Wimbledon 2016 - Titel (fast) erobert, Rio im Fokus: Kerber hat Lust auf mehr

Die Tränen von Wimbledon waren schnell getrocknet, das nächste große Ziel schon ins Auge gefasst: eine Medaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Als neue Königin der Herzen verließ Angelique Kerber das Rasen-Mekka mit einem Lächeln. Sie hatte Großes geleistet.

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Kerber hatte trotz ihrer 5:7, 3:6-Endspielniederlage gegen Serena Williams eine Menge Selbstvertrauen im Gepäck. "Ich bin jetzt angekommen und weiß, dass ich noch weitere Finals spielen kann - und dann mit anderem Ergebnis", die Nummer zwei der Welt.
Mit der Familie und ihrem Team ging es nach dem Match erst zu einem Italiener in Wimbledon. Anschließend zogen Kerber und ihr Anhang weiter in die Londoner Innenstadt.
Auch Steffi Graf, die als letzter deutscher Profi 1996 Wimbledon gewonnen hatte, war beeindruckt von der Leistung Kerbers. "Toll gemacht, Angelique. Sie hat Deutschland mit ihrem Talent und ihrem Kampfgeist stolz gemacht!", schrieb Graf bei Facebook.
Kerber war die Genugtuung darüber anzumerken, dass sie es allen gezeigt hatte, die ihren Triumph bei den Australian Open Ende Januar als "One-Hit-Wonder" abgetan hatten. "Da gab es schon einige. Aber ich weiß jetzt, dass ich niemandem mehr etwas beweisen muss. Das ist mein Weg - und den werde ich genauso weitergehen", sagte die 28-Jährige mit entschlossener Stimme.

"Natürlich enttäuscht, aber auch stolz"

Ähnlich entschlossen hatte Kerber zuvor Topfavoritin Williams in einem der besten Grand-Slam-Frauenfinals der letzten Jahre die Stirn geboten. "Ich habe dieses Spiel nicht verloren, Serena hat es gewonnen. Das macht es angenehmer. Ich bin natürlich enttäuscht, aber auch stolz", meinte Kerber, die durch ihre couragierte Spielweise zum Publikumsliebling avancierte: "Die Zuschauer waren am Ende auf meiner Seite. Dieses Gefühl ist viel wert."
Die altehrwürdige Times schwärmte am Sonntag von dem Duell: "Unsere Glückwünsche gehen an Serena Williams, unsere Dank an Angelique Kerber. Die Deutsche kam, um zu kämpfen, und machte ein denkwürdiges Finale zum Spektakel."

Serenas Aufschlag entscheidend

Das schönste Kompliment kam aber von der frischgebackenen siebenmaligen Wimbledonsiegerin Williams, die mit ihrem 22. Grand-Slam-Coup die Bestmarke von Steffi Graf egalisierte. "Ich liebe es, gegen Angie zu spielen. Sie holt immer das Beste aus mir heraus", lobte Williams und umklammerte die Venus-Rosewater-Siegtrophäe.
Ikone John McEnroe nannte die Leistung der 34-Jährigen "übermenschlich". Doch Bundestrainerin Barbara Rittner blickte voller Zuversicht in die Zukunft: "Serena ist am Limit, auch altersmäßig. Angie kann länger spielen, von daher bin ich da ganz ruhig", sagte Rittner bei Sky.
In dieser Form allerdings scheint Williams unschlagbar. Famos, wie sie den einzigen Breakball der Kielerin beim Stand von 3:3 im zweiten Satz mit einem Ass (rund 190 km/h) abwehrte. "Serenas Aufschlag war der Schlüssel. Ohne ihn wäre das Spiel wahrscheinlich anders ausgegangen", sagte Kerber, der bei ihrer Rede auf dem Heiligen Rasen kurz die Stimme brach.

"Olympische Medaille schon immer mein Kindheitstraum"

Oben in der Box hielt Mutter Beata die bewegenden Szenen mit dem Smartphone fest. "Jetzt lege ich erstmal ein paar Tage den Schläger aus der Hand, dann greife ich wieder an", sagte Kerber mit Blick auf die Sommerspiele in Rio (5. bis 21. August): "Eine olympische Medaille war schon immer mein Kindheitstraum", meinte "Angie".
Allerdings warnte sie auch vor zu hohen Erwartungen. "Ich werde nicht bei jedem Turnier im Finale stehen können. Aber ich weiß jetzt, was ich machen muss, um dahinzukommen. Und darüber bin ich erleichtert."
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung