US Open 2026: Zverev mit der Chance zum zweiten Grand-Slam-Titel - nur ein Sabalenka-Schrei bringt ihn aus der Ruhe
Von Jannik Schneider
Update 11/09/2026 um 11:43 GMT+2 Uhr
Vier Grand-Slam-Halbfinals in einer Saison zu erreichen - das schafften vor Alexander Zverev erst acht Herren-Spieler in der Open Era. Für seine konzentrierte Leistung bei den US Open hat sich der Deutsche Lob verdient. Das reicht Zverev vor dem Halbfinale gegen Karen Khachanov am Freitag jedoch nicht. Der zweite Major-Titel ist greifbar - Boris Becker aber sendet eine Warnung aus.
Alexander Zverev steht im Halbfinale der US Open
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Auf den fünf Trainingsplätze im Schatten des Centre Courts bei den US Open wird in diesen Tagen ein Stückweit Inklusion gelebt. Auf recht engem Raum, ohne Abtrennzäune und direkt nebeneinander trainieren parallel Juniorinnen und Junioren, Teilnehmer der Rollstuhl-Wettbewerbe, Doppel- und Einzelspieler bis hin zu absoluten Superstars.
Am Donnerstag verlängerte Alexander Zverev eine Trainingspause, um den jungen Parasportler Ben Bartram zu beobachten. Der 21-jährige Rollstuhlspieler erfuhr dabei den ein oder anderen Ball, der erstmal unerreichbar schien.
Zverev nickte beeindruckt, schien beeindruckt. Trainingspartner Michail Ledowskich ahmte gar die einhändige Rückhand des Briten nach. Mischa Zverev erklärte seinen Familienmitgliedern, so wirkte es, ein paar Details. Der ältere Zverev-Bruder ist seit einigen Jahren Botschafter und Turnierdirektor der Para Trophy in München - und kennt sich entsprechend aus.
Danach ging es für die Zverevs zurück in die eigenen Trainingsroutinen. Einmal erschreckte Zverev ein Schrei von Aryna Sabalenka, die sich in unmittelbarer Nähe auf ihr Damen-Halbfinale vorbereitete. Zverev und sein Team konnten sich ein Lachen nicht verkneifen.
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Alexander Zverev kämpft um den Einzug ins Finale
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Sabalenka-Schrei erschreckt Zverev
Letztlich war ein ordentlicher Mix zwischen Entspannung, Ablenkung und fokussierten Phasen zu beobachten am Tag vor dem US-Open-Halbfinale gegen Kharen Khachanov.
Ein bisschen was von allem, aber auch mit Luft nach oben. So wie Zverevs bisherige Leistung in New York. "Er hat das gemacht, was er machen musste. Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss", kommentierte Experte Boris Becker bei "Sporteurope.TV" Zverevs souveränen Dreisatzsieg im Viertelfinale gegen Botic van de Zandschulp, mahnte aber gleichzeitig: "Jetzt geht das andere Turnier los. Das Halbfinale bei einem Grand Slam ist ein anderes Tennisturnier."
Mit der Einschränkung: Zverev ist weiterhin der Favorit. Durch das Viertelfinal-Aus von Carlos Alcaraz gegen Ben Shelton verfügt der 29-Jährige über die mit Abstand meiste Erfahrung in den späten Runden der Grand Slams. Zverev gewann 2026 die French Open, stand in insgesamt fünf Grand-Slam-Finals. Die Vorschlussrunde in New York ist bereits sein 13. Grand-Slam-Halbfinale.
Neunter Spieler mit besonderer Rekordmarke
Durch den Einzug ins "Semi" von Flushing Meadows wurde Zverev gar erst zum neunten Spieler in der Open Era des Profitennis (seit 1968), der bei allen vier Grand-Slam-Turnieren innerhalb einer Saison die Vorschlussrunde erreichte.
