Unersättlich und einfach unaufhaltsam: Auf seiner furiosen Rekordjagd hat Novak Djokovic den nächsten historischen Meilenstein erreicht und den Golden Slam endgültig ins Visier genommen. Am Sonntag gewann der Weltranglistenerste in Wimbledon gegen den Finaldebütanten Matteo Berrettini seinen 20. Grand-Slam-Titel. Damit hievte sich der 34-jährige Serbe in der ewigen Bestenliste auf die oberste Stufe zu seinen großen Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal.
Mit dem 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 6:3 gegen Berrettini, der als erster Italiener überhaupt im Wimbledon-Endspiel stand, triumphierte Djokovic zum dritten Mal in Folge beim Rasen-Klassiker, zum sechsten Mal insgesamt. Und nach dem besten Saisonstart seit 52 Jahren ist für ihn auf einmal sogar scheinbar Unerreichbares greifbar nah.
Seit der australischen Ikone Rod Laver 1969 war es keinem Spieler mehr gelungen, die ersten drei Major-Turniere eines Jahres für sich zu entscheiden. Mit einem Sieg bei den US Open kann Djokovic wie damals Laver den legendären Grand Slam perfekt machen. Und mit Olympia-Gold in Tokio ist sogar der Golden Slam wie einst 1988 bei Steffi Graf drin.
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An diesem geschichtsträchtigen Tag sorgten auch die Organisatoren in Wimbledon für ein (längst überfälliges) Novum. Als erste Frau überhaupt leitete die kroatische Schiedsrichterin Marija Cicak das Herrenfinale im All England Club.

Wimbledon: Berrettini ärgert Djokovic in Satz eins

Djokovic startete nervös ins Match und servierte gleich einen Doppelfehler. Insgesamt waren es in den ersten beiden Aufschlagspielen derer drei. Berrettini hatte gleich zu Beginn einen Breakball, konnte diesen aber nicht nutzten.
Das Match begann spielerisch zerfahren, da auch der Italiener zu Beginn weit von seiner Bestleistung entfernt war. Immer wieder patzte der 25-Jährige von der Grundlinie sowohl mit der Rückhand als auch seiner so gefürchteten Vorhand.
Djokovic war der erste der beiden Spieler, der es schaffte, Ruhe in sein Spiel zu bekommen, er nutzte direkt seinen ersten Breakball zum 3:1. Anschließend blieben beide Finalisten bei eigenem Service bis zum 5:3 konstant, sodass der Serbe zum Satzgewinn aufschlug.
Doch dann wackelte die Nummer eins der Welt auf einmal. Berrettini spielte in dieser Phase aggressiver und nahm Djokovic den Aufschlag ab. In der Folge ging es in den Tiebreak.
Dort erspielte sich der Italiener eine schnelle 3:0-Führung, insbesondere die Vorhand funktionierte nun. Djokovic kam zwar noch einmal auf 3:3 zurück, doch mit zwei starken Vorhandwinnern zog Berrettini auf 5:3 davon. Beim Stand von 6:4 schlug er dann ein Ass und machte nach 70 Minuten den Satzgewinn perfekt.

Matteo Berrettini im Wimbledon-Finale gegen Novak Djokovic

Fotocredit: Getty Images

Wimbledon: Djokovic ist sofort da in Satz zwei

Zu Beginn des zweiten Satzes war Djokovic dann aber sofort da. Trotz zweier Spielbälle konnte Berrettini seinen Aufschlag nicht halten. Noch schlimmer: Gleich im nächsten Servicegame gab er seinen Aufschlag erneut ab. Doppelbreak für Djokovic.
Der Serbe zog anschließend schnell auf 4:0 davon. Er dominierte bis dahin den zweiten Satz, machte nur wenige Fehler und hob sein Niveau deutlich an.
Bei 5:2 schlug Djokovic dann zum Satzgewinn auf, wackelte in der Folge jedoch. Berrettini holte sich das Break und verkürzte im Anschluss auch auf 4:5.
Doch die Nummer eins der Welt blieb cool. Mit vier schnellen Punkten sicherte sich Djokovic zu null das Spiel und mit 6:4 den Satz. 43 Minuten dauerte dieser, der Satzausgleich war geschafft.

Novak Djokovic im Wimbledon-Finale gegen Matteo Berrettini

Fotocredit: Getty Images

Wimbledon: Djokovic schreibt Tennis-Geschichte

In Durchgang drei starteten beide zunächst souverän in ihre ersten Aufschlagspiele. Doch erneut kassierte Berrettini ein frühes Break. Der Italiener gab sein Service zum 2:1 ab. Auffällig: Auf der Vorhandseite hatte der Final-Debütant besonders häufig mit Problemen zu kämpfen.
Djokovic ließ bei eigenem Aufschlag anschließend nichts mehr zu. Berrettini hatte in diesem Satz keinen Breakball und musste nach 47 Minuten den Durchgang abgeben und lag nun 1:2 in den Sätzen hinten.
Im vierten Satz hielt Berrettini bis zum 3:3 gut dagegen. Doch dann zeigte der 25-Jährige beim Aufschlag plötzlich Schwächen und Djokovic dominierte die Mehrzahl der Ballwechsel. Schließlich schaffte der Serbe nach mehrfachem Einstand das Break zum 4:3.
Anschließend brachte er sein eigenes Service problemlos durch und drückte dann bei Aufschlag Berrettini auf die Entscheidung. Nach 3:24 Stunden verwandelte der 34-Jährige seinen dritten Matchball.

Wimbledon: Djokovic hat perfekte Saison im Visier

"Es war ein sehr schwieriges Match, Matteo ist ein super Spieler und hat klasse gespielt. In Wimbledon zu gewinnen, war immer ein Traum als Kind für mich. Hier zu gewinnen ist nie selbstverständlich, es ist etwas ganz Besonderes und das jetzt zum sechsten Mal geschafft zu haben, ist unglaublich", sagte Djokovic nach seinem 20. Grand-Slam-Titel.
Djokovic zog mit den bisherigen Rekordhaltern Roger Federer und Rafael Nadal in puncto gewonnener Grand-Slam-Titel gleich. Die Bedeutung dieses Triumphes in Bezug auf seine großen Rivalen ordnete der Serbe dann wie folgt ein:
"Es bedeutet, dass keiner von uns dreien aufhören wird. Ich muss auch einen großen Tribut an Roger und Rafa zeugen, sie sind Tennis-Legenden. Ich muss auch ihnen danken, weil sie mich zu dem Spieler gemacht haben, der ich bin. Am Anfang meiner Karriere habe ich so häufig gegen sie verloren. Doch dann habe ich es geschafft immer besser zu werden und meine Karriere ist noch lange nicht zu Ende."
Für dieses Jahr peilt Djokovic nun die perfekte Saison an. "Ich glaube, dass ich es schaffen kann, den Grand-Slam zu holen. Ich werde es definitiv probieren, denn ich bin in großartiger Form. Mein Fokus zu diesem Zeitpunkt in meiner Karriere liegt darauf, um Grand-Slam-Titel zu spielen."
Und auch der unterlegene Berrettini erkannte die Dominanz seines Gegners an: "Novak war der bessere Spieler und hat verdient gewonnen. Deshalb hat er nun auch Tennis-Geschichte geschrieben und ist einer der größten Spieler der Tennis-Geschichte", erkannte auch der unterlegene Berrettini nach seinem ersten Grand-Slam-Finale anerkennend an."
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(mit SID)

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