US Open: Carlos Alcaraz nach langer Pause mit starkem Comeback, aber auch Zweifeln: "Ich werde nicht lügen ..."
Von Alex Frieling
Update 01/09/2026 um 17:54 GMT+2 Uhr
Carlos Alcaraz hat bei seinem Comeback nach 139 Tagen eindrucksvoll viele Zweifel an seiner Form und Fitness ausgeräumt. Beim souveränen Auftaktsieg bei den US Open zeigte der Spanier phasenweise bereits wieder sein bestes Tennis. Dabei hatte Mats Wilander vor dem Turnier noch Geduld angemahnt. Alcaraz selbst sandte nach dem Match vor allem mit Blick auf sein Handgelenk positive Signale.
Nach 139 Tagen ohne Match: Carlos Alcaraz überraschte in der ersten Runde der US Open
Fotocredit: Getty Images
"Wenn du ihm drei Matches gibst, bleibt er im Turnier und spielt vielleicht das beste Tennis seiner Karriere." Mats Wilander hatte vor dem Start der US Open eine recht klare Vorstellung davon, was Carlos Alcaraz nach seiner monatelangen Zwangspause benötigen würde: Zeit.
Nach dem ersten Auftritt des Spaniers in New York stellt sich allerdings die Frage, ob es tatsächlich drei Matches braucht.
Beim 6:4, 6:4, 6:4 gegen Roman Safiullin wackelte Alcaraz nur kurz, ehe phasenweise bereits wieder jener Spieler zu erkennen war, der mit seiner Mischung aus Athletik, Kreativität und kompromissloser Offensive kaum zu kontrollieren ist.
Die Vorhand kam mit der gewohnten Wucht, der Titelverteidiger suchte immer wieder den Weg ans Netz, scheute intensive Läufe nicht und zauberte auch den einen oder anderen außergewöhnlichen Schlag aus dem Repertoire. Und das 139 Tage nach seinem letzten Einzelmatch.
Henman über Alcaraz: "Mit allen Aspekten zufrieden"
Gerade deshalb war vor dem Turnier schwer einzuschätzen gewesen, in welcher Verfassung Alcaraz bei den US Open antreten würde. Die lange Pause aufgrund seiner Handgelenksprobleme hatte nicht nur Fragezeichen hinter seiner spielerischen Form hinterlassen. Bei einem Grand-Slam-Turnier im Best-of-five-Modus geht es schließlich vor allem darum, wie sein Körper auf die Belastung reagieren würde.
Anlaufschwierigkeiten waren gegen Safiullin jedoch erstaunlich wenige zu erkennen.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/09/01/image-30927506-703c-4847-87e7-4b7e18c292e9.jpeg)
Carlos Alcaraz spielte bei seinem Erstrundenmatch der US Open groß auf
Fotocredit: Getty Images
Das sah auch Tim Henman so. Hätte Alcaraz vor der Partie selbst bestimmen dürfen, wie sein Comeback verlaufen sollte, hätte er wohl genau dieses Szenario gewählt, analysierte der frühere Weltranglistenvierte bei "Sky Sports": Einen Sieg in drei Sätzen, einige Drucksituationen und etwas mehr als zwei Stunden Arbeit.
"Genau das hat er heute bekommen", erklärte Henman: "Er und sein Team werden mit allen Aspekten dieses Matches sehr zufrieden sein."
Ähnlich positiv fiel das Urteil von Álex Corretja aus. Der frühere Weltranglistenzweite sprach bei "El Larguero" von einem "mehr als akzeptablen Debüt". Nach so vielen Monaten ohne Wettkampf sei es von "unschätzbarem Wert", gegen einen Spieler wie Safiullin keinen Satz abzugeben.
Corretja hebt mentale Komponente bei Alcaraz hervor
Corretja machte gleichzeitig deutlich, dass die eigentliche Herausforderung bei einem solchen Comeback nicht ausschließlich körperlicher Natur ist. "Es ist eine mentale Angelegenheit, weil du anfängst, daran zu zweifeln, wie du reagieren wirst, ob Zweifel aufkommen oder ob du wieder irgendwelche Beschwerden spürst", erklärte der ATP-Weltmeister von 1998.
Dass genau diese Gedanken auch Alcaraz beschäftigten, räumte der 23-Jährige anschließend selbst ein. "Es gab während des Matches einige Zweifel, ich werde nicht lügen", sagte er. Dabei sei ihm unter anderem durch den Kopf gegangen, ob sein Körper der Belastung eines Best-of-five-Matches standhalten würde.
Alcaraz versuchte, diese Gedanken auszublenden und sich auf sein Spiel zu konzentrieren. Die für seinen weiteren Turnierverlauf wohl wichtigste Erkenntnis formulierte der Weltranglistendritte anschließend ziemlich eindeutig: "Körperlich habe ich mich wirklich gut gefühlt."
Noch wichtiger: Auch das zuletzt so problematische Handgelenk bereitete keine Schmerzen mehr. "Ja, das Handgelenk ist schmerzfrei. Ich fühle mich großartig", sagte Alcaraz. Er habe das Gefühl gehabt, den Ball wieder normal schlagen und seinen gewohnten Tennisstil spielen zu können. Arm und Handgelenk hätten sich "großartig" angefühlt.
Kann Alcaraz die Leistung nun bestätigen?
Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Ein überzeugendes Auftaktmatch ist noch kein Beweis dafür, dass der Körper bereits zwei Wochen Grand-Slam-Tennis verkraftet. Auch Corretja mahnte deshalb zur Vorsicht. Entscheidend sei laut dem zweimaligen French-Open-Finalisten nun, dass die Beschwerden mit zunehmender Spielzeit und der Belastung mehrerer Matches nicht zurückkehren. "Das ist erst der Anfang für ihn", betonte der 52-Jährige.
Alcaraz selbst glaubt derweil, dass der Auftritt gegen Safiullin tatsächlich erst der Startschuss war. "Das Tennisniveau wird besser werden", kündigte er vor seinem Zweitrundenmatch gegen den Portugiesen Jaime Faria an. Für seinen ersten Auftritt seit vier Monaten sei er bereits "wirklich glücklich" mit seiner Leistung.
Nun müsse er wieder in den Rhythmus von Turnieren und Matches kommen. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich von Tag zu Tag besser werde."
Für die Konkurrenz dürfte gerade das nach diesem Auftakt keine besonders angenehme Aussicht sein. Denn Wilander ging vor den US Open davon aus, dass Alcaraz drei Matches benötigt, ehe möglicherweise wieder sein bestes Tennis zum Vorschein kommt. Nach Match Nummer eins ist der siebenmalige Grand-Slam-Champion diesem Punkt womöglich schon näher als gedacht.
Das könnte Dich auch interessieren: Osaka setzt nächstes Mode-Statement: Tribut an US-Superstar
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung