Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart - Anke Huber im Interview: "Keine Chance, Aryna Sabalenka vom Thron zu stoßen"
Anke Huber kletterte einst bis auf Platz vier der Weltrangliste und ist als Sportliche Leiterin des Porsche Tennis Grand Prix auch heute noch eine der besten Kennerinnen der Szene. Die Situation in Deutschland schätzt die 50-Jährige klar und realistisch ein. Eva Lys sei trotz ihrer erst 23 Jahre "im Moment das Gesicht" des deutschen Frauen-Tennis, sagt Huber im Interview mit Eurosport.de.
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Quelle: Eurosport
Anke Huber wirft noch einen kurzen Blick hinunter auf den Centre Court, macht sich ein Bild von der Lichtshow beim Walk on Court zur Partie zwischen Jelena Ostapenko und Dayana Yastremska.
Als Sportliche Leiterin des Porsche Tennis Grand Prix hat die ehemalige Weltklassespielerin ihre Augen überall - auch auf der schwierigen Situation der deutschen Frauen.
Es sei noch nicht oft vorgekommen, dass Weltranglistenplatz 68 (Lys) ausreicht, um die Beste im Lande zu sein. "Im Moment ist da sonst niemand, also ist Eva die deutsche Nummer eins", so Huber, die sich sehr angetan vom Auftreten der jungen Sportlerin zeigt.
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Gerade bei WTA-Turnieren in Deutschland sei es wichtig, dass die Zuschauer sich mit DTB-Profis identifizieren können, auch wenn Lys in Runde eins chancenlos war gegen Jasmine Paolini (2:6, 1:6). Nervös gemacht aber hätten sie in diesem Jahr die US-Spielerinnen, wie Huber im Gespräch mit Eurosport.de verrät.
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Eva Lys ist mit nur 23 Jahren zu Deutschlands Nummer eins avanciert. Ist sie damit das Gesicht der Zukunft im deutschen Frauen-Tennis?
Huber: Im Moment ist sie das Gesicht, ja. Sie hat sich konstant nach vorne gearbeitet, präsentiert sich sehr gut, positiv und frisch. Wenn sie jetzt noch einen Schritt macht, würde das natürlich helfen. Es ist uns aber generell wichtig, die deutschen Spielerinnen im Feld zu haben, um die Zuschauer mitzunehmen. In dieser Hinsicht spielt Eva eine große Rolle.
Es ist klar, dass der Fokus somit verstärkt auf Eva Lys liegt. Meiner Ansicht nach kann sie damit sehr gut umgehen. Es ist aber ein extremer Druck, keine Frage.
Inwiefern besteht die Gefahr, dass Lys zu sehr vereinnahmt wird, zu stark in den Fokus rückt? Sie sagt, sie sei selbst überrascht, schon jetzt Deutschlands beste Spielerin zu sein.
Huber: Fakt ist: Wir verfügen derzeit in Deutschland nicht über viele Spielerinnen in diesem Altersbereich auf diesem Level. Wir haben zwei, die bereits 37 Jahre alt sind (Laura Siegemund und Tatjana Maria, Anm. d. Red.). Jule Niemeier hat zuletzt nicht die Ergebnisse gebracht, die man erwartet oder sich gewünscht hätte. Im Moment ist da sonst niemand, also ist Eva die deutsche Nummer eins. Es ist klar, dass der Fokus somit verstärkt auf ihr liegt. Meiner Ansicht nach kann sie damit sehr gut umgehen. Es ist aber ein extremer Druck, keine Frage.
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Anke Huber (r.) als Sportliche Leiterin in Stuttgart mit Laura Siegemund
Fotocredit: Getty Images
Sie sind seit vielen Jahren die Sportliche Leiterin des Porsche Tennis Grand Prix, kennen Abläufe und Organisation im Schlaf - gab es trotzdem in der Vorbereitung Überraschungen?
