Tokio treffen."
In Tokio also. Dort, wo in wenigen Tagen das olympische Tennisturnier beginnt und wo niemand den besten Spieler der Welt nach den Strapazen der letzten Wochen erwartet hatte. Er selbst eigentlich auch nicht, aber jetzt hat der "Djoker" die Entscheidung getroffen: "Ich kann meinen kleinen Freund Koujirou doch nicht enttäuschen. Ich habe meinen Flug nach Tokio gebucht und werde ein stolzer Teil der serbischen Olympia-Mannschaft sein."
Heimatliebe dürfte aber nur ein Randaspekt sein, das große Ziel des Novak Djokovic ist der Golden Slam. Jene bislang nur von Steffi Graf 1988 erreichte Kollektion der vier Grand-Slam-Titel und der olympischen Goldmedaille in einem einzigen Kalenderjahr.
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Graf hatte 1988 bereits die Australian Open, die French Open, Wimbledon und die US Open im Gepäck, als sie im Oktober in Seoul den goldenen Schlusspunkt setzte. Djokovic muss nach Tokio noch den Härtetest US Open bestehen.

Becker: "Das ist eine einmalige Möglichkeit"

Kein ganz leichtes Unterfangen, und doch scheint nach den Eindrücken der letzten Monate kaum ein Gegner für die goldene Mission in Sicht. Zu souverän, zu stark, zu unangreifbar gewann Djokovic in Melbourne, Paris und zuletzt in Wimbledon.
Einzig der Grand Slam, der in der Ära des Profitennis bislang nur dem Australier Rod Laver 1969 gelang, müsse nun Djokovics Ziel sein, hatte ihm sein früherer Trainer Boris Becker via Eurosport geraten: "Alles andere kann und darf ihn auch nicht interessieren, das ist eine einmalige Möglichkeit."
Der Golden Slam aber auch, und in dem Bestreben, tatsächlich einst als der GOAT, der Größte aller Zeiten, in die Tennis-Geschichte einzugehen, konnte Djokovic der Verlockung nicht widerstehen.

Olympia: Federer, Nadal und Thiem fehlen

Die Chancen in Tokio stehen gut. Roger Federer (Schweiz), Rafael Nadal (Spanien) und Dominic Thiem (Österreich) sind aus unterschiedlichsten Gründen nicht dabei, auch der Kanadier Denis Shapovalov, Nummer 14 der Welt, und der positiv auf Corona getestete Australier Alex de Minaur, Nummer 17, fehlen in Japan.
Dabei hatte Djokovic selbst seinen Start in Tokio zuletzt in Zweifel gezogen. Es sei "eine 50:50-Entscheidung", sagte er, nachdem er in Wimbledon mit seinem 20. Grand-Slam-Triumph zu Federer und Nadal aufgeschlossen hatte.
In Tokio kann ihn dann hoffentlich auch wieder Tante Bette vor dem Fernseher begleiten. Den Wimbledonsieg hatte die 92-jährige alte Dame aus Pennsylvania wegen eines Krankenhaus-Aufenthalts verpasst, ihre Nichte Rebecca übermittelte Djokovic deshalb Tante Bettes Glückwünsche via Twitter. Die Antwort kam postwendend: "Bitte lasst Tante Bette wissen, dass es eine Ehre ist, sie als Fan zu haben. Ich wünsche ihr gute Besserung."
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