2016 traf Alexander Bublik eine Entscheidung, die großen Einfluss auf seine spätere Karriere haben sollte. Der in der russischen russischen Oblast Leningrad geborene Tennisprofi wechselte seine Staatsbürgerschaft und trat ab 2017 für Kasachstan an.
Würde Bublik heute noch für Russland spielen oder einen russischen Pass besitzen, er hätte seine Teilnahme in Wimbledon in diesem Jahr in den Wind schreiben können. Die Turnierveranstalter im All England Lawns Tennis Club haben auf den Krieg in der Ukraine mit dem Ausschluss russischer und belarussicher Profis reagiert.
"Es ist eine Entscheidung der Regierung und der Veranstalter. Sie haben das Recht dazu", sagt Bublik im Gespräch mit Eurosport.de. Komplett einverstanden ist der 24-Jährige mit der Maßnahme aber nicht.
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Das Interview führte Tobias Laure
Sie haben in dieser Saison erstmals die Top 30 in der Weltrangliste erreicht, es scheint gut zu laufen. Was haben Sie verändert?
Alexander Bublik: Ich weiß es wirklich nicht.
Sie wissen es nicht?
Bublik: Es sind mehr die kleinen Dinge. Im Tennis musst du permanent Anpassungen vornehmen, fast täglich. Wir picken mal das eine, mal das andere heraus und versuchen es weiterzuentwickeln. Aber es gibt nicht die eine große Sache, die ich da nennen könnte.
Im Februar haben Sie in Montpellier Ihren ersten Titel auf der ATP Tour gewonnen und im Finale Alexander Zverev geschlagen. Ein Wendepunkt in ihrer Karriere?
Bublik: Nein, kein Wendepunkt. Ich habe Sascha auch zuvor schon geschlagen. Welche Auswirkungen der Sieg gegen ihn in Montpellier haben wird, werden wir erst später beurteilen können.

Deutliche Niederlage: Zverev lässt Titel-Chance gegen Bublik liegen

Montpellier war Ihr fünftes Finale auf der Tour, die ersten vier in Newport, Chengdu, Antalya und Singapur haben Sie verloren. Weil Sie nervös waren?
Bublik: Nein, ich bin nie nervös in Endspielen. Wenn es um den Titel geht, spielt die mentale Komponente eine große Rolle - und auch das Glück. Davon hatte ich in meinen ersten Endspielen nicht genug. In zwei meiner Finals habe ich nach Sätzen geführt, einmal musste ich verletzt aufgeben. Ich wollte meinen ersten Titel nie mit aller Macht holen, denn mir war klar, dass ich so viel Pech gar nicht haben kann, dass es irgendwann nicht klappt. Mein Selbstvertrauen war immer da. Ich wusste, dass ich auf meine Chance warten muss, weil sie kommen wird.
Sie sind in Russland geboren, spielen aber seit 2017 für Kasachstan. Wäre es nicht so, könnten Sie in diesem Jahr in Wimbledon nicht antreten, weil die Veranstalter aufgrund des Krieges russische und belarussische Profis ausgeschlossen haben. War das in Ihren Augen die richtige Entscheidung?
Bublik: Ich will gar nicht beurteilen, ob es richtig oder falsch ist, aber ich sage Ihnen gerne, wie ich darüber denke. Es ist eine Entscheidung der Regierung und der Veranstalter. Sie haben das Recht dazu. Sport ist für mich aber auch eine Ablenkung vom normalen Leben, wenn man so will – und keine Sportart sollte allzu sehr mit Politik vermischt werden. Es geht doch darum, dass du es dir mit einem Bier vor dem TV-Gerät gemütlich machst und deinen Lieblingsspieler oder dein Lieblingsteam verfolgst. Für die Fans ist es sehr schade, dass das jetzt nur eingeschränkt möglich ist.
Sie scheinen sicher zu sein, dass wir uns unterhalten. Ich sage Ihnen: Ich spreche mit niemandem.
Welchen Eindruck haben Sie aus Gesprächen mit Ihren Kollegen. Gibt es eine breite Unterstützung für die Wimbledon-Entscheidung?
Bublik: Sie scheinen sicher zu sein, dass wir uns unterhalten. Ich sage Ihnen: Ich spreche mit niemandem. Gespräche im eigentlichen Sinn hatte ich nur wenige, Tennis ist ein Individualsport. Wir tauschen uns jetzt auch nicht über die Entscheidung aus, die Wimbledon getroffen hat.
Sie selbst können aber in Wimbledon antreten.
Bublik: Einen russischen Pass habe ich nicht mehr, denn zwei Nationalitäten sind nicht erlaubt. Mit dem Tennisverband in Russland stehe ich in keiner Verbindung. Ich bin Kasache und spiele seit fast sechs Jahren für das Land. Ich bin stolz, Kasachstan zu repräsentieren. Im Davis Cup, bei den Asian Games oder bei den Olympischen Spielen.
Sie stehen aktuell auf Platz 32 der Weltrangliste. Wie sehr unterscheidet sich Ihre Herangehensweise, je nachdem, ob Sie auf einen Top-5-Spieler oder auf die Nummer 120 der Welt treffen?
Bublik: Natürlich ist das etwas ganz anderes. Gegen eine Nummer 120 zu spielen, ist nicht interessant für mich. Meistens ist es langweilig. Von daher ist es toll, gegen einen der Topjungs anzutreten. Viele von uns sind zusammen groß geworden auf dem Platz. Mit Daniil Medvedev, Andrey Rublev, Casper Ruud oder auch Sacha Zverev verbinden mich gemeinsame Erinnerungen. Es macht einfach mehr Spaß, mich mit Spielern dieser Klasse zu messen.
Empfinden Sie Matches gegen Top-Ten-Spieler sogar als einfacher?
Bublik: Da muss man differenzieren. Klar ist es sportlich leichter, gegen die Nummer 120 zu spielen, aber aus meiner Sicht macht es kaum einen Unterschied, ob du auf die Nummer 60 oder die Nummer zehn im Ranking triffst.

Bublik beim Masters von Monte Carlo auf dem ungeliebten Sandbelag

Fotocredit: Eurosport

Die Sandplatzsaison hat begonnen. Ein Belag, mit dem Sie wenig anfangen können, wie man hört.
Bublik: Ja, ich mag Sandplätze nicht. Nichts daran gefällt mir. Ich werde aber in Madrid, Rom und bei den French Open spielen.
Ihrer Abneigung zum Trotz?
Bublik: Ich muss Geld verdienen. Dafür spiele ich. Zudem sind Events wie Madrid ja obligatorisch, du musst spielen. Ich bin Profi und habe keine Wahl.
Das Gelbe vom Ball - der Eurosport Tennis-Podcast mit Boris Becker
https://play.acast.com/s/das-gelbe-vom-ball
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