Anke Huber: Tatsächlich war es in diesem Jahr etwas anders, da gleich vier Spielerinnen aus den USA in den Top Ten standen, wobei Emma Navarro jetzt auf Position elf liegt. Wir hatten so unsere Bedenken, ob die wirklich kommen. Bis zum Meldeschluss hatten drei noch nicht zugesagt, was uns etwas nervös gemacht hat.
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Verständlich, die US-Amerikanerinnen haben eine sehr weite Anreise, kommen teils spät zur Sandplatzsaison nach Europa.
Huber: Ja, aber die Erwartung an uns ist schon, möglichst viele Top-Ten-Spielerinnen in Stuttgart zu präsentieren. In den vergangenen Jahren war es so, dass nur ein oder zwei US-Profis unter den besten Zehn des WTA-Rankings zu finden waren. Von daher hatten wir dieses Mal eine veränderte Situation.
Ich erlebe Iga Swiatek sehr locker, lockerer sogar als in den Jahren zuvor. Sie ist aufgeschlossener, offener.
Der Porsche Tennis Grand Prix befindet sich auch in Konkurrenz zu anderen Turnieren, wenn es um die Klasse des Feldes, die Saisonplanung der Stars oder die öffentliche Aufmerksamkeit geht. Wie beurteilen Sie das?
Huber: Der Wettbewerb in Rouen findet zwar parallel zu unserem statt, aber eigentlich ist die Konkurrenz das vorher stattfindende Sandplatzturnier von Charleston in den USA. Mit den Verantwortlichen dort verstehen wir uns aber sehr gut. Die hatten etwas Pech und nicht viele Topspielerinnen in diesem Jahr - aber die Profis wollen nach Europa, um sich auf Sand bestmöglich auf Madrid, Rom sowie Paris vorzubereiten. Es ist generell für viele auf der Tour wichtig, früh hier zu sein. So sehen das die Amerikanerinnen in diesem Jahr auch.
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Mit Iga Swiatek ist in Stuttgart die Dominatorin vergangener Jahre dabei, die zuletzt aufgrund einer Dopingsperre und eines verbalen Angriffs vonseiten eines Zuschauers in Miami mit Problemen zu kämpfen hatte. Welchen Eindruck macht die Polin aktuell auf Sie?
Huber: Ich erlebe sie sehr locker, lockerer sogar als in den Jahren zuvor. Iga ist aufgeschlossener, offener. Sie macht einen sehr positiven Eindruck. Ich habe sie hier ein paar Minuten beim Training gesehen, aber wie gut sie spielerisch darauf ist, kann ich nicht einschätzen.
Ich denke, dass Sabalenka in diesem Jahr dominant bleibt und keine Herausfordererin eine echte Chance hat, sie vom Thron zu stürzen.
Kurios ist auch die Geschichte von Aryna Sabalenka beim Porsche Tennis Grand Prix. Die Nummer eins im Ranking hat zwischen 2021 und 2023 drei Endspiele in Serie verloren, wartet noch auf den Titel. Ist sie die logische Turniersiegerin 2025?
Huber: Eine logische Turniersiegerin gibt es nicht bei dem Feld, das wir in Stuttgart haben - aber natürlich ist Aryna die Favoritin, zusammen mit Iga Swiatek.
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Im WTA-Ranking ergibt sich ein glasklares Bild: Sabalenka führt mit Riesenvorsprung auf Swiatek und den Rest. Bleibt es bei diesen Machtverhältnissen?
Huber: Meiner Meinung nach wird Aryna die gesamte Saison über ganz vorne sein. Sie ist einfach die Konstanteste. Dahinter schätze ich Spielerinnen wie Mirra Andreeva oder Jessica Pegula stark ein. Coco Gauff gehört ebenfalls dazu. Sie hat viel in Europa trainiert, kann auch auf Sand glänzen, wenngleich die Ergebnisse zuletzt nicht so gut waren. Alles in allem denke ich, dass Sabalenka in diesem Jahr dominant bleibt und keine Herausforderin eine echte Chance hat, sie vom Thron zu stürzen.
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Huber.
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