"Ich würde es selbst gerne wissen, um ehrlich zu sein."
Alexander Zverevs erste Reaktion auf der Pressekonferenz auf sein frühes Aus in der vierten Runde von Wimbledon sprach Bände. Angesprochen auf die Gründe seiner Niederlage hatte der Hamburger zunächst keine Erklärung parat.
Gegen den an Position 16 gesetzten Félix Auger-Aliassime unterlag Zverev nach 4:02 Stunden mit 4:6, 6:7 (6:8), 6:3, 6:3, 4:6. Aus war der Traum vom ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere.
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Dabei hatte die Nummer sechs der Welt zuletzt gerade auf den großen Bühnen geliefert. Finale bei de US Open, Viertelfinale bei den Australian Open und zuletzt Halbfinale bei den French Open. Zverev schnupperte bereits am süßen Geruch eines großen Triumphs.

Wimbeldon und Zverev ist keine Liebesbeziehung

Doch Wimbledon bleibt das Grand-Slam-Turnier, mit dem der Hamburger nicht so richtig warm wird. Sechsmal schlug Zverev auf dem heiligen Rasen bislang auf, nie ging es weiter als bis in die Runde der letzte 16 (2017 & 2021).
Dabei sind die Ansprüche der deutschen Nummer eins inzwischen die allerhöchsten. "Ich möchte Grand-Slam-Titel holen, aber dafür muss ich viel, viel besser spielen. Ich habe in der vierten Runde verloren und für mich ist das viel zu früh", meinte Zverev nach seinem Aus.
Dabei kam Zverev mit viel Selbstbewusstsein aus Paris nach London. Anders als so häufig in den ersten Runden bei einem Grand-Slam, wirkte der 24-Jährige sofort voll fokussiert.
Gegen Tallon Griekspoor (Niederlande) und Tennys Sandgren (USA) setzte er sich in den ersten Runden jeweils glatt in drei Sätzen durch. Auch die knifflige Aufgabe mit Taylor Fritz (USA) in der dritten Runde löste er letztendlich souverän.
Gegen Auger-Aliassime war Zverev erneut klarer Favorit. In allen Duellen zuvor mit dem Mann aus Montréal gab die Nummer vier der Wimbledon-Setzliste noch nie einen Satz ab. Dreimal feierte der Deutsche deutliche Siege, zuletzt im Finale beim ATP-Hallenturnier in Köln im vergangenen Oktober (6:3, 6:3).

Alexander Zverev in Wimbledon

Fotocredit: Getty Images

Wimbledon: Zverev kämpft und hadert mit seinem Aufschlag

Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz nach dem Match gegen Auger-Aliassime machte Zverev dann doch den Hauptgrund für sein Ausscheiden aus. "Ich habe das Match verloren wegen meines Aufschlags, das ist kein Geheimnis."
Satte 20 Doppelfehler servierte Zverev gegen Auger-Aliassime, schlug zudem für seine Verhältnisse wenige Asse (neun). Bei seinem zweiten Aufschlag wackelte der Hamburger enorm, nur 34 Prozent der Punkte machte er über diesen. Zudem gab er sein Service mehrfach in spielentscheidenden Situationen ab.
Mit seinem Aufschlag hatte Zverev in der Vergangenheit immer wieder Probleme, oftmals ließ ihn sein Service gerade in wichtigen Momenten im Stich. In Wimbledon schien er in den ersten Runden dieses Problem zunächst in den Griff bekommen zu haben. Doch gegen Auger-Aliassime verfiel der 24-Jährige wieder in alte Muster.
"Um ehrlich zu sein, tut es nicht so sehr weh, weil ich nicht mal ansatzweise an mein Level herangekommen bin, das ich bei einem Grand-Slam-Turnier spielen sollte", überraschte Zverev mit seiner Aussage nach der Niederlage.
"Die nächsten Spiele wären noch schwieriger geworden und mein Niveau war einfach nicht gut genug, um den Titel hier zu holen", fügte der Hamburger an. Mit seinen Unsicherheiten beim eigenen Aufschlag wäre dies in der Tat schwergeworden.

Wimbledon: Zverev will nach kurzer Pause bei Olympia angreifen

Die Ratlosigkeit über das Aus stand Zverev ins Gesicht geschrieben. Diese Niederlage kam für ihn unerwartet und hat ihn schwer getroffen. Es war ein klarer Rückschlag in seiner noch jungen Karriere.
Zverev verließ nach nur fünf Minuten und einigen schmallippigen Antworten bereits das Podium der Pressekonferenz wieder. Für weitere Interviews stand er anschließend nicht zur Verfügung.
Er wolle sich "erstmal ein paar Tage Pause nehmen" und dann "versuchen für Olympia fit zu sein", meinte Zverev noch zuvor über seine weiteren Pläne.
Bis zum Start des olympischen Tennisturniers in Tokio am 24. Juli hat Zverev nun rund zweieinhalb Wochen Zeit, diese Niederlage zu verdauen. Dann will er im Einzel, im Doppel an der Seite von Jan-Lennard Struff und wohl auch im Mixed mit Angelique Kerber auf die Jagd nach olympischen Medaillen gehen.
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