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Wimbledon 2018: 5 Gründe für einen deutschen Wimbledonsieg

5 Gründe für einen deutschen Wimbledon-Sieg

10/07/2018 um 21:25Aktualisiert 12/07/2018 um 13:35

Mit Angelique Kerber und Julia Görges stehen zum ersten Mal seit 1993 wieder zwei deutsche Damen in einem Grand-Slam-Halbfinale. Allein deswegen ist die Chance auf den ersten deutschen Wimbledon-Sieg seit Steffi Graf (1996) so groß wie nie. Eurosport.de nennt fünf Gründe für einen deutschen Turniersieg beim wichtigsten Tennisturnier der Welt:

1. Favoritin Kerber zehrt von Erfahrung

Unter den vier verbleibenden Spielerinnen des Wimbledon-Halbfinals ist Serena Williams fraglos die erfahrenste. Insgesamt 23 Grand-Slam-Titel heimste die Amerikanerin in ihrer einzigartigen Karriere ein, nur Margaret Smith Court (24) war in dieser Hinsicht erfolgreicher. Doch hinter der alles überstrahlenden Williams folgt auf der Grand-Slam-Erfahrungsrangliste schon die deutsche Nummer eins Angelique Kerber. In ihrem Superjahr 2016 stand sie bis auf bei den French Open in jedem Major-Finale, gewann in Melbourne (Australian Open) und New York (US Open).

Angelique Kerber gewann im Januar 2016 die Australian Open

Angelique Kerber gewann im Januar 2016 die Australian OpenSID

Von diesen Erfahrungen zehrt sie in der jetzigen Turnierphase. Kerber kann mit Drucksituationen bestens umgehen, ist die Atmosphäre während großer Matches auf großen Courts gewöhnt. Gegen Serena hat die Deutsche ohnehin noch eine Rechnung aus dem Finale 2016 offen. Wie schwer der Druck eines Wimbledon-Finals wiegen kann, konnte man 2013 am Auftritt von Sabine Lisicki sehen. Damals verlor die Berlinerin 1:6, 4:6 gegen Marion Bartoli.

2. Görges und Kerber laut Setzliste Favoriten

Eigentlich ist es ganz einfach. Keine Spielerin aus den Top 10 der Setzliste ist mehr im Turnier. Durch das Favoritensterben in der ersten Woche ist Kerber, eigentlich an Position elf gesetzt, nun laut Setzliste die Topanwärterin auf den Titel.

Ostapenko, Kerbers Kontrahentin im Halbfinale, ist an Position zwölf gesetzt. Auch Görges (13) ist gegen Williams (25) zumindest auf dem Papier die Favoritin. Setzen sich die jeweiligen Halbfinal-"Favoritinnen" durch, gibt es zwangsläufig eine deutsche Siegerin an der Church Road. Was soll da noch schiefgehen?

3. Serena Williams nicht bei 100 Prozent

Dass die vielleicht beste Tennisspielerin aller Zeiten derzeit bei ihrem Lieblingsturnier, das sie insgesamt schon sieben Mal gewinnen konnte, nur an Position 25 gesetzt ist, liegt nicht etwa daran, dass sie das Tennisspielen verlernt hat, sondern an ihrer kürzlich zur Welt gekommenen Tochter Alexis Olympia.

Über ein Jahr musste Williams wegen ihrer Schwangerschaft pausieren. Dass sie noch nicht bei 100 Prozent sein kann, liegt nahe. Dass sie es definitiv nicht ist, haben ihre bisherigen Auftritte in diesem Jahr gezeigt. Ihr Comeback gab sie im März in Indian Wells, wo sie in der dritten Runde gegen Schwester Venus Williams ausschied. Beim zweiten Teil des Sunshine-Doubles in Miami war schon in der ersten Runde Schluss.

Bei den French Open scheiterte sie im Achtelfinale. In Wimbledon zeigt sich Serena zwar deutlich formverbessert, doch auch das Viertelfinale gegen Camila Giorgi hat gezeigt, dass die Spritzigkeit noch nicht ganz da ist. Schlaghärte alleine reicht gegen Kerber und Görges nicht. Sprich: Der achte Titel im All England Tennis Club wäre eine faustdicke Überraschung, auch wenn er ihr zuzutrauen ist.

4. Görges' bestes Karrierejahr

Görges begann das Tennisjahr 2018 mitten im besten Lauf ihrer Karriere. Beim ersten Turnier des Jahres in Auckland, einem Vorbereitungsturnier für die Australian Open, schlug sie die damalige Nummer eins Caroline Wozniacki und heimste somit den dritten WTA-Titel in Serie ein (Ende 2017 gewann sie erst in Moskau und anschließend Zhuhai). Auch wenn bis jetzt kein weiterer Turniersieg hinzukam, ist unbestritten: Görges spielt das beste Jahr ihrer Karriere - und genau das ist ihr großer Trumpf.

Angelique Kerber und Jelena Ostapenko befinden sich zwar nah am Leistungsmaximum, haben aber noch Luft nach oben. Williams ist von allen vier Halbfinalistinnen die formschwächste. Görges‘ Selbstvertrauen ist ob ihrer starken Saison gestählt, das weiß auch die Konkurrenz. In der entscheidenden Turnierphase könnte genau das den Unterschied ausmachen.

5. Deutschland braucht sein Sommermärchen

Nach dem deutschen Vorrunden-Aus bei der Fußball-WM in Russland müssen die Tennis-Damen für das eigentlich fest eingeplante Sommermärchen sorgen. Die Chancen stehen fast historisch gut, denn 50 Prozent der im Turnier verbliebenen Spielerinnen sind nun einmal deutsch. Zudem ist die auf dem heiligen Rasen von Wimbledon sonst fast unschlagbare Serena Williams schlagbar.

"Wenn nicht jetzt, wann dann?", müsste das Motto also heißen - und das hat 2007 auch schon zu einem vergleichbaren Titel geführt. Damals wurden Deutschlands Handballer mit dem Ohrwurm der rheinischen Band "Die Höhner" im Kopf Weltmeister im eigenen Land.

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