Zum Vergleich: Gegner Khachanov (21:00 Uhr im Liveticker) und die beiden anderen Halbfinalisten Ben Shelton und Frances Tiafoe stehen zum je dritten Mal im Halbfinale eines Slams. Ein Endspiel erreicht hat noch keiner von ihnen.
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Ivanovic sieht Zverev "unter dem Radar"
Quelle: Perform
Den Erfahrungsschatz- und Vorteil kommentierte Zverev in seiner Pressekonferenz wie folgt: "Je öfter du diese Runden erreichst, desto normaler fühlt es sich an. Aber dieses Gefühl sollte man nie als selbstverständlich erachten. Form und Momentum können sich innerhalb eines Herzschlags ändern. Selbstvertrauen ist sehr wichtig, kann sich aber auch schnell ins Gegenteil verkehren."
Das habe er bei den zurückliegenden Hardcourt-Events und auch in den ersten beiden Runden von New York erlebt, als er sich zweimal über fünf Sätze plagen musste.
Physisch aber, von der Fähigkeit zu regenerieren und auch von der Einstellung her, notfalls "dreckig" gewinnen zu wollen und es mittlerweile auch zu können, ist Zverev vielen Spielern enteilt. Wie bereits in Paris verloren die Hauptkonkurrenten in Zverevs Hälfte - Spieler wie Taylor Fritz, Lorenzo Musetti und Alex de Minaur - erst den Kopf und dann Matches, sodass Zverev bisher keinen Top-20-Gegner besiegen musste.
Khachanov, momentan ebenfalls nur auf Rang 50 gelistet, hatte 2026 ab dem Mastersniveau nur einmal das Viertelfinale erreicht, kurz vor den US Open sein Schlägermaterial gewechselt. Nun überzeugt er ähnlich wie Zverev mit einem soliden Grundlinienlevel, Erfahrung und guter Physis. "Wir nennen ihn den Professor", erklärte Zverev am Donnerstag.
Zverev über Khachanov: "Tüftelt mehr als viele andere"
"Er kennt jede Bespannung eines Gegners, Statistiken alles", begründete der Grand-Slam-Sieger, der seinen russischen Kontrahenten seit rund 20 Jahren und noch aus Juniorenzeiten kennt. "Ein Freund", gegen den Zverev sich 2021 Olympisches Gold sicherte und von dem er viel hält.
"Von manchen denkt man das ja nicht, aber er verbringt sehr viel Zeit auf den Trainingsplätzen, tüftelt mehr als viele andere", erzählte der Deutsche.
Am Freitag, so Zverev, werde es darauf ankommen, wer konstanter mehr Druck von der Grundlinie erzeugen könne. Leicht genervt präsentierte sich Zverev von der früheren Ansetzung samt dem Umstand, dass das amerikanische Duell zwischen Shelton und Tiafoe später stattfindet, obwohl die Spieler einen Tag mehr Regenerationszeit zur Verfügung hatten.
Zverev hatte seine bisherigen fünf Spiele beim Grand-Slam-Turnier in New York jeweils unter Flutlicht im Arthur Ashe Stadium absolviert - jetzt muss er um 15:00 Uhr Ortszeit (21:00 Uhr MESZ) ran.
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Karen Khachanov trifft im Halbfinale der US Open auf Alexander Zverev
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”Das habe ich in meinen zwölf Jahren auf Tour noch nie erlebt", kritisierte der Deutsche, lenkte aber gleich wieder ein: "Es ist, wie es ist. Es sind zwei Amerikaner im Halbfinale, ich kann verstehen, dass sie abends spielen wollen." In der Vergangenheit, auch das gehört zur Wahrheit dazu, gab es bei den US Open vergleichbare Ansetzungen.
Zverev jedenfalls setzte seine Trainingseinheiten am Donnerstag auf den früheren Nachmittag, um unter vergleichbaren Bedingungen zu testen. Quasi als Plus obendrauf durfte er die Qualitäten eines talentierten Parasportlers hautnah verfolgen. Eine Situation, die es fast nur bei den Grand Slams gibt.
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