Kohlschreiber stoppt Isner

Philipp Kohlschreiber hat zum ersten Mal in seiner Karriere das Achtelfinale der US Open erreicht. Der 28 Jahre alte Augsburger setzte sich gegen den Weltranglisten-Zehnten John Isner aus den USA nach einer Nachtschicht auf dem Center Court von New York mit 6:4, 3:6, 4:6, 6:3, 6:4 durch.

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Im vierten Duell mit dem 2,06 Meter langen Amerikaner feierte Kohlschreiber nach einer starken Vorstellung den ersten Sieg. Beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres trifft er nun auf den Serben Janko Tipsarevic.
"Ich habe heute richtig gut gespielt. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Spiel und ziemlich happy. Ich habe es genossen", sagte Kohlschreiber nach seinem ersten Auftritt im mit 23.771 Plätzen größten Tennisstadion der Welt.
Wegen einer vorherigen Regenunterbrechung ging das Match erst um 2:26 Uhr Ortszeit in der Nacht zu Ende. Damit stellten die beiden Kontrahenten den Rekord in der Geschichte der US Open ein:
Am 4. September 1993 standen Mats Wilander und Mikael Pernfors in der zweiten Runde ebenfalls bis 2:26 Uhr auf dem Platz. "Ich war so gepusht von der Atmosphäre", berichtete Kohlschreiber später erschlagen und erleichtert. "Da wird man nicht müde, man schaut nicht auf die Uhr."
"Vielleicht gegen 5 Uhr"
Nach dem Rekordmatch für die US-Open-Geschichtsbücher war für Kohlschreiber an Schlaf erst einmal nicht zu denken. "Keine Ahnung, wann ich ins Bett gehe und ob ich schlafen kann. Jetzt gibt es erst einmal 45 Minuten Massage, dann fahr ich ins Hotel, vielleicht wird es gegen 5 Uhr was", sagte der 28-Jährige nach seinem beeindruckenden Auftritt.
Mit starken Nerven, variablem Spiel und vor allem ganz viel Geduld hatte Deutschlands bester Tennisspieler Isner nach 3:20 Stunden Spielzeit in fünf Sätzen niedergerungen. "Es war toll. Ich habe gegen die Nummer eins von Amerika mein bestes Ergebnis hier geschafft. Ich bin überglücklich und will so lange bleiben, wie es geht", sagte Kohlschreiber.
Nächster Gegner ist der an Nummer neun gesetzte Tipsarevic. "Das wird sicher nicht leicht, aber ich glaube nicht, dass er mich vom Platz schießt. Es ist bestimmt was drin für mich", sagte der Ranglisten-20.
Wenn er so spielt wie phasenweise gegen den 2,06 Meter langen Hünen Isner, muss er auch vor Tipsarevic nicht in Ehrfurcht erstarren. Nach seinem eher mühsamen Gang in die dritte Runde gelang es Kohlschreiber erstaunlicherweise ausgerechnet auf dem Center Court gegen einen nationalen Liebling nahezu perfekt, seine Konzentration zu bewahren und sich nicht verunsichern zu lassen. "Spielerisch war es ein extremer Leistungsschub", sagte Kohlschreiber.
Kohlschreiber "verirrt" sich
Egal ob die Zuschauer seine Fehler beklatschten, während der Ballwechsel auf den Tribünen hin- und hertobten oder in den Pausen wahlweise "USA, USA", "Yes, we can" oder "Go, Johnny go" intonierten - Kohlschreiber wirkte bis zum Ende fokussiert.
Nur einmal, nach dem gewonnenen ersten Satz, war er kurz irritiert und marschierte auf die falsche Seite des Platzes. Da hatte er gerade auf der Videoleinwand einen Fan beobachtet, der wie ein Derwisch auf den Rängen tanzte und von den Kameras eingefangen wurde. "Das sind die verrücktesten Tennisfans. Es ist doch schön, wenn die Leute hier so viel Spaß haben", kommentierte Kohlschreiber.
Weniger Spaß hatte am Ende der genervte und von Kohlschreibers Spiel zermürbte Isner. Im fünften Satz schoss er zunächst einen Ball wutentbrannt auf die Tribüne, anschließend behandelte er seinen Schläger auf dem Hartplatz-Boden bis zur Spieluntauglichkeit und kassierte sogar einen Punktabzug. Die Anzeige sprang schließlich auf 2:26 Uhr um, als Kohlschreiber seinen ersten Matchball nutzte und den US-Open-Rekord für die späteste Nachtschicht egalisierte.
Video: Höhepunkte des Matches
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