US Open - Kommentar zu Djokovic: Lasst die Kirche im Dorf

Die Disqualifikation von Novak Djokovic im Achtelfinale gegen Pablo Carreño Busta überschattet die US Open. Der Superstar galt als Turnierfavorit und brachte sich mit einer unüberlegten Aktion selbst zu Fall. Entsprechend groß war der Aufschrei bei Medien, Experten und Fans. Djokovic nun zum Buhmann auszurufen und mit Häme zu überschütten, ist nicht angebracht - aber er muss Konsequenzen ziehen.

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Fotocredit: Eurosport

Ein Kommentar von Tobias Laure
Novak Djokovic hat mit seiner Disqualifikation versehentlich Tennis-Geschichte geschrieben. Versehentlich. Auf dieses Wörtchen kommt es bei der an. Denn der Serbe ist - anders als Roger Federer und Rafael Nadal - ein Weltstar, der polarisiert und aneckt.
Die Versuchung ist groß, den Abschuss der Linienrichterin bei den US Open in eine Reihe fragwürdiger Aktionen zu stellen, die Djokovic in diesem Jahr massive Kritik einbrachten. Aber bitte nicht vergessen: Die heftig umstrittene Ausrichtung der Adria Tour in Zeiten der Corona-Pandemie und die heiß diskutierte Gründung der Spielergewerkschaft PTPA waren bewusste Entscheidungen des Serben.
Der Vorfall mit der Linienrichterin in New York war indes in keiner Weise gewollt und Djokovic hatte unglaubliches Pech, dass der Ball ausgerechnet den Kehlkopf der Frau traf.
Ja, es war eine Verfehlung des Superstars, ein eindeutiger Regelverstoß, die Disqualifikation die einzig richtige Maßnahme. Djokovic hat die Strafe ohne Wenn und Aber angenommen, sich umgehend bei der Linienrichterin entschuldigt.
Es gibt daher keinen Grund, den streitbaren Ausnahmespieler an den Pranger zu stellen.
Die nächsten Monate auf der Tour werden ohnehin schwer genug für Djokovic. Es sei möglicherweise "der schwerste Moment" in der Laufbahn des Weltranglistenersten, glaubt sein ehemaliger Trainer Boris Becker.

Djokovic muss reagieren

Djokovic wäre allerdings schlecht beraten, wenn er die Geschehnisse im Arthur Ashe Stadium einfach abhakt. Der 17-fache Grand-Slam-Turniersieger neigt durchaus zu Wutausbrüchen. Da fliegt schon mal der Schläger und schon kurz vor der Szene mit der Linienrichterin schoss er einen Ball frustriert gegen die Bande.
Djokovic muss Konsequenzen ziehen und den Umgang mit seinen Emotionen verbessern, auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist, dass er erneut in so eine Situation gerät.
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