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Bei den US Open sind die erfolgreichen Spieler im Durchschnitt immer älter als noch vor zehn Jahren

Oldie-Power bei den US Open: Die Erfahrenen setzen sich durch
Von Eurosport

09/09/2015 um 10:40Aktualisiert 09/09/2015 um 10:51

Vieles ist eben doch keine Frage des Alters. Roger Federer ist dafür ein gutes Beispiel. Am Rande der US Open besuchte er mit seiner Familie den Broadway, es lief das Musical "Finding Neverland" - Roger wurde von den Emotionen übermannt. "Ich habe wirklich geweint wie ein Baby", verriet der 34 Jährige. Auch auf dem Court hat der Weltranglistenzweite derzeit keinen Grund, sich alt zu fühlen.

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Die Oldies sind in New York "en vogue". Inklusive Federer waren vier der acht Viertelfinalisten 30 Jahre oder älter - bei den Frauen war ein Quartett in der Runde der letzten Acht sogar 32 Jahre oder älter. Dabei erreichte die Italienerin Roberta Vinci (32) im Big Apple erstmals das Halbfinale eines Grand Slams. "30 ist eben das neue 20", hatte Serena Williams (33) schon vor geraumer Zeit behauptet. Und für Tommy Haas (37) ist das Alter "sowieso nur ein Zahl".

Weil das Tennis physisch so anspruchsvoll geworden sei, achten die Profis mehr auf ihren Körper als früher, glaubt Kerber-Bezwingerin Wiktoria Asarenka (26): "Man ernährt sich gesund und arbeitet viel an seiner Fitness, weil das einfach die Karriere verlängern kann."

Langfristie Qualität mit guter Planung

Die ehemalige Profispielerin und Diplom-Psychologin Eva Pfaff sieht die mentale Frische als einen der Hauptgründe für den Erfolg von Williams & Co. "Zum Teil hatten sie Pausen und langwierige Verletzungen, die ihre Zeit auf der Tour verlängern. Sie sind froh, wieder spielen zu können. Und frisch, weil sie zwangsweise Erholungspausen hatten", sagte die einstige Weltranglisten-17. dem SID. Serena Williams hatte wegen einer lebensgefährlichen Lungenembolie lange aussetzen müssen.

Pfaff glaubt außerdem, dass man eine langfristige Qualität mit guter Planung erreicht, nicht mit Quantität - also einer hohen Anzahl an Turnierteilnahmen. "Das individuelle Pacing ist wichtig im Alter", meinte Pfaff: "Die schlauen Leute ziehen sich hin und wieder zurück, und sie kommen frisch und mit Lust aufs Spielen zurück." Siehe Federer, der in der Vorbereitung auf die US Open auf das Masters in Montreal verzichtete.

Die Einschätzung von Boris Becker, die Jahre als Tennisprofi seien wie Hunde-Jahre, scheint das Haltbarkeitsdatum längst überschritten zu haben. Wie aus einer anderen Zeit erscheint die Tatsache, dass Martina Hingis (Schweiz) 1997 mit 16 Jahren als bislang jüngste Spielerin der Geschichte den Tennis-Thron bestiegen hatte.

Die jungen Wilden scheinen ausgebremst. Der Trend hin zum reifen und erfolgreichen Profi lässt sich mit Zahlen belegen. Im ATP-Ranking von 1995 war keiner unter den ersten 123 Spielern älter als 31 Jahre. Derzeit stehen allein neun Akteure in den Top 25, die 30 Jahre oder älter sind - darunter der kroatische Methusalem Ivo Karlovic (35) als Nummer 21.

Nach einer Erhebung der USA Today lag das Durchschnittsalter der Top Ten bei den Männern 1992 bei 23,2 Jahren - derzeit beträgt es 28,6 Jahre. Der letzte Teenager, der ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat, war 2005 Rafael Nadal bei den French Open. Trainer-Guru Nick Bollettieri glaubt nicht, dass in naher Zukunft wieder ein junger Spund einen Major-Gipfel erklimmt. "Der Faktor Erfahrung spielt mittlerweile eine zu große Rolle", meinte der 84-Jährige.

Gute Karten also für Federer, der sich auch im fortgeschrittenen Alter immer neu erfindet, zuletzt mit einem als Return geschlagenen Halb-Volley von der T-Linie. "Die jungen Burschen rücken nach. Ich musste mein Spiel also wieder entsprechend justieren", erklärte Federer - mit einem fast jungenhaften Grinsen.